Der heilige Nikolaus.Foto: iStock

Heiliger Nikolaus: Ein Leben als Vorbild?

Von 6. Dezember 2021 Aktualisiert: 6. Dezember 2021 12:09
Nikolaus, der Bischof von Myra war, lebte im 4. Jahrhundert und wurde zu einem der bekanntesten Heiligen der christlichen Glaubenswelt. Verehrt wird er für seine menschenfreundliche und hilfsbereite Wesensart, die in den Legenden überliefert ist.
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Alle Kinder kennen den weißbärtigen Mann mit Nickelbrille und rotem Gewand, der in der Nacht zum 6. Dezember Stiefel, Strümpfe und Teller mit allerlei Leckerbissen wie Mandarinen, Lebkuchen und Erdnüssen befüllt.

Ist das erledigt, macht er – manchmal in Begleitung eines Esels und dem Knecht Ruprecht – seine Aufwartung in Schulen, Waldhütten und Einkaufshäusern. Die Kinder singen ihm Lieder vor und sagen ihm zu Ehren Gedichte auf. Und dann kommt jener Moment, in welchem der Nikolaus sein dickes Buch aufschlägt und vorliest, wie sich die Kinder übers Jahr bemüht und betragen haben.

Der historische Nikolaus (circa 280-351 n. Chr.) lebte im frühen 4. Jahrhundert in der heutigen Türkei. Er wirkte zuerst als Priester, später wurde er zum Bischof von Myra gewählt. Er war noch ein Kind, als er seine Eltern verlor und deren Vermögen erbte. Das sicherte seine Existenz und ermöglichte ihm, Armen und Bedürftigen gezielt zu helfen. Er soll temperamentvoll gewesen sein, ein Streiter, aber auch ein Vermittler. Es heißt, er habe oft Gnade vor Recht walten lassen. Über seine guten Taten entstanden Legenden, die von Mönchen und Bischöfen weitergetragen wurden.

Der Nikolaus-Kult beginnt mit dem Römerkaiser Justinian

In der katholischen Kirche dienen die Heiligen den Gläubigen als Vorbild, sei es in der Lebensführung, im Glaubensleben oder im Umgang mit Schwierigkeiten und Krankheiten. Der römische Kaiser Justinian I. (482-565 n. Chr.) widmete dem Heiligen Nikolaus Mitte des 6. Jahrhunderts eine Kirche in Konstantinopel. In ihr lagerten auch einige Reliquien. Von dort aus gelangte der Nikolaus-Kult nach Griechenland und Russland.

Im 8. Jahrhundert erreichte der Nikolaus-Kult Süd- und Mitteleuropa. Die erste Nikolauskapelle wurde im münsterländischen Billerbeck gebaut. 972 soll Kaiserin Theophanu (circa 960-991 n. Chr.) anlässlich ihrer Hochzeit mit dem römisch-deutschen Kaiser Otto II. eine Reliquie des Heiligen erworben haben. Diese befand sich seither im Dom in Worms und ging 1688 bei der Zerstörung des Doms im Pfälzer Erbfolgekrieg verloren. Zum Brautschatz der Kaiserin gehörte ein im 10. Jahrhundert entstandenes Bildnis des Nikolaus: die Nikolaus-Ikone von Aachen-Burtscheid.

Bringt jetzt der Nikolaus oder das Christkind die Gaben?

Die guten Taten, von denen die Legenden handeln, gefielen den Menschen und es war leicht,  Nikolaus in sein Herz zu schließen. Einer Legende nach erbat der Bischof von Myra während einer Hungersnot von den Getreidehändlern bei den für Rom bestimmten Schiffsladungen 100 Scheffel Getreide. Er versicherte ihnen, dass durch seine Gebete am Zielhafen kein Korn der Ladung fehlen werde. Dies bewahrheitete sich und Nikolaus konnte seine Gemeinde ernähren und die Bauern mit Saatgut versorgen.

Im Volksbrauchtum entwickelte sich der Nikolaus im Laufe des 16. Jahrhunderts zum Gabengeber an die Kinder. Dazu sagt der Brauchtumsforscher und Theologe Manfred Becker-Huberti: „Nördlich der Alpen gab es schon früh das Kinderbeschenkefest am 28. Dezember, dem ‚Tag der unschuldigen Kinder‘. Dieses Schenken ist dann zum Nikolaus verlagert worden, der ja auch beschenkte“, so der Experte.

Die heutige Weihnachtsbescherung fand ursprünglich am Nikolaustag statt. Erst seit Martin Luthers Reformation wurde diese auf Weihnachten verlegt. Luther bevorzugte das Christkind als Gabenbringer und lehnte den katholischen Nikolaus-Kult ab. Es heißt sogar, dass er ihn kindisch fand. Trotzdem soll es eine Haushaltsabrechnung datiert aus dem Jahre 1535 geben, die belegt, dass Luther 135 Nikolausgeschenke erstand, die er an die in seiner Obhut lebenden Kinder und Angestellten vergab. Der lutherische Pfarrer Martin Behm predigte noch im frühen 17. Jahrhundert in der Kirche gegen den heiligen Nikolaus und bezeichnete die Nikolausgeschenke als einen „bösen Brauch“.

