Honig wirkt wo Antibiotika versagen – auch bei multiresistenten Keimen

Von 21. Januar 2016 Aktualisiert: 8. Juli 2016 3:34
Altes Wissen durch Wissenschaft und Praxis bestätigt - Manukahonig aus dem Teebaum wirkt sogar gegen multiresistente Keime

Lange als Ammenmärchen der Volksheilkunde belächelt, wird seit Jahren in verschiedenen medizinischen Studien dem vielgeliebten süßen Gold der Honigbienen auch in der naturwissenschaftlichen Schulmedizin Ehre zuteil. Die Heilkraft des Jahrtausende alten Hausmittels wird von Forschern in verschiedenen Studien bewiesen. Mehr noch, Honig gilt inzwischen als ein Heilmittel der Zukunft, denn Honig kann, was Antibiotika nicht können und wird bereits in Kliniken auch in Deutschland erfolgreich eingesetzt.

Antibiotika verdrängten Altbewährtes

Noch in den letzten Weltkriegen sorgten Umschläge mit Honig dafür, dass Verletzungen der Soldaten besser heilten. Die modernen Antibiotika verdrängten aber mehr und mehr das Hausmittel. Doch hat sich die Situation inzwischen geändert, da wir in Kliniken mit Keimen konfrontiert sind, die gegen fast alle gängigen Antibiotika resistent sind, die so genannten multiresistenten Keime.

"Medizinischer Honig" hat Konkurrenz

Am wirkungsvollsten ist dabei aber nicht Blütenhonig, Tannenhonig oder Kleehonig wie er bei uns in den Regalen steht. Untersucht werden meist australische oder neuseeländische Honige, die von Manukasträuchern oder anderen Myrtengewächsen der Art Leptospermum scoparium, besser bekannt auch als Teebaum oder Melaleuka, gewonnen werden. Reiner Manukahonig macht nun einer bisher verwendeten Mischung, dem „Medizinischen Honig" (Medihoney) den Rang streitig. Medizinischer Honig als Spezialverband, Wundauflage oder Wundgel ist schon seit Jahren in deutschen Apotheken erhältlich und in Kliniken für krebskranke Kinder oder Unfallkliniken mit Stationen für schwerste Brandverletzung oder im Pflegebereich.

Bei unseren einheimischen Honigsorten entsteht durch enzymatischen Abbau von Zucker das zur Wunddesinfektion bestens bekannte Wasserstoffperoxid. Doch bei den Manukahonigen gibt es darüber hinaus einen anderen Wirkstoff, das Methylglyoxal. Es kommt bei herkömmlichen Honigsorten in einer Menge von ein bis fünf Milligramm pro Kilogramm vor, im Honig des Teebaums wurden dagegen 300 bis 700 mg Methylglyoxal pro Kilogramm gefunden.

Bei Methylglyoxal handelt es sich um einen antibakteriell, antibiotisch und antiseptisch wirkenden Stoff, der bereits im Nektar der Blüten des Manukastrauchs nachweislich entsteht, bevor er von den Bienen aufgenommen und auch in den Honig eingetragen wird. Die antibakterielle Wirkung dieses Stoffes wurde längst vom Institut für Lebensmittelchemie der Technischen Universität Dresden in bestimmten Manukahonigen nachgewiesen in Abhängigkeit von der Wirkstoffmenge.

Medihoney ist ein besonderer Honig, der von australischen und neuseeländischen Bienen aus den Pollen bestimmter Bäume (unter anderem einem Teebaumgewächs) gesammelt wird. Forscher der Universität Waikato in Neuseeland entwickelten spezielle Produkte auf der Basis von Manukahonig aus dem Teebaum, die in der lokalen Wundbehandlung und zur Einnahme bei Mund- und Halsentzündungen zum Einsatz kommen. Er ist europaweit als Medizinprodukt zugelassen. Er ist dem Honig für Nahrungszwecke auf diesem Gebiet deutlich überlegen, der eher weniger nützt. Der Medizinhonig hat keinerlei Nebenwirkungen und soll selbst für Allergiker verträglich sein. Sie erhalten ihn in der Apotheke oder über das Internet.

