Mehr Länder testen Reisende aus China – Lauterbach: „noch nicht notwendig“

Viele Länder haben Sorge, dass Reisende aus China neue Varianten des Coronavirus im Gepäck haben könnten. Immer mehr Länder führen deshalb eine COVID-Testpflicht ein. Der deutsche Gesundheitsminister Lauterbach sieht doch keine Notwendigkeit für Tests.
Testpflicht für Reisende aus China in mehr Ländern
Viele europäische Länder befürchten, dass chinesische Touristen eine neue bedrohliche Virusvariante einschleppen könnten.Foto: FILIPPO MONTEFORTE/AFP via Getty Images
Von 31. Dezember 2022

Erst vor rund einer Woche verkündete Christian Drosten das Ende der Corona-Pandemie. Angesichts der aktuellen Infektionswelle in China verschärfen nun jedoch immer mehr Länder ihre Kontrollen für Einreisende aus der Volksrepublik. Großbritannien, Spanien, Frankreich und Südkorea kündigten am Freitag (30.12.) Testpflichten an.

Deutschlands Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hält das aktuell für „noch nicht notwendig“. Stattdessen sieht er ein engmaschiges „Varianten-Monitoring“ für die europäischen Flughäfen vor.

Ein EU-weites Vorgehen gibt es bisher nicht, bei einem Krisentreffen kommende Woche soll das weitere Vorgehen voraussichtlich besprochen werden. Lauterbach mahnte am Freitag vor Journalisten: „Wir brauchen eine europäische Lösung“.

Abruptes Ende der Null-COVID-Politik

Nach fast drei Jahren strikter Vorkehrungen hatte Chinas Führung am 7. Dezember abrupt ein Ende seiner umstrittenen Null-COVID-Politik verkündet. Nach offiziell unbestätigten internen Schätzungen haben sich allein in den ersten drei Dezemberwochen 248 Millionen Menschen oder 18 Prozent der Bevölkerung Chinas infiziert.

Wissenschaftler warnen, die Corona-Welle könnte neue Varianten hervorbringen, die dann ihren Weg in andere Länder finden würden.

Die EU hatte dazu am Donnerstag beraten. Anschließend rief EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides die Staaten zunächst dazu auf, ihre nationalen Überwachungsmaßnahmen des Virus zu überprüfen und gegebenenfalls wieder hochzufahren.

Lauterbach: Keine Routine-Tests, dafür „Varianten-Monitoring“

Auch Lauterbach hält eine koordinierte, europaweite Lösung für wichtig. „Wir brauchen ein sehr genaues „Varianten-Monitoring“, denn diese Varianten-Überwachung können wir nicht zuverlässig aus China abrufen“, sagte der Minister.

„Hier könnte auch die gezielte Überprüfung beispielsweise von einzelnen Flugzeugen eine Rolle spielen, das wird vorbereitet.“ Es gebe aber keinen Anlass für „Antigen-Test auf Routine-Basis“. Bayern forderte indes vom Bund eine zeitnahe Abstimmung mit den Ländern über mögliche Auflagen für Reisende aus China.

Testpflicht in mehr EU-Ländern

In der Europäischen Union verkünden nun immer mehr Länder, entsprechende Maßnahmen gegen eine mögliche Einschleppung neuer Virusvarianten festzulegen. Italien hatte bereits am Mittwoch eine Corona-Testpflicht für Reisende aus China eingeführt.

Auch Spaniens Gesundheitsministerin Carolina Darias kündigte am Freitagmorgen an, Reisende aus der Volksrepublik müssten bei der Einreise einen Corona-Test vorlegen oder eine vollständige Impfung nachweisen. Ab wann, war zunächst unklar.

