Ein Schaffell ist nicht nur dekorativ, sondern auch äußerst „wohltuend“..
Schaffelle sind nicht nur dekorativ, sondern äußerst gesund, wie eine Studie zeigt.Foto: iStock

Die Heilkraft im Pelz – was über Schaffell verschwiegen wird

Ob weiß, braun oder geflammt, Schaffelle sind ein echter Hingucker und verleihen dem Zuhause eine wohlige Atmosphäre. Aber sie können noch mehr.

Weich, flauschig, wärmend. Ob im Kinderwagen oder als Nierengurt – viele Menschen schwören auf die wohltuende Wirkung von Schaffellen. Die einzigartigen Eigenschaften lassen sich nämlich nicht durch die künstlich hergestellten Fellprodukte ersetzen.

Während ein Schaffell im Winter wärmt, kühlt es im Sommer. Der ausgleichende Effekt ist auf die zwischen den feinen Schafwollfasern befindlichen Luftkammern zurückzuführen. Zudem kann Schafwolle bis zu einem Drittel ihres Eigengewichts an Feuchtigkeit aufnehmen, ohne sich nass anzufühlen oder zu kleben.

Auf die Details kommt es an

War das Gerben und das Pelzhandwerk einst fester Bestandteil vieler Städte, arbeiten die Akteure heute teils im Verborgenen. Dabei ist Fell ein sehr hochwertiger und überaus nachhaltiger Rohstoff – und er ist im Gegensatz zu Kunstfasern vollständig biologisch abbaubar.

Dennoch sind beide Gewerke aus verschiedenen Gründen ins Abseits gerückt worden. Ein Argument ist, die verwendeten Rohstoffe seien giftig und schädlich, wobei eine Unterscheidung dringend geboten ist, beispielsweise beim Chrom.

Das Metall wird in der Stahlindustrie oder zum Beschichten von Fahrzeugteilen oder Wasserhähnen verwendet. Hierbei wird sechswertiges Chrom verwendet. Das ist giftig. Auch Gerber verwenden Chrom, allerdings dreiwertiges. Das gilt unter Medizinern als lebensnotwendiger Spurennährstoff und kommt unter anderem im Trinkwasser vor. Ein weiterer Gerbstoff ist Alaun, das ein besonders weiches, leichtes und zügiges Leder hervorbringt. Im Gegensatz zur Chromgerbung wird das Fell aber nicht wasser- beziehungsweise waschfest.

Eine besondere Wirkung ist bei medizinisch gegerbten Lammfellen zu beobachten. Bei ihrer Herstellung wird weder Chrom noch Alaun, sondern ein spezieller Gerbstoff, Glutaraldehyd, besser bekannt als Relugan verwendet. Dieser verbindet sich mit den Hautfasern. Dadurch entsteht ein bedingt waschbares Fell und die Wolle erhält eine gelbliche Färbung.

Die „wohltuende Wirkung“ von Schaffell

Das medizinische Lammfell fördert nicht nur die Durchblutung von Bindegewebe und Muskulatur, wodurch Verspannungen gelöst werden. Ärzte empfehlen es auch bei Allergien, Rheuma, Gicht, Kreislaufstörungen sowie Rücken- und Gliederschmerzen.

Lammfell hat zudem die Eigenschaft, Gerüche zu neutralisieren und Schmutz abzuweisen. Die aus Proteinen bestehenden Wollfasern, die wie die Schuppen eines Tannenzapfens dicht übereinanderliegen, bieten Bakterien, Viren und anderen Krankheitserregern keine Nahrungsgrundlage. Aus diesem Grund ist ein Lammfellunterbett für Allergiker bestens geeignet. Auch Patienten mit Hauterkrankungen wie Pflegepatienten, die sich häufig wundliegen, profitieren davon.

Da jedoch Gerber und Kürschner meist keine ärztliche Ausbildung haben, dürfen sie keine Gesundheitsaussagen treffen und mit diesen Effekten nicht werben. Welche „wohltuende Wirkung“ ein Schaffell haben kann, verdeutlicht folgende Anekdote, die Epoch Times zugetragen wurde:

Die Beine eines Kindes wuchsen zu unterschiedlichen Längen und die Eltern standen vor der Entscheidung, was zu tun sei. Eine Operation kostete etwa 6.000 bis 7.000 Euro. Während der Erfolg nahezu gewiss ist, sind Komplikationen nicht auszuschließen. Die Eltern entschieden sich dagegen. Nach einem Vier-Augen-Gespräch mit der Ärztin kauften sie ein Schaffell und wickelten es jede Nacht um das zu kurze Bein ihres Kindes. Der Versuch kostete sie den Preis eines Schaffells. Sie hatten allerdings vergessen, wie lange diese Behandlung dauern sollte. Nach einem halben Jahr stellten sie fest, dass nun das andere Bein zu kurz war.

