Wasser trinken, aber richtig: Welche Fehler man vermeiden sollte

Menschen müssen Wasser trinken, um zu überleben. Bei übermäßigem Genuss kann es jedoch ins Gegenteil umschlagen.
Titelbild
Foto: iStock
Von 31. Oktober 2022

Wasser ist das Elixier des Lebens. Doch in zu großen Mengen getrunken, schadet das Wasser dem Körper mehr als es nützt. Manche gehen ins Extrem, beispielsweise wenn sie abnehmen wollen. Andere verzichten ganz auf Wasser und trinken überwiegend Kaffee oder Alkohol, sodass es zur Dehydrierung des Körpers kommen kann. Was sollte man also über den Genuss von Wasser wissen und welche Fehler gilt es zu vermeiden?

Fehler 1: Übermäßig viel Wasser trinken

Manche denken, je mehr man trinkt, umso besser. Dies kann jedoch negative Folgen nach sich ziehen. Laut Dr. Gyaltsen Lobsang, Experte für Präventivmedizin, kann Wasser, das in kurzer Zeit und in großen Mengen getrunken wird, Blähungen und Übelkeit verursachen. Zudem belastet es Herz und Nieren unnötig. Wenn man zu viel Wasser auf einmal trinkt, müssen die Nieren überschüssiges Wasser aus dem Körper ausscheiden, was wiederum zu Müdigkeit führt.

Am schlimmsten ist jedoch der erhebliche Abfall des Natriumgehalts im Blut, der eine Wasservergiftung zur Folge hat. Das Blut des Körpers ist zu stark verdünnt, was zu einem Ungleichgewicht der intra- und extrazellulären Ionenkonzentrationen führt – die Kommunikation zwischen den verschiedenen Geweben und Organen fällt aus. Das kann in schweren Fällen sogar zum Tod führen.

Eine Wasservergiftung kann auch das Gehirn dauerhaft schädigen: Durch ein Elektrolyt-Ungleichgewicht kann Wasser in die Gehirnzellen eindringen, wodurch sich diese vergrößern. Dies führt zu einer Flüssigkeitsansammlung, einem sogenannten Hirnödem, das bleibende Folgen hat. Zu den Symptomen einer akuten Wasservergiftung gehören unter anderem: Erbrechen, Übelkeit, Kopfschmerzen, Schwäche, Reizbarkeit, Krämpfe, Verwirrtheit, Schläfrigkeit und Bewusstlosigkeit.

Langfristige Folgen einer Wasservergiftung sind Blasenschwäche, Harninkontinenz, Nieren- und Hirnödeme sowie Osteoporose (Knochenschwund). In der Regel bekommt man eine Wasservergiftung, wenn man mehrere Liter Wasser innerhalb einer kurzen Zeit trinkt.

Wie kommt eine Überdosis von Wasser zustande? Früher trat sie häufig bei psychisch kranken Menschen auf, die unkontrolliert Wasser tranken. In anderen Fällen waren es erschöpfte Marathonläufer und Kadetten beim Militär, die mehr Wasser tranken als sie brauchten. Auch Menschen mit starkem Durchfall, die den Flüssigkeitsverlust ausgleichen wollten, gehörten dazu. Heute sind es eher avantgardistische Diäten, die zu einer Wasservergiftung führen, wie beispielsweise die koreanische Wasserdiät. Bei ihr versucht man, den Stoffwechsel durch eine extrem hohe Wasserzufuhr anzukurbeln.

So gab es kürzlich den Fall einer 27-jährigen Koreanerin, die abnehmen wollte. Dafür trank sie fast vier Liter Wasser pro Tag und reduzierte ihren Salzkonsum. Sie bekam Durchfall und musste sich übergeben, danach hatte sie etwa 15 Minuten lang Krämpfe und verlor schließlich das Bewusstsein. Sie hatte davor keine Epilepsie oder psychische Probleme gehabt – nur wegen ihres übermäßigen Wasserkonsums kam sie in die Notaufnahme. Glücklicherweise konnte sie wiederbelebt werden.

Dr. Lobsang betonte auch, dass Wassertrinken zwar den Stoffwechsel anregt, aber kein Mittel zum Abnehmen ist. Man sollte Wasser langsam und in kleinen Schlucken trinken, denn der Körper weiß, wann es genug ist.

