Abgewichen von Meinungslinie – Buchneuerscheinung zur Gender-Debatte

In ihrem neuen Buch „Transsexual Apostate. My Journey Back to Reality“ (Transsexuell abtrünnig. Meine Reise zurück in die Wirklichkeit)“ kritisiert Debbie Hayton die Transverbände als totalitär. Selbst als Transfrau wurde sie dennoch für ihre Meinung aufs Stärkste angegriffen.
Titelbild
Foto: iStock
Von 2. März 2024

Debbie Hayton wurde als David Hayton geboren und unterzog sich 2016 einer Mann-zu-Frau Operation. Hayton ist weiterhin verheiratet, hat drei Kinder und unterrichtet Physik an einer weiterführenden Schule. Bekannt wurde Debbie Hayton durch Kritik an den Forderungen der Translobby.

Die Rezension des Buches wird schon in der Titelzeile schwierig: Soll man „Apostate“ als Abtrünnige oder Abtrünniger übersetzen? Debbie Hayton hat sich einer kompletten geschlechtsangleichenden Operation unterzogen, bei der der Penis ausgehöhlt und nach innen gewendet wurde.

Nur biologische Männer können sich solch einer Operation unterziehen. Hayton selbst verwendet in den Memoiren die Ich-Form – aber wie soll man das in der dritten Person handhaben? Er/ihm oder sie/ihr? In diesem Artikel wird Hayton bis zur OP männlich und danach weiblich benannt. Es gäbe sicher auch Argumente, das anders zu handhaben und genau dieser Umstand macht Haytons Geschichte so spannend.

Traum vom problemlosen Leben

Die Autorin (sic!) erzählt die Geschichte ihrer Transsexualität von früher Kindheit bis heute. Schon als kleiner Junge wollte David heimlich Strumpfhosen tragen und hat sich gleichzeitig sehr dafür geschämt. „Heimlich“ und „Scham“ sind Worte, die in den Memoiren häufig vorkommen.

Immer wieder kaufte er Frauenkleidung, die er dann in Momenten der Reue wegwarf und sich vornahm, so etwas nie wieder zu tun. Er verliebte sich in seine heutige Frau, rang sich mit größten Schwierigkeiten durch, ihr von seinem Problem zu erzählen – wenn auch in einer Form, die sie nicht in dieser Tragweite verstand. Sie heirateten, waren in der Kirchengemeinde aktiv und bekamen drei Kinder.

Aber so sehr David kämpfte, der Hang zu Frauenkleidung blieb. Als er anfing, das Wort Gender Identity zu hören und als andere Leute sich Geschlechtsoperationen unterzogen, war er wie elektrisiert. Das war es, was er schon immer gewesen war: eine Frau im falschen Körper.

Wenn er nur endlich offen als Frau leben könnte, wäre alles gut. Hayton beschreibt seine Haltung zu dieser Zeit als sehr egoistisch. Er war eine Frau und danach hatten sich alle zu richten. Darin wurde er auch von seinem Therapeuten bestärkt.

Viel Aufmerksamkeit durch operierten Körper

Die OP schildert Hayton sehr detailreich und ohne Beschönigung, inklusive allen üblichen Gefahren wie permanenter Inkontinenz, den Verlust der Orgasmusfähigkeit, Blutungen oder dauerhafter Taubheit in den Geschlechtsorganen. Männer können dieses Kapitel wohl schwer lesen, ohne ihre Beine fest übereinanderzuschlagen.

Direkt nach der OP begann eine euphorische Zeit. Debbie war schon lange Mitglied in der Lehrergewerkschaft gewesen und machte als neue Transfrau plötzlich eine rasende Karriere. Ihre Meinung zu allem und jedem war gefragt. Nach eigener Aussage erlebte sie niemals und nirgendwo Transfeindlichkeit, wenn dann eher mal unangenehme Neugierde.

Durch ihre neue Tätigkeit als Gewerkschaftsfunktionärin musste sie sich mit den politischen Forderungen und Vorstellungen rund um das Thema Trans auseinandersetzen, was für sie auf zwei Ebenen schwierig war: Ihr wurde klar, dass die Motivation, als Frau aufzutreten, aus einem sexuellen Impuls heraus entstand.

