Hochprozentiges Cannabis steht in Verbindung mit erhöhtem Psychoserisiko bei jungen Erwachsenen

Studien zeigen, dass gezüchtete hochpotente Cannabissorten eine ernsthafte Bedrohung für die psychische Gesundheit darstellen.
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Yasmin Hurd, Direktorin eines Suchtinstituts in New York, warnt vor Cannabissorten, die absichtlich süchtig machend gezüchtet werden.Foto: iStock
Von 29. Mai 2024

Während seiner Einsatzpausen im Afghanistan-Krieg griff Craig auf das Rauchen von Cannabis zurück, um Stress abzubauen – genau wie er es als Teenager getan hatte. Doch eines Abends hatte er die Situation nicht mehr im Griff: Er schloss sich und seine zwei kleinen Töchter unter Wahnvorstellungen im Schlafzimmer ein.

„Er dachte, das Haus sei von Terroristen umzingelt“, erzählt Jennifer Thomas, die Mutter der Mädchen, gegenüber Epoch Times. „Die Nacht war schlimm; er sagte, sie würden angegriffen. Die anderen Male davor sah er meist Auren und Aliens, die zu ihm sprachen.“

Die Militärpolizei brachte Craig in ein psychiatrisches Krankenhaus, wo bei ihm im Alter von 26 Jahren Schizophrenie diagnostiziert wurde.

Craigs Geschichte ist eine von einer zunehmenden Anzahl von Fällen, vor allem bei Männern, bei denen der Cannabis-Konsum zu einer Schizophrenie-Diagnose im Alter zwischen 20 und 30 Jahren beigetragen hat.

Zusammenhang zwischen Cannabis und Psychosen

Eine neue britische Studie zeigt, dass Erwachsene, die zwischen 16 und 18 Jahren starkes Cannabis konsumiert haben, bis Mitte 20 doppelt so häufig unter psychotischen Episoden wie Halluzinationen und Wahnvorstellungen leiden, verglichen mit denen, die schwaches Cannabis konsumiert oder ganz darauf verzichtet haben.

Die Langzeitstudie, veröffentlicht in der Zeitschrift „Addiction“, betont die Risiken, die Cannabis für die Gehirnentwicklung im Jugendalter mit sich bringt.

In den letzten Jahrzehnten sind illegale Marihuana-Produkte deutlich potenter geworden. Die Konzentration von Tetrahydrocannabinol (THC) – der psychoaktiven Verbindung in Cannabis, die für das „High“-Gefühl verantwortlich ist und bei einigen Menschen mit psychotischen Erfahrungen in Verbindung gebracht wird – stieg laut einem wissenschaftlichen Bericht in „Biological Psychiatry: Cognitive Neuroscience and Neuroimaging“ von etwa 10 Prozent im Jahr 2009 auf etwa 14 Prozent im Jahr 2019.

„Das ist das Problem“, sagte Yasmin Hurd, Direktorin des Suchtinstituts am Mount Sinai in New York, gegenüber Epoch Times. „Viele Menschen wissen nicht, dass das Cannabis, das heute konsumiert wird, größtenteils oder sogar ausschließlich hochpotent ist.“

Stärkeres THC – eine tickende Zeitbombe für die psychische Gesundheit

Laut Hurd stellt Cannabis ein größeres Psychoserisiko dar als Tabak oder Alkohol. Sie bemerkte, dass die neuen Erkenntnisse mit zahlreichen Studien übereinstimmen, die den Cannabis-Konsum mit Psychosen in Verbindung bringen.

Eine Studie aus dem Jahr 2017 im „American Journal of Psychiatry“ ergab, dass Menschen, die auch nur eine durch Cannabis induzierte psychotische Episode erleben, ein 47 Prozent höheres Risiko haben, an Schizophrenie oder bipolarer Störung zu erkranken. Von denjenigen, die eine substanzinduzierte Psychose erlebten, entwickelte die Hälfte innerhalb von drei Jahren eine Schizophrenie, während die andere Hälfte innerhalb von fast 4,5 Jahren in eine bipolare Störung überging.

Sowohl die Schizophrenie als auch die bipolare Störung werden als Zustände angesehen, die durch Ungleichgewichte in den Gehirnchemikalien (Neurotransmitter) sowie durch Anomalien in der Gehirnstruktur und -funktion gekennzeichnet sind. Diese neurologischen Faktoren können zur Entwicklung psychotischer Symptome wie Halluzinationen und Wahnvorstellungen bei beiden Störungen beitragen.

Eine im „Molecular Psychiatry“ veröffentlichte Studie fand heraus, dass „der Konsum von Cannabis kausal mit dem Risiko für Schizophrenie verbunden ist“, was bedeutet, dass Cannabis ein Faktor ist, der das Auftreten dieser Störung beeinflusst.

Eine dänische Studie aus dem Jahr 2023 zeigte, dass eine Cannabis-Konsumstörung (CUD) ein bedeutendes Risiko für Schizophrenie bei jungen Männern darstellt. Experten schätzen, dass 30 Prozent der Schizophreniefälle bei Männern im Alter von 21 bis 30 Jahren verhindert werden könnten, wenn man den Cannabis-Konsum vermeiden würde.

Obwohl nicht alle jungen Cannabis-Konsumenten Psychosen entwickeln, sagte Hurd, dass Faktoren wie der Konsumbeginn vor dem 16. Lebensjahr, der häufige Konsum und die höhere Potenz das Erkrankungsrisiko erhöhen. Möglicherweise könnten auch bei genetisch prädisponierten Menschen Bedingungen hierfür ausgelöst werden, wie eine Studie aus dem Jahr 2018 ergab.

Das erhöhte Psychoserisiko durch potenteres Cannabis „muss ernst genommen werden, insbesondere im Hinblick auf die aktuelle Krise der psychischen Gesundheit“, schrieben Hurd und Kollegen in einem Kommentar aus dem Jahr 2024 im „American Journal of Psychiatry“.

Cannabis-Legalisierung in Deutschland

Mit dem 1. April sind Besitz und Konsum von Cannabis für Erwachsene in Deutschland unter bestimmten Voraussetzungen legal geworden.

Auch in den USA hat die Legalisierung von medizinischem Marihuana in immer mehr US-Bundesstaaten Cannabis für viele Menschen zugänglich gemacht. Hurd betonte jedoch, dass die derzeit stark süchtig machenden Sorten nicht harmlos seien. Sie erklärte, dass die Jugendzeit eine kritische Phase für das Risiko einer Cannabis-Konsumstörung (CUD) darstelle und daher öffentliche Aufklärung und Prävention besonders wichtig seien.

Hurd sagte auch, dass, obwohl der Konsum nicht kriminalisiert werden solle, die Legalisierung und die Reduzierung von Strafen die Tatsache ignorierten, dass die aktuellen Cannabissorten absichtlich süchtig machend gezüchtet würden. Ihrer Meinung nach gehe es bei der Produktion von Cannabis wie bei jedem anderen Geschäft darum, möglichst viele Kunden zu gewinnen.

Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „High-Potency Cannabis Linked to Increased Psychosis Risk in Young Adults: Study“. (deutsche Bearbeitung kr)



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