Frankreich zog am Freitagabend nach. Reisende aus China müssten vor Abflug vom 1. Januar an einen höchstens 48 Stunden zurückliegenden negativen Corona-Test vorlegen, teilte der französische Gesundheitsminister François Braun mit. Während des Flugs nach Frankreich gilt eine Maskenpflicht, bei der Ankunft wird ein PCR-Test vorgenommen. Die Zuständigen wollen dafür alle positiven Proben zur epidemiologischen Überwachung systematisch analysieren. Die Testpflicht für China-Reisende soll unabhängig davon gelten, ob sie mit einem Direktflug oder nach einem Umstieg auf französischem Staatsgebiet landen. Mit der Entscheidung in Paris könnte der Druck auf Deutschland wachsen, ebenfalls Schutzmaßnahmen zu ergreifen.

Außerhalb der EU

Die USA verlangen ab Januar von Einreisenden aus der Volksrepublik einen negativen Corona-Test, wie die US-Gesundheitsbehörde CDC bereits am Mittwoch mitteilte. Die neue Regelung tritt am 5. Januar in Kraft. Ab dann müssen Flugreisende, „die zwei Jahre und älter sind und aus China kommen, spätestens zwei Tage vor ihrem Abflug aus China, Hongkong und Macau einen Test machen und den Fluggesellschaften bei der Abreise ein negatives Testergebnis vorlegen“, erklärte die CDC. Auch Indien hatte Beschränkungen für China-Reisende eingeführt.

Berichten von Freitagabend zufolge will auch Großbritannien eine Testpflicht für Reisende aus China einführen. Ab dem 5. Januar müssen diese vor dem Abflug einen negativen Test vorweisen, der nicht älter als 48 Stunden ist. Als Grund für den Schritt führt die britische Regierung an, dass China nur unzureichend medizinische Daten teile. Man sei mit der Regierung Chinas im Gespräch und wolle die Maßnahme überdenken, sobald mehr Transparenz über die Lage herrsche.

Um neue, potenziell gefährliche Varianten identifizieren zu können, will man Passagieren am Flughafen Heathrow zudem die Möglichkeit geben, an einer Studie teilzunehmen. Dabei sollen die Teilnehmer auf Corona getestet und positive Proben sequenziert werden.

Israels Gesundheitsminister Arje Deri wies die Fluggesellschaften an, sich auf Flügen von China nach Israel von Ausländern einen negativen Corona-Test vorlegen zu lassen.

Auch Südkorea führte am Freitag eine Corona-Testpflicht für Reisende aus der Volksrepublik ein. Dort müssen sich ab Montag (2.1.) alle aus dem Nachbarland eingetroffenen Menschen innerhalb eines Tages nach Einreise einem PCR-Test unterziehen. Zudem müssen ab nächstem Donnerstag (5.1.) alle, die aus China anreisen wollen, einen negativen Corona-Test vorweisen können.

Gemeinsames Vorgehen der EU gefordert

Der SPD-Gesundheitspolitiker Christos Pantazis hält eine Testpflicht mit anschließender Sequenzierung – notfalls auch im deutschen Alleingang – für sinnvoll. Er hoffe noch auf ein gemeinsames europäisches Vorgehen, sagte er im RBB-Inforadio. Es gehe bei den Tests auch darum, neue Varianten zu erkennen: So werde in Italien nicht nur getestet, sondern auch sequenziert. Der Geschäftsführer der Arbeitgeberverbands BDA, Steffen Kampeter, hält von einem Alleingang allerdings nichts und forderte ein gemeinsames Vorgehen der EU.

Auch WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus zeigte Verständnis für das Vorgehen der Länder, weil „umfassende Informationen aus China“ fehlten.

Lauterbach sagte, zum jetzigen Zeitpunkt sei eine Gefährdung durch neue Varianten nicht zu erwarten. Bisher tauchten bereits bekannte Varianten auf. Er wollte noch am Freitag mit seinem französischen Amtskollegen „die Angelegenheit intensivst diskutieren“.

Corona-Lage in Deutschland

Hierzulande hält sich die 7-Tage-Inzidenz derzeit stabil auf eher niedrigem Niveau. Am Samstagmorgen betrug sie bundesweit 173,3., mit leicht sinkender Tendenz.

(Mit Material der Agenturen)



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