Aus Nikolaus und Christkind entwickelte sich im Amerika des 19. Jahrhunderts der Weihnachtsmann Santa Claus. Holländische Auswanderer brachten ihren Sinterklaas mit nach Amerika, der am Heiligen Abend im roten Gewand und mit weißem Bart den Kindern die Geschenke überreichte. Der heute allseits bekannte amerikanische Nikolaus wurde ab 1931 durch den Export von Coca-Cola weltweit bekannt. Die Vorlage dafür lieferte der deutsche Karikaturist Thomas Nast (1840-1902). Ein New Yorker Getränkehersteller entwickelte daraus für seine Ginger-Ale-Werbekampagne den wohlbeleibten und fröhlichen Santa.

Nicht nur an die eigenen Interessen denken

Im Gegenzug zu Luther findet der Theologe und Autor Prof. Dr. Manfred Becker-Huberti an Nikolaus bemerkenswert, dass er sein Vermögen als Verpflichtung wahrnimmt, um damit anderen Menschen zu helfen. Nicht nur auf die eigenen Interessen zu achten, sei eine Tugend, die nicht nur von Kindern gepflegt werden sollte. „Unsere Gesellschaft heute hat das verdammt nötig“, sagt der Theologe gegenüber katholisch.de.

Der Brauch, am Vorabend Stiefel, Strümpfe oder Teller für den nächtlichen Besuch des Nikolaus bereitzustellen, um sich dann am andern Morgen von dem Geschenkten überraschen und erfreuen zu lassen, geht auf eine der Nikolaus-Legenden zurück. Diese besagt, dass Nikolaus des Nachts Goldklumpen in das Haus eines armen Mannes warf, der seine drei Töchter nicht ordentlich verheiraten konnte, weil dafür die Mitgift fehlte. Dank der Gabe des Nikolaus blieb den Töchtern ein Leben als Prostituierte erspart.

Trotz der Reformen Luthers wird der Nikolaus von Kindern aller Glaubensrichtungen gefeiert. Stephan Goldschmidt, Pastor und Geschäftsführer der Liturgischen Konferenz der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), sagte: „Für uns in der evangelischen Kirche sind die Heiligen Vorbilder des Glaubens und Glaubenszeugen.“ Im Messbuch findet sich für den Bischof von Myra ein Tagesgebet, in dem auf die Fürsprache des Heiligen um ein großmütiges Herz gebetet wird. „Damit wir anderen schenken, was wir empfangen.“ Nikolaus werden die erstrebenswerten Tugenden der Gerechtigkeit, der Nächstenliebe und der Fürsorge für die Armen zugeschrieben.

Lob und Tadel einig Ziel: Ein guter Mensch sollst du werden

Das Brauchtum, die braven Kinder zu loben und die unartigen zu ermahnen, soll aus dem mittelalterlichen „Bischofsspiel“ entstanden sein. An einer Klosterschule durfte ein Schüler für einen Tag als Bischof walten und den Erwachsenen predigen und ihr Verhalten tadeln. Noch heute liest der Nikolaus aus einem dicken Buch den Kindern vor, ob sie über das Jahr hinweg artig oder unartig waren, und spricht dabei Lob und Ermahnung aus.

Ab dem 17. Jahrhundert kam diese Rolle dem Knecht Ruprecht zu, einer Figur aus vorchristlicher Zeit. Er sollte die unartigen Kinder ermahnen, fromm und fleißig zu sein. Der Name Ruprecht verweist auf Frau Percht, eine Figur aus der slawischen und germanischen Mythologie, die, ähnlich wie Frau Holle aus Grimms Märchen, die rechtschaffenen und fleißigen Menschen belohnt und die faulen bestraft.

Wie in dem Gleichnis von den anvertrauten Talenten (Talern) aus dem Matthäusevangelium, bei dem drei Knechte ihrem Herrn Rechenschaft ablegen müssen, was sie während seiner Abwesenheit mit ihren Talenten angefangen haben – so ist auch die Befragung der Kinder durch den Nikolaus zu verstehen. Man lebe nur auf Zeit und werde sich eines Tages bei Gott verantworten müssen, sagt Becker-Huberti: „Ich bin also ständig gefragt, ob mir das, was ich tue, dabei später dient oder schadet“, so der Theologe.

Beim Schenken ginge es nicht darum, den Kindern möglichst viele Bonbons in die Hand zu drücken. Je mehr das Nikolaus-Schenken als Zeichen für überirdisches Glück und göttliche Gnade in Vergessenheit gerät, umso mehr kommt es zum „heillosen Schenken“ und „maßlosen Konsum“, kritisiert der Theologe. Beim Nikolaus ist das Schenken ein Akt der Güte, eine Zuwendung an einen notleidenden oder verletzlichen Mitmenschen.



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