Nahezu um die Hälfte weniger Spannungskopfschmerzen durch Akupunktur

Von 28. Januar 2016 Aktualisiert: 7. Juli 2016 19:55

Einige gut gezielte Nadeln gegen den stechenden Kopfschmerz? Wie neuere Forschungen zeigen, ist es gar keine schlechte Idee, der Migräne und dem Spannungskopfschmerz mit der traditionellen chinesischen Akupunktur zu begegnen – laut der Studie soll die Akupunkturbehandlung die Häufigkeit der Spannungskopfschmerzen um die Hälfte senken können.

Dr. Stefan N. Willich, Direktor des Institutes für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheits- ökonomie an der Charité Universitätsklinik in Berlin, hat eine Studie an mehr als 3.000 Patienten durchgeführt und die Resultate im April 2009 veröffentlicht. Die Fragestellung war, ob sich in der Akupunkturbehandlung in Kombination mit der Routinebehandlung messbare Vorteile zeigen würden. Die Forscher kamen zu dem Ergebnis, dass sowohl die Häufigkeit als auch die Stärke des Schmerzes durch die Akupunktur deutlich gesenkt werden konnte.

Seltener Kopfschmerzen durch die traditionelle chinesische Akupunktur

Weitere Forschungen konnten belegen, dass die Akupunktur eine wirksame Therapie bei Migräne und Spannungskopfschmer- zen darstellt.

In einer randomisierten, kontrollierten Versuchsreihe (RTC) – dem goldenen Standard klinischer Versuche – teilten Forscher in Deutschland 270 Patienten mit gleich starken Spannungskopfschmerzen in drei Gruppen ein.

Über einen Zeitraum von acht Wochen wurde eine Gruppe mit traditioneller Akupunktur und eine Gruppe mit einer minimalen Akupunktur behandelt, in deren Verlauf die Nadeln nur oberflächlich in die Haut an Stellen eingeführt wurden, die nicht zu den Akupunkturpunkten zählen, während die dritte Gruppe die Funktion einer Kontrollgruppe übernahm. Sie wurde keinerlei Behandlungsmethoden unterzogen.

Die Testpersonen, die eine traditionelle Akupunkturbehandlung erhielten, sahen ihre Kopfschmerzrate um nahezu die Hälfte fallen. Sie litten während den auf die Behandlung folgenden vier Wochen sieben Tage weniger an Kopfschmerzen. Die Gruppe, die minimale Akupunktur erhielt, hatte 6,6 Tage weniger Kopfschmerzen. Die Kontrollgruppe hingegen, bei denen keine Akupunkturnadeln verwendet wurden, konnte nur 1,5 Tage weniger Kopfschmerzen verzeichnen – ein Rückgang von nur einem Zehntel.

Die Verbesserungen der Kopfschmerzraten hielten nach der Akupunkturbehandlung monatelang an, kehrten jedoch mit der Zeit langsam zurück.

Traditionelle Akupunktur, aber auch Minimalakupunktur vermindern Kopfschmerzen

Die Probanden der Kontrollgruppe erhielten nach der Durchführung des Hauptversuchs acht Wochen lang Akupunktur. Auch diese Patienten verzeichneten nach der Behandlung signifikante Verbesserungen, jedoch nicht in dem gleichen Ausmaß wie die Testpersonen der anderen Gruppen. Von den 195 Patienten in den Akupunkturgruppen berichteten 37 über einige Nebeneffekte – am meisten über Schwindelgefühle, andere über Kopfschmerzen und leichte Hautblutungen (bruising).

Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass derartig geringe Differenzen in den Ergebnissen bezüglich traditioneller und minimaler Akupunktur darauf hindeuten, dass der Lage der Akupunkturpunkte und anderen Aspekten der tradi- tionellen chinesischen Akupunktur keine besondere Bedeutung im Hinblick auf die Behandlung von Spannungskopfschmerzen zukommen. Gleichzeitig lassen sie die Frage aufkommen, ob die Akupunkturnadeln in der Gruppe der „richtigen“ Akupunkturbehandlung wirklich gut gewählt und getroffen waren.

Akupunkturbehandlungen sind manchmal mit starken Placeboeffekten assoziiert, warnten die Forscher. Sie schlussfolgerten, dass die Ergebnisse zeigen würden, dass Akupunktur bei an Spannungskopfschmerz Leidenden genauso gute Verbesserungen erzielten wie bereits anerkannte Behandlungsmethoden.

Ein weiterer Wirkungsfaktor: Vielfalt an Reizen durch Nadelsetzungen

Die Ergebnisse stimmen mit einer gleichermaßen gestalteten Studie zur Beurteilung der Effekte von Akupunktur, Minimalakupunktur und Nichtbehandlung in Bezug auf 307 deutsche Patienten überein, die an schweren Migränekopfschmerzen litten. Das `Journal of the American Medical Association´ berichtete über sie.

Die Forscher fanden heraus, dass neun bis zwölf Wochen nach dem Behandlungsbeginn die durchschnittliche Anzahl der Kopfschmerztage mit moderater oder schwerer Intensität abnahm – im Durchschnitt um 3,0 Tage. Die größte Reduktion wurde durch die traditionelle Akupunktur erzielt. Probanden dieser Gruppe berichteten, an 5,2 Tagen weniger Kopfschmerzen gehabt zu haben, während die Kopfschmerzen in der unbehandelten Kontrollgruppe lediglich um einen Tag abnahmen.

Diese klinische Studie zeigt deutlich, dass es einen Unterschied zwischen der Gruppe, die durch die traditionelle chinesische Akupunktur behandelt wurde, und der unbehandelten Kontrollgruppe gibt. Das Verhältnis der darauf Ansprechenden (Reduktion der Kopfschmerztage auf höchstens 50 %) lag bei 51 % in der Akupunkturgruppe, 53 % in der Minimal- akupunkturgruppe und 15 % in der Wartelistengruppe. Die traditionelle chinesische Akupunktur ist also laut dieser Studie tatsächlich in der Lage, die Häufigkeit der Kopfschmerzen um die Hälfte zu reduzieren.

Die Forscher folgerten aus der Studie, dass Akupunktur im Vergleich zu einer Nichtbehandlung mit einer Reduzierung von Mi-gränekopfschmerz assoziiert wird. Die in der Akupunktur und Minimalakupunktur beobachtete relative Übereinstimmung im Hinblick auf die Ergebnisse führten die Forscher auf nichtspezifische, physiologische Nadel – und Placeboeffekte zurück – oder auf eine Kombination von beiden. Zweifelsohne ist ein Teil der Akupunkturtherapie auf den Reiz der Nadeleinstiche und der Erwartungshaltung der Patienten zurückzuführen – doch bleibt bei all diesen Studien eine Frage offen: Im Hinblick auf die Komplexität und Vielfalt der Überlieferungen in der traditionellen chinesischen Akupunktur bleibt noch zu klären, inwieweit die Nadeln richtig gewählt, getroffen und eingesetzt wurden und der „eigentliche“ Effekt der Akupunktur erreicht werden konnte.

Mögen Sie unsere Artikel?
Unterstützen Sie EPOCH TIMES
HIER SPENDEN