Wie kann man feststellen, ob man zu viel Wasser getrunken hat? Ein Gang auf die Toilette verschafft da Klarheit: Wer zu viel Wasser getrunken hat, hat einen sehr klaren Urin. Normaler Urin sollte hellgelb sein. Auch sollte man bedenken, dass die empfohlene tägliche Flüssigkeitszufuhr für einen Erwachsenen etwa bei 30 Milliliter pro Kilogramm Körpergewicht liegt. Dr. Lobsang empfiehlt jedoch, das Wetter und die Lebensgewohnheiten zu berücksichtigen und die Wassermenge entsprechend anzupassen.

Fehler 2: Sehr viel eiskaltes Wasser trinken

Im Hochsommer trinken viele gerne eiskaltes Wasser, um sich abzukühlen. Das kann den Körper allerdings stark belasten. Die normale Körpertemperatur liegt bei circa 37 Grad; im Magen sind es normalerweise 38 Grad. Wer also viel eiskaltes Wasser auf einmal trinkt, verlangsamt laut Dr. Lobsang die Durchblutung des Magens, weil sich die Blutgefäße durch die Kälte zusammenziehen.

Um die Körpertemperatur wieder auf 37 Grad zu bringen, ist viel Zeit und Energie nötig. Zudem beeinträchtigt eine niedrigere Körpertemperatur das Immunsystem und den Stoffwechsel.

Eiskaltes Wasser führt auch dazu, dass sich der gesamte Verdauungstrakt zusammenzieht, was ihn insgesamt verlangsamt. Daher hat es keine Vorteile, eiskaltes Wasser zu trinken, vor allem nicht für Menschen, die bereits unter Achalasie leiden. Bei Achalasie handelt es sich um eine Beweglichkeitsstörung der Speiseröhre und des Schließmuskels zum Magen. Die Nahrung kann nicht zur Verdauung in den Magen gelangen. Die Patienten haben Schwierigkeiten beim Schlucken. 

Einer Studie zufolge kann das Trinken von Eiswasser die Kontraktionszeit der Speiseröhre verlängern und den Mageneingang verschließen. Daher sollten Patienten mit einer Achalasie nur heiße Getränke trinken und warme Mahlzeiten essen, damit sich die Speiseröhre entspannen kann und die Symptome gelindert werden.

Kopfschmerzen, die auftauchen, wenn man Eiswasser oder Slushies trinkt, nennt man auch „Hirnfrost“. Die Ursache ist eine Überstimulation der Nerven am Gaumen durch das Eis. Das führt dazu, dass sich die Blutgefäße schnell zusammenziehen und wieder erweitern. Die Erweiterung der Blutgefäße verursacht Kopfschmerzen. Dieses Phänomen betrifft nicht direkt die Blutgefäße im Gehirn, sondern ist vielmehr eine Reaktion des Gehirns auf einen zu großen Temperaturunterschied in der Umgebung.

Nicht jeder, der Eiswasser trinkt, bekommt einen Hirnfrost, doch das Trinken hat Auswirkungen auf die Hirndurchblutung. Eine deutsche Studie aus dem Jahr 2019 über das Trinken von eiskaltem Wasser ergab, dass bei allen Probanden nach dem Trinken von Eiswasser der Widerstand in den Blutgefäßen des Gehirns abnahm und die mittlere Strömungsgeschwindigkeit in den Hirnarterien zunahm.

Dr. Lobsang empfiehlt, selbst an sehr heißen Tagen Wasser mit Raumtemperatur zu trinken. Wer wirklich kaltes Wasser trinken möchte, sollte dies in kleinen Schlucken tun. Es sollte jedoch kein Eiswasser sein, also kein frisch geschmolzenes Eis, wie zum Beispiel in Wasserflaschen, die im Gefrierschrank aufbewahrt wurden.

Fehler 3: Aufbereitetes Wasser trinken

Trinkwasser durchläuft normalerweise einen Filterprozess, um Schadstoffe, Schwermetalle und Bakterien zu entfernen. Dr. Lobsang empfiehlt jedoch nicht, stark aufbereitetes oder gar destilliertes Wasser zu trinken, sondern solches mit Mineralstoffen.

Beispielsweise leiden viele Menschen heute an Magnesiummangel – das hängt mit unserem Trinkwasser zusammen. Leitungswasser und abgefülltes Wasser wurde „enthärtet“, es wurden ihm also viele Mineralstoffe entzogen. Magnesiummangel äußert sich in schwachen Knochen, er führt zu Diabetes, Herz-Kreislauf-Problemen und chronischen Schmerzen. Wer Wasser trinkt, das mit Magnesium angereichert wurde, kann bis zu 30 Prozent seines Magnesium-Tagesbedarfs decken.

