Hochwasserkatastrophe – und wie unsere Bauern die Kartoffeln aus dem Feuer holten

Von 21. Juli 2021 Aktualisiert: 24. Juli 2021 15:14
Mitten in der Erntezeit, der jährlich wichtigsten Zeit unserer sowieso schon hart ums Überleben kämpfenden Generationsbauern, helfen diese seit der ersten Katastrophenstunde uneigennützig und ehrenamtlich mit ihren schweren landwirtschaftlichen Geräten in den verschütteten Katastrophengebieten.

Aufmerksamen Betrachtern sind in Medienberichten seit der Flutkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz die vielen Traktoren aufgefallen, die meist unscharf im Hintergrund der Bilder und TV-Sendungen in den Katastrophengebieten vor Ort zu sehen waren.

Mitten in der Erntezeit, der jährlich wichtigsten Zeit unserer sowieso schon hart ums Überleben kämpfenden Generationsbauern, helfen diese seit der ersten Katastrophenstunde uneigennützig und ehrenamtlich mit ihren schweren landwirtschaftlichen Geräten in den verschütteten Katastrophengebieten, um die „Kartoffeln aus dem Feuer zu holen“.

Selbstorganisiert fuhren unzählige Bauern mit ihren Traktoren und Anhängern über entfernte Landstraßen bis in die Hochwasserorte, um in zerstörten Notgebieten Schutt abzutragen, Straßen und Wege freizuräumen, in vollgelaufenen Häusern und Kellern das Wasser mit Güllefässern abzusaugen.

Meteorologen warnten, Katastrophenschutz reagierte nicht

Unsere Landwirte wussten schon Tage zuvor, dass unsagbare Wassermassen herunterfallen werden. Nicht weil sie mystischen indianischen Wetterriten folgten, sondern den Wettervorhersagen von Kachelmann.

Das System des Katastrophenschutzes, die operativen Befugnisse liegen bei den Landkreisen und Städten, reagierte aber weder auf die Warnungen der Meteorologen noch auf die ebenso frühzeitige „extreme Flutwarnung“ des Europäischen Hochwasserwarnsystems (EFAS). Für dieses enorme Systemversagen trägt letztendlich Bundesinnenminister Horst Seehofer die persönliche Verantwortung.

Anstatt die Bevölkerung rechtzeitig zu warnen und in weiser Voraussicht auf kommende Wassermassen relevante Staudämme und Talsperren vorab koordiniert zu entlasten und zu entleeren, um so den Speicherraum für Hochwasser zu erhöhen, berichten Anwohner von Wasserpegeln in den Rückhaltebecken, die tagelang auf demselben Niveau verblieben. Somit stellt sich die berechtigte Frage, ob man die vorangekündigten Wassermengen möglicherweise sogar hätte aufhalten können.

Als dann, wie es zu erwarten war, der Wasserpegelstand innerhalb von wenigen Stunden in den Flüssen ultrarasant anstieg, gab es immer noch keine dem Bevölkerungsschutz dienende Warnung oder Reaktion, obwohl doch der Pegel genau aus diesem Grund, so sollte man meinen, hochoffiziell behördlich kontrolliert wird.

Bauwerke der Wasserregulierung für „Renaturierungsziele“ abgeschafft

Betroffene Täler sind geschichtlich geprägt von Hochwasserkatastrophen, schon in der Vergangenheit wurden Ackerland, Felder und Häuser von Wasserfluten zerstört, Tiere und Menschen kamen ums Leben. Deshalb errichtete man Wassersperren, Dämme, um Hab und Gut, Mensch und Tier vor genau solchen plötzlich eintreffenden Wassermassen besser zu schützen.

Mit dem Wissen um diesen geschichtlichen Hintergrund ist es umso alarmierender, dass, wie von der Politik gefordert, überall in Deutschland bewährte Bauwerke der Wasserregulierung für „Renaturierungsziele” systematisch abgeschafft und rückgebaut werden.

So wurden im Zuge der Renaturierung auch traditionelle Stauwehren an der Ahr abgebaut, die dem nun überschwemmten Ahrtal zusätzliche Schutzpuffer geboten hätten.

Entwässerungsgräben zurückgebaut

Biobauer Volker Schmohl aus Gosen-Neu Zittau, kurz vor Berlin, kämpft seit vielen Jahren als direkt Betroffener gegen ein Renaturierungs-Megaprojekt auf einer Fläche zwischen den Städten Erkner und Fürstenwalde und gegen die gesteuerte Versumpfung und Überflutung seiner Weideflächen, die in der Müggel-Spreeniederung liegen.

Heute stehen Volker Schmohls über das ganze Jahr auf der Weide stehenden Rinderherden zwischen harten, ungenießbaren Sumpfgräsern mit dem Grundwasser an der Oberkante der Erdoberfläche, oder gar überflutet, anstatt auf den ehemals fetten grünen Buttergraswiesen, die durch traditionelle Wasserregulierungssysteme überhaupt erst nutzbar und trocken gehalten wurden. Auch hier steuert seit mindestens 20 Jahren die Politik den systematischen Abbau von Lebensraum für Menschen und die Landwirtschaft.

Traditionell vorhandene Entwässerungsgräben wurden rückgebaut, vom Abfluss in größere Flüsse teilweise abgetrennt oder angeschlossen, Wasserläufe versandet und verschlammt, auch gesponsort durch EU-Fördermittel. Hier ist es den über die Jahre stets wechselnden verantwortlichen Politikern anscheinend egal, wie viele Bewohner, darunter Landwirte, schlichtweg auf lange Sicht unter Wasser gesetzt, also enteignet und geschädigt, anstatt geschützt werden.