Ein Blick in die wissenschaftliche Literatur bestätigt, dass es mehr als nur eine Geschichte ist. Demnach behandelten die Schweizer Orthopäden Dr. Charls Petri und Dr. Urs Schneider 22 Kinder auf diese Weise. Bei 18 Kindern verringerte sich der Längenunterschied deutlich. In zwei Fällen trat das oben Geschilderte ein.

Studie: Lammfell beugt Asthma vor

Die Wissenschaftlerin Christina Tischer vom Helmholtz-Zentrum München hat in einer 2014 veröffentlichten Studie eine weitere Eigenschaft von Lammfellen aufgedeckt. Dazu wertete das Forscherteam die Daten von 3.000 neugeborenen Stadtkindern aus, die im Vergleich zu Kindern aus ländlicher Gegend einer höheren Schadstoffbelastung ausgesetzt sind.

Die Stadtkinder wurden seit 1998 regelmäßig untersucht. 55 Prozent von ihnen schliefen in den ersten drei Monaten auf einem Tierfell, die Kontrollgruppe hingegen auf normalen Bettlaken.

Das Fazit der Forscher: Wer in sehr jungen Jahren auf einem Schaffell schläft, senkt das Risiko, an Asthma zu erkranken. Selbst im Alter von sechs Jahren waren die früheren Fellschläfer zu 79 Prozent weniger an Asthma erkrankt als die Kontrollgruppe. Mit zehn Jahren lag der Prozentsatz bei 41.

„Die Ergebnisse älterer Studien legen nahe, dass Mikroben, die in einer ländlichen Umgebung zu finden sind, vor Asthma schützen können. Auch eine Tierhaut oder ein Fell kann ein Reservoir für unterschiedliche Mikroben darstellen und ähnliche Mechanismen auslösen wie eine ländliche Umgebung“, so Tischer.

Auf das Schaffell kommt es an

Wie Gerbung nicht gleich Gerbung ist, so ist auch Fell nicht gleich Fell, verrät ein Kürschner mit eigenem Ladengeschäft gegenüber Epoch Times. Gerade in der Winterzeit bieten mitunter auch Supermärkte Felle als Dekoration an. Das sollten sie auch bleiben, denn oft handelt es sich dabei um Kunstfell.

In Baumärkten finden sich gelegentlich auch echte Felle. Diese sind meist von Neuseelandschafen und gebleicht. Sie sind daher schön weiß, aber etwas kühl am Anfang. Der Tipp des Profis: schön anzuschauen, aber nicht ins Bett.

Felle von Himalaja- oder Blauschafen zeichnen sich durch eine lange Wolle aus, haben jedoch ein weniger dichtes Vlies, sprich weniger dichte Unterwolle als Milchschafe. Sie eignen sich daher auch eher weniger fürs Bett.

Grundsätzlich gilt auch für Schaffelle, was für alle Naturprodukte gilt, egal ob Tannenbaum, Marmorplatte oder eben Fell: Jedes Stück ist ein Unikat, weshalb es sich empfiehlt, sie – nicht nur Felle – dort zu kaufen, wo man sie anfassen und beschnuppern kann. Das erspart Enttäuschungen.

Die richtige Fellpflege

Dank der großen Selbstreinigungskraft des Schaffells reicht es aus, das Fell auszuschütteln und auszulüften. Auch ein Absaugen und Ausbürsten der Wollfasern kommt infrage. Ob und wie man ein Fell waschen kann, hängt von der Gerbung ab. Waschen sollte eine absolute Ausnahme darstellen, wobei man der Empfehlung des Herstellers folgen sollte.

Während der üblichen Lebensdauer eines Lammfells, die laut Experten etwa zehn Jahre beträgt, sollte man es nicht öfter als viermal waschen.

Medizinisch gegerbte Lammfelle können per Hand oder im Wollprogramm der Waschmaschine bei maximal 30 Grad Celsius gewaschen werden. Dazu verwendet man spezielles lanolinhaltiges Fellwaschmittel, da ein herkömmliches Waschmittel die Struktur der Fellhaare aufbrechen und das Fell verfilzen könnte. Das Lanolin wirkt rückfettend und beugt Verfilzungen vor.

Auch im Trocknungsprozess gibt es einiges zu beachten: Direkte Sonne und das Lagern des Fells auf einem Heizkörper sind tabu, da das Fell sonst steif und spröde wird.

Am besten breitet man das gewaschene Fell auf einem großen Wäscheständer aus und bedeckt es mit einem Handtuch, das im Verlauf mehrfach gewechselt wird. Während des Vorgangs sollte man das Fell immer wieder walken, also durchkneten. So wird das Leder gedehnt und bleibt geschmeidig. Hier gilt: lieber einmal zu viel als zu wenig.

Wer sein trocknendes Fell vergisst, läuft Gefahr, später steifes Leder vorzufinden. Experten raten dazu, das Leder zu befeuchten, bis es wieder weich wird. Dann wird der Trocknungsprozess noch einmal korrekt wiederholt. Mit ständigem Ziehen und Kneten kommt das Fell wieder in seine Topform.



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