Autogynophilie nennt man die Neigung eines Mannes, sexuelle Erregung durch die Vorstellung von sich selbst als Frau zu erlangen. Betroffene Männer sind aber nicht ausschließlich auf sich selbst bezogen, sie werden zusätzlich auch von biologischen Frauen heterosexuell angezogen. Anfänglich lehnte Hayton diese Theorie für sich völlig ab. Sie war eine Frau im falschen Körper, nicht ein Mann mit einer sexuellen Störung!

Der eigenen Wahrnehmung treu bleiben

Aber je länger sie sich ehrlich mit dem Thema auseinandersetzte, desto klarer wurde ihr: Doch genau da lag die Wurzel des Wunsches, als Frau gesehen zu werden. Sie musste für sich feststellen, dass sie nicht sagen konnte, was eine „Geschlechtsidentität“ eigentlich sein solle. Und Gender Identity, das ist die Begründung sämtlicher Gesetzgebung zum Thema trans.

Das zweite große Problem als Gewerkschaftsfunktionärin entstand für sie, weil sie die Forderungen der Translobby größtenteils inhaltlich nicht mittragen konnte. Vor allem war sie gegen die sogenannte „Self-ID“, wonach jeder sein Geschlecht selbst auf der Gemeinde bestimmen können sollte. So wie das in Deutschland derzeit als „Selbstbestimmungsgesetz“ in Arbeit ist.

Sie sah größte Schwierigkeiten für die Sicherheit von Frauen und Mädchen, wenn jeder Mann sich per Unterschrift zur Frau erklären könnte. Was, wenn sich Vergewaltiger in Frauengefängnisse bestimmen können, Lehrer in Mädchenumkleiden, jedermann in Frauenklos?

Auch erteilte sie der Idee, dass Teenager genügend Überblick hätten, um einer Geschlechtsumwandlung zustimmen zu können, eine klare Absage. Sie begann, sich in dieser Richtung zu äußern. Erst vorsichtig und dann immer deutlicher in Zeitungsartikeln.

Befreiender Moment, nichts anderes mehr vortäuschen zu müssen

Im nächsten Buchabschnitt beschreibt Hayton, wie sie für diese Sichtweise massiv und persönlich angegriffen wurde. „Transfrauen sind Frauen“ ist auch in Deutschland ein bekannter Spruch; in England wurde er gern auf T-Shirts getragen: „Transwomen are women. Get over it.“ Hayton antwortete mit einem T-Shirt: „Transwomen are men. Get over it!“ (Transfrauen sind Männer. Findet Euch damit ab!)

Debbie Hayton mit dem T-Shirt „Transfrauen sind Männer. Findet Euch damit ab!“, für das Sie stark attackiert wurde. Foto: mit freundlicher Genehmigung von Debbie Hayton

Für sie persönlich war dies ein wichtiges Statement. „Als ich mich mit der Tatsache abgefunden hatte, dass ich noch immer ein Mann war, denn mein Geschlecht hatte sich nicht magisch verwandelt, brauchte ich nicht länger vorgeben, etwas anderes zu sein. Und auch niemand anderes hatte das nötig.“ (When I had got over the fact that I was still a man, no magic had ever changed my sex, I no longer had to pretend I was anything else. And nor did anyone else.) Sie sieht das als einen großen Befreiungsmoment in ihrem Leben an.

Wohl hatte sie damit gerechnet, dass der Satz mit den Transfrauen, die Männer seien, nicht nur positive Reaktionen auslösen würde, aber auf den Sturm, der folgte, war sie nicht gefasst. Die Angriffe gingen weit über eine Welle der Empörung auf Twitter hinaus.

Sie wurde innerhalb der Gewerkschaft mit Disziplinarverfahren überzogen, weil sich transidentifizierte Mitglieder in ihrer Gegenwart angeblich nicht mehr sicher fühlen würden. Es hagelte Beschwerden an ihre Schule, sie sollten solch eine transphobe Lehrerin entlassen.