Fehler 4: Direkt aus der Flasche trinken

Viele Menschen trinken kein Wasser aus Plastikflaschen, weil diese Weichmacher enthalten. Untersuchungen der taiwanischen Lebensmittel- und Arzneimittelbehörde zeigten jedoch, dass PET-Flaschen, die sieben Tage hintereinander Temperaturen von bis zu 60 Grad ausgesetzt waren, lediglich Veränderungen an der Verpackung aufwiesen; Mikroplastik oder Weichmacher konnten im Wasser nicht nachgewiesen werden.

Die wirkliche Gefahr geht vielmehr vom Trinken selbst aus. Denn wenn man direkt aus der Flasche trinkt, bleibt Speichel, der Bakterien enthält, am Flaschenverschluss haften – die Flasche ist dann kontaminiert. Lässt man eine „verunreinigte“ Flasche für einige Zeit im Freien stehen, können sich die Bakterien an und in der Flasche schnell vermehren.

Wasser aus einer mit Bakterien verunreinigten Flasche zu trinken, ist ungesund. Deshalb sollte man das Wasser nach dem Öffnen vollständig austrinken. Eine Alternative wäre, den Kontakt mit der Flasche beim Trinken zu vermeiden und das Wasser beispielsweise in ein Glas zu gießen. Außerdem sollte man die Flasche nach dem Öffnen an einem kühlen und trockenen Ort aufbewahren.

Fehler 5: Zu viele andere Getränke trinken

Viele Menschen trinken normalerweise kein Wasser, sondern andere Getränke. Diese enthalten neben Wasser jedoch oft auch Koffein oder Alkohol – also Substanzen mit harntreibender Wirkung. In Wirklichkeit wirkt der Konsum bestimmter Getränke entwässernd, ohne dass die Menschen dies bemerken. Der medizinische Fachausdruck dafür ist chronische Dehydration.

Chronischer Flüssigkeitsmangel ist nicht leicht zu erkennen, kann aber zu Gewichtszunahme, Verstopfung, Gelenkschmerzen, trockener Haut, Muskelschwäche, Vergesslichkeit und Reizbarkeit führen. In schweren Fällen verursacht er sogar Herzinfarkte oder Schlaganfälle.

Wenn die Getränke auch noch Zucker enthalten, belastet das den Körper umso mehr. Der Konsum von zu viel Zucker kann zu einer Gewichtszunahme führen und Diabetes beziehungsweise Herz-Kreislauf-Erkrankungen begünstigen.

Wer Erfrischungsgetränke trinkt, weil er Wasser zu fade findet, kann dem Wasser einige Früchte hinzugeben, empfiehlt Dr. Lobsang. Apfel- oder Zitronenscheiben sind eine Option, weil sie gut riechen, aber nicht zu süß sind. Man sollte jedoch daran denken, das Wasser nicht über Nacht stehenzulassen.

Artikel von Epoch Health dienen Informationszwecken und sind kein Ersatz für eine medizinische Beratung. Bitte wenden Sie sich für eine persönliche Beratung, Diagnosestellung oder Behandlung an Ihren Arzt.

Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel: „Common Mistakes We Make When It Comes to Drinking Water“. (redaktionelle Bearbeitung as)

Dieser Artikel erschien zuerst in der Epoch Times Wochenzeitung, Ausgabe Nr. 68, vom 29. Oktober 2022.



Epoch TV
Epoch Vital
Kommentare
Liebe Leser,

vielen Dank, dass Sie unseren Kommentar-Bereich nutzen.

Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen, Schimpfworte, aggressive Formulierungen und Werbe-Links. Solche Kommentare werden wir nicht veröffentlichen. Dies umfasst ebenso abschweifende Kommentare, die keinen konkreten Bezug zum jeweiligen Artikel haben. Viele Kommentare waren bisher schon anregend und auf die Themen bezogen. Wir bitten Sie um eine Qualität, die den Artikeln entspricht, so haben wir alle etwas davon.

Da wir die Verantwortung für jeden veröffentlichten Kommentar tragen, geben wir Kommentare erst nach einer Prüfung frei. Je nach Aufkommen kann es deswegen zu zeitlichen Verzögerungen kommen.


Ihre Epoch Times - Redaktion