Hamburger Forscher entdecken Verbindung zwischen SARS-CoV-2, Impfung und Nervenschäden

Eine Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf zeigt, dass SARS-CoV-2 den Vagusnerv schädigen kann. Dies könnte zu Dysautonomie, einer neurodegenerativen Erkrankung, führen, die sowohl bei Long-COVID-Patienten als auch als Nebenwirkung bei COVID-19-Impfungen beobachtet wurde.
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Vagusnervinfektion: Ein Schlüsselelement im Verständnis von Long COVID? Im Bild: 3D-Darstellung einer neuronalen Zelle, die durch eine Virusinfektion zerstört wird. Symbolbild.Foto: iStock
Von 18. August 2023

Neueste Untersuchungen könnten Antworten für jene bereitstellen, die auch lange nach einer überstandenen COVID-19-Infektion noch anhaltende Symptome zeigen. Dazu zählen Erschöpfung, Schwindel, Gedächtnisnebel, kognitive Störungen, gastrointestinale Probleme, Herzrasen, Kurzatmigkeit und die Unverträglichkeit aufrechter Körperhaltungen. Eine Studie, die am 15. Juli in „Acta Neuropathologica“ veröffentlicht wurde, deutet darauf hin, dass eine Infektion mit SARS-CoV-2 die Nerven des autonomen Nervensystems schädigen und somit eine entzündliche Reaktion hervorrufen könnte. Diese könnte wiederum zu der bei Long-COVID-Patienten festgestellten neurodegenerativen Erkrankung – der sogenannten Dysautonomie – führen.

Long COVID: Eine Störung des autonomen Nervensystems?

Forscher des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf analysierten die Vagusnerven von 27 an COVID-19 verstorbenen Patienten und fünf Kontrollprobanden, die aus anderen Ursachen ohne eine COVID-19-Infektion verstarben. Der COVID-19-Impfstatus wurde in der Studie von den Forschern nicht berücksichtigt.

Der Vagusnerv spielt eine zentrale Rolle im autonomen Nervensystem (ANS) und steuert essenzielle Funktionen wie Verdauung, Atemfrequenz, Herzschlag und Immunreaktionen. Über Signale an den Hirnstamm beeinflusst der Vagusnerv auch die sogenannte „Krankheitsverhaltensreaktion“, bei welcher das Gehirn Symptome wie einschließlich Übelkeit, Müdigkeit und Schmerzen in Reaktion auf Entzündungen entwickelt.

In den Vagusnervproben der an schwerem COVID-19 verstorbenen Patienten konnten die Forscher SARS-CoV-2-RNA nachweisen.

Des Weiteren analysierten sie 23 Vagusnervproben von verstorbenen COVID-19-Patienten nach unterschiedlichen SARS-CoV-2-RNA-Viruslasten. Ziel war es herauszufinden, ob das Virus direkt im Vagusnerv nachweisbar ist und ob es einen Zusammenhang zwischen Viruslast und Nervendysfunktion gibt. Die Untersuchungen bestätigten nicht nur die Anwesenheit des Virus im Vagusnerv, sondern auch einen direkten Zusammenhang zwischen SARS-CoV-2 RNA-Viruslast und Dysfunktionen des zentralen Nervensystems.

In einem weiteren Schritt wurden 323 Patienten, die zwischen dem 13. Februar 2020 und dem 15. August 2022 in die Notaufnahme kamen, nach Schwere ihrer COVID-19-Erkrankung kategorisiert. Dabei stellten die Forscher fest, dass bei Überlebenden die Atemfrequenz zunahm, während sie bei den kritischeren Fällen abnahm. Dies weist darauf hin, dass SARS-CoV-2 eine Entzündung des Vagusnervs auslösen kann, die durch eine autonome Dysfunktion (reduzierte Atemfrequenz) zu schweren Krankheitsverläufen führt. Dies könnte ein Beitrag zur bei Long COVID beobachteten Dysautonomie sein.

Als Antwort auf die Studie äußerte sich die Mikrobiologin Amy Proal von der PolyBio Research Foundation: „Der Vagusnerv ist ein zentraler Bestandteil des autonomen Nervensystems und beeinflusst Körperfunktionen wie Herzschlag, Verdauung und Atemfrequenz. Eine direkte Infektion des Nervs durch SARS-CoV-2 könnte somit zu den beobachteten Symptomen beitragen.“ Sie fügte hinzu: „Diese Erkenntnisse rücken eine Frage in den Fokus: Könnte eine anhaltende SARS-CoV-2-Infektion des Vagusnervs zu Dysautonomie im Kontext von Long COVID führen?“

Was ist Dysautonomie?

Laut einer kürzlich in der Fachzeitschrift „Nature Reviews Microbiology“ erschienenen Studie haben nach mindestens zehn Prozent aller COVID-19-Erkrankungen die Menschen mit Long COVID zu kämpfen.

Eine andere internationale Studie ergab, dass bis zu 66 Prozent dieser Patienten an einer mittleren bis schweren Dysfunktion des autonomen Nervensystems (ANS) leiden, die als Dysautonomie bezeichnet wird.