Ihr wurde Hassrede (Hate Speech) vorgeworfen und sie wurde als Gefahr für Kinder beschrieben. Ihr wurde ohne jeden Kontext oder dass Äußerung in diese Richtung gefallen wären, vorgeworfen, sie würde Pädophilie entschuldigen. Sie wurde bei Twitter wegen der Verbreitung von Hass gemeldet, worauf ihr Account ohne Untersuchung für sieben Tage gesperrt wurde.

Sie wurde bei der Polizei angezeigt, weil sie in der Öffentlichkeit ein transphobes T-Shirt getragen hätte. Die Polizei bestellte sie zu einer Befragung ein. Obwohl kein Verfahren eingeleitet wurde, konnten die Kritiker nun sagen, ihr Twitter-Account wäre wegen Hate Speech gesperrt worden und sie wäre sogar von der Polizei einbestellt worden.

Kritik an der verordneten Kritiklosigkeit

Debbie behielt ihren Job, wurde aber als Gewerkschaftsvertreterin abgewählt. Im Folgenden erzählt sie die Entwicklung der Trans-Debatte und -Gesetzgebung aus ihrer Sicht. Ihre Positionen sind klar. Transfrauen sind Männer. Männer haben in Frauenräumen nichts verloren. Kein Mensch kann sein Geschlecht wechseln. Es gibt in Großbritannien keine nennenswerte Transfeindlichkeit. Die freie Meinungsäußerung ist ein wichtiges Gut.

Sie greift die Haltung der Transverbände als totalitär an. Es gehe nicht an, dass Transverbände jede Diskussion mit dem Schlagwort der „Transphobie“ unterbänden und eine Hexenjagd auf Kritiker betrieben. Die Forderungen nach selbst bestimmtem Geschlechtseintrag auf der Gemeinde hält sie für absurd.

Das sei zum einen schlichtweg gefährdend für Frauen und Mädchen und überdies auf lange Sicht schädlich für Transfrauen. Wenn selbst erklärte männliche „Frauen“ in Umkleiden, Schulen, Gefängnissen oder Duschen übergriffig würden, würde das die Akzeptanz von allen Transfrauen senken – und das zu Recht.

Außergewöhnliche Positionierung

Im letzten Kapitel des Buches kommt die Ehefrau Stephanie Hayton zu Wort. Sie schildert, wie es für sie gewesen ist, als ihr Mann plötzlich eine Frau werden wollte. Wie es für die Kinder war, wie das soziale Umfeld reagiert hat. Leicht war das offensichtlich nicht. Und auch nichts, was sie sich jemals ausgesucht hätte.

Dieses Buch ist etwas Besonderes. Man bekommt nicht nur einen emphatischen Einblick in ein Thema, das derzeit die Gemüter bewegt, interessant ist auch, dass sich Debbie Hayton konsequent zwischen die Stühle setzt. Bei dem Transthema gibt es zwei klar definierte Lager mit wenig Überschneidungsfläche.

Ein biologischer Mann, der das Bedürfnis hat, in einer Frauenrolle zu leben und darin auch gern akzeptiert werden möchte, der aber gleichzeitig Augenmaß bei der Gesetzgebung fordert und den klaren Schutz von Jugendlichen vor Ideologisierung – das ist außergewöhnlich.

„Transsexual Apostate“ liest sich flüssig – wenn auch auf Englisch. Der Spannungsbogen hält über weite Strecken an. Wer was und wann in welchem Gewerkschaftsmeeting gesagt hat, könnte man vielleicht etwas straffen. Doch dem Buch sind viele Leser aus beiden Lagern zu wünschen.

Foto: mit freundlicher Genehmigung von Debbie Hayton

Transsexual Apostate. My Journey Back to Reality
Von Debbie Hayton
ISBN: 9781800753099, 288 Seiten, 25,96 Euro

Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muss nicht zwangsläufig die Sichtweise der Epoch Times Deutschland wiedergeben.


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