Manukahonig wirkt gegen multiresistente Keime

Manukahonig wirkt also auch bei Keimen, bei denen aufgrund von Resistenzen die bisherigen Antibiotika versagen, sogar gegen den gefürchteten MRSA (Multiresistenter Staphylococcus Aureus) wurden Erfolge erzielt. Bereits in den 90ziger Jahren erfand man für diese Wirksamkeit den „UMF-Wert", den Unique Manuka Faktor, eine Skala für die nachgewiesene

In der Klinik bewährt

Bereits ab 2002 stellten viele namhafte deutsche und österreichische Kliniken erstaunliche Erfolge fest. Ein Bonner Wundpflegeexperte der pädiatrischen Onkologie der Universitätsklinik in Bonn sagte 2006, dass abgestorbenes Gewebe schneller abgestoßen würde und die Wunden schneller heilten. Außerdem bereite der Verbandswechsel weniger Schmerzen, weil sich die Umschläge leicht entfernen ließen. Normalerweise riechen manche Wunden unangenehm ­­- eine enorme Belastung für den Patienten und Behandler. Der Honig hilft auch hier, indem er geruchsmindernd wirkt.  „Selbst Wunden, die über Jahre partout nicht heilen wollten, lassen sich nach unserer Erfahrung in den Griff bekommen – und das oft innerhalb weniger Wochen", so der Experte.

Keime entwickeln unter Honigbehandlung keine Resistenzen

Eine Studie der Universität Ottawa vom März 2009 belegte die Wirksamkeit des Manuka-Honigs gegen die Erreger der Nasennebenhöhlenentzündungen. Die Ergebnisse der University of Sydney vom Juni 2009 untermauerten auch die bisher guten klinischen Erfahrungen unserer fortschrittlichen Hospitäler.

Die meisten Bakterien, die Infektionen in Krankenhäusern verursachen, so genannte Hospitalismuskeime, sind deshalb gefürchtet, weil sie schon mindestens gegen ein Antibiotikum resistent sind. Bei den in der Studie verwendeten Honigsorten von Manuka und Jelly Bush gab es diese Einschränkung nicht, sie wirkten gegen alle gestesteten Erreger, darunter auch multiresistente Bakterien. Entscheidend aber ist, dass die Bakterien sich nicht anpassten und keine Resistenz gegenüber dem jeweiligen Honig entwickelten, wie dies bei Antibiotika der Fall ist. Er wirkt also nicht nur da, wo Antibiotika versagen, sondern seine Wirsamkeit lässt auch auf Dauer nicht nach.

Die Studie zeigt eindeutig, dass der medizinische Honig in vielen Fällen antibiotische Creme auf Wunden oder an Kathetern ersetzen kann. Angesichts einer immer kürzeren Lebensdauer vieler Antibiotika durch immer schnellere Resistenzbildung sind alternative Behandlungswege gegen Infektionen aus Vernunftgründen unerlässlich.

Kommentar:

Diese Erfolge mit ursprünglichen und über viele Jahrtausende bewährten Heilmitteln machen Hoffnung darauf, dass die moderne Pharmazie dabei helfen kann, den Schatz des vergangenen und in Vergessenheit geratenen medizinischen Wissens unserer Altvorderen neu zu bewerten und der heutigen Menschheit zurückzugeben. Honig war schon für Hippokrates das Allheilmittel schlechthin. Ob es wirklich notwendig ist zu wissen, warum nach heutigem Wissenstand etwas hilfreich und gesundheitsfördernd ist, sei dahin gestellt. Es ist in jedem Fall eine Glaubensfrage ob man bereit ist etwas auszuprobieren weil man den wissenschaftlichen Studien glaubt oder weil man dem alten Wissensschatz glaubt.

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