Dysautonomie stellt eine Störung des autonomen Nervensystems dar, einem zentralen Bestandteil unseres Nervensystems, der essenzielle unbewusste Funktionen regelt. Dazu gehören Atmung, Herzschlag, Blutdruck, Verdauung, Temperaturregulation des Körpers, Speichelfluss, hormonelle und Blasenfunktion sowie sexuelle Aktivität. Außerdem spielt das autonome Nervensystem eine zentrale Rolle bei der akuten „Kampf-oder-Flucht“-Stressreaktion und vermittelt Signale zwischen den inneren Organen.

Wenn Dysautonomie auftritt, gerät das autonome Nervensystem, das sich aus dem sympathischen, parasympathischen und enterischen Nervensystem zusammensetzt, aus dem Gleichgewicht.

Ein spezieller Typ der Dysautonomie, das posturale orthostatische Tachykardiesyndrom (POTS). Dieser Zustand wurde sowohl bei Long-COVID-Patienten als auch als Nebenwirkungen nach COVID-19-Impfungen beobachtet.

Zu den Symptomen von POTS gehören unter anderem Schwindelgefühl, Konzentrationsprobleme, ausgeprägte andauernde Müdigkeit, Belastungsintoleranz, unscharfes Sehen, niedriger Blutdruck, Herzstolpern, Zittern und Übelkeit.

Behandlungsmöglichkeiten für Dysautonomie

In der medizinischen Fachwelt richten sich therapeutische Ansätze zur Behandlung autonomer Dysfunktionen darauf aus, Symptome zu lindern und Auslöser mithilfe von Medikamenten und nichtpharmakologischen Maßnahmen zu vermeiden.

Kardiovaskuläre Dysautonomie

Bei Dysautonomie, die das Herz-Kreislauf-System beeinflusst, wurden in einer Studie aus dem Jahr 2022 in „Frontiers in Neurology“ folgende Empfehlungen gemacht:

  • Trinken Sie Wasser vor dem Aufstehen am Morgen.
  • Erhöhen Sie Ihren Kopf während des Schlafs.
  • Kontrollieren Sie Ihre Wasser- und Salzaufnahme.
  • Nutzen Sie Kompressionsbekleidung.
  • Betreiben Sie regelmäßiges, schrittweises, aerobes Training.
  • Meiden Sie Situationen, die die Symptome verschlimmern könnten, wie Schlafmangel, starke Hitze, üppige Mahlzeiten und Alkoholkonsum.

Um nicht in Ohnmacht zu fallen, kann es helfen, die Beine zu kreuzen, die Muskeln anzuspannen oder in die Hocke zu gehen. Wenn solche einfachen Maßnahmen nicht helfen, gibt es auch zusätzliche verschreibungspflichtige Medikamente. Dazu gehören Mittel, die den Herzschlag regulieren, die Blutgefäße verengen oder das Blutvolumen erhöhen.

POTS

Die genannte Frontiers-Studie legte dar, dass Menschen mit POTS von einer zusätzlichen Flüssigkeits- und Salzzufuhr profitieren könnten. Überdies sollten Koffein und Alkohol gemieden werden, ebenso wie Situationen die Symptome verschlechtern. Dazu zählt laut der Studie längeres Stehen, Hitze und Dehydration. Ein behutsamer Übergang von einer liegenden oder sitzenden Position zum Stehen wird empfohlen.

In der Studie wurden verschiedene Behandlungsmöglichkeiten wie Betablocker oder Medikamente gegen niedrigen Blutdruck für die Symptome beim Aufstehen genannt.

Dysautonomie im Kontext von Long COVID oder Post-Vac-Syndrom

Das Frontline COVID-19 Critical Care Alliance (FLCCC) hat sich intensiv mit der Behandlung von Long COVID und den Folgen von Impfungen einschließlich Dysautonomie befasst. Da viele Long-COVID-Patienten geimpft sind, ist laut den Ärzten von FLCCC oft unklar, ob die anhaltenden Symptome von COVID-19 oder der Impfung herrühren.

Das FLCCC hat spezielle Behandlungsempfehlungen sowohl für Long-COVID-Patienten als auch für solche mit Impfreaktionen entwickelt. Hierzu zählt auch die Dysautonomie und POTS.

Eine weitere Studie in „Frontiers in Neurology“ hat herausgefunden, dass nichtinvasive Neuromodulationstechniken wie Ultraschall für Dysautonomie-Patienten von Vorteil sein könnten. Mit diesen Therapieformen können Schmerzen in Muskeln und Knochen sowie allgemeine Müdigkeit verringert werden. Außerdem helfen sie laut der Studie bei der geistigen und körperlichen Erholung bei Nervenkrankheiten.

Dieser Artikel erschien zuerst auf theepochtimes.com unter dem Titel „COVID-19 Vagus Nerve Inflammation May Lead to Dysautonomia: New Study“ (Deutsche Bearbeitung kr, cs). Der Inhalt des Artikels ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen suchen Sie bitte Ihren Arzt auf. 



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