In der langsamen aber stetigen Flutung und Versumpfung dieses großen Gebietes, wo inzwischen schon Keller von Grundstückseigentümern volllaufen, spielen, wie auch in den jetzigen Flutkatastrophengebieten, Staudämme eine wichtige Rolle.

Wo noch zu Zeiten der DDR die Talsperre Spremberg dafür eingesetzt wurde, eine Wasserflutung von Wohn- und Landwirtschaftsgebieten auch in der weit weg liegenden Müggel-Spreeniederung zu verhindern, wurden seitdem die Gegebenheiten verändert, um eine über viele Generationen gewachsene nutzbare Kulturlandschaft langsam aber stetig zurück in eine ideologische Urzeit zu versetzen. Dort sammelte damals der Mensch noch in kleinen Sippen wilde Beeren und erschlug Wildschweine, bevor er sich das Land fruchtbar machte, Pferd, Rind, Schwein und Vogelvieh zähmte, züchtete und versorgte.

Dem Klimawandel zuzuordnen?

Wie zu erwarten war, werden nun ideologisch-populistische Stimmen laut, um die jetzige Hochwasserkatastrophe fälschlicherweise dem sogenannten „Klimawandel“ zuzuordnen, anstatt sich das Geflecht von Unverantwortlichkeiten unseres Regierungssystems endlich mal vorzuknöpfen.

Und wen wundert es noch, kommen auch sogleich die Forderungen vonseiten selbsternannter Umwelt-NGOs, flankiert von grünen Politikern, zur erweiterten „Renaturierung“ von Flüssen, um noch mehr Landfläche, oftmals Ackerland, aber auch Wohnraum, mit Wasser zu fluten. Begradigte Flüsse, die doch gerade extreme Hochwasserstände verhindern, sollen wieder so zurückentwickelt werden, dass möglicherweise über Jahre nicht nutzbare Gebiete in den nun zwangsgefluteten Regionen entstehen würden und Massen an Menschen und Tiere umgesiedelt werden müssten.

Aber welche Bedeutung hat Acker- und Weideland überhaupt noch für Deutschlands sich immer weiter vergrößerndes, aufgepumptes und unsere Steuern und Rechte wegfressendes Regierungs- und Verwaltungssystem?

Welchen Wert haben unsere Bauern heutzutage, unsere Landwirte, die in Familienbetrieben seit Generationen mit der Erde und dem Tier hier bei uns im Land Ernährung produzieren und über die gesicherte Selbstversorgung für Wohlstand und die Sicherung des Rechtsstaates gesorgt haben? Jetzt gerade in den Katastrophengebieten Schutt beiseite räumen, verzweifelte Bewohner handfest unterstützen?

Erhalt der Landwirtschaft nur für Biobauern?

In diesen jetzigen undemokratischen Zeiten einer mafiös vorangetriebenen, entmenschlichenden Globalisierung, wo regionale Kultur und regionale Interessen gezielt torpediert und ignoriert, die Souveränität von Europas Nationalstaaten systematisch ohne des Bürgers Einverständnis abgeschafft und in Siebenmeilenschritten an die EU, dem regionalen Satellitensystem der Vereinten Nationen, überreicht werden, ist der Erhalt der Landwirtschaft in Deutschland schon lange nicht mehr eingeplant.

Nur sagt keiner der von uns gewählten Scheindemokraten das so deutlich.

Nur vereinzelt soll in der Übergangsphase einer für uns geplanten Zukunftsvision der subventionierte Biobauer für die reichen Leute regionale Biogurken und glückliches Biofleisch produzieren, bevor digital gedrucktes künstliches Fleisch und künstliche Milch den Weltmarkt übernommen haben. Nutztierhaltung, deutsche Milchkühe, Schweine, Rinder und Federvieh sollen langsam aber stetig von unserem Esstisch verschwinden, auch hier wieder zum scheinbaren Schutz des Klimas, welches sich alleine schon durch Abschaffung von Deutschlands Nutztier„pupsen“ wandeln soll.

Im modernen Kolonialisierungsstil will man also immer weiterführend andere Länder zur Brotkammer Deutschlands machen. Von dort Rohstoffe und Nahrungsmittel importieren. Systematisch werden unsere letzten Generationsbauern durch immer größere Gesetzeshürden, Knebelverordnungen, Klimagebote in die Knie und zur Aufgabe ihrer Höfe gezwungen und unsere regional-nationale Ernährungssouveränität abgeschafft.

Menschen sollen ohnehin durch gesteuerte Wohnraumlenkung aus dem ländlichen Raum vertrieben und in durch künstliche Intelligenz nahtlos digital überwachten „smart, green innovative cities“ in immer kleineren Wohnraumboxen leben, vordergründig auch hier wegen des Klimawandels.

Menschen suchen Hilfe bei Landwirten

In Kriegs- und Katastrophenzeiten aber sucht jede Bevölkerung, vor allem aus den Städten, Hilfe und Nahrung bei ihren regionalen Landwirten. Bei den Menschen, die unsere Nahrung produzieren, und somit Leben spenden. Spätestens seit Corona und erlebten Lieferungsengpässen und deutlichen Lebensmittelverteuerungen ist das viel mehr Menschen bewusst, als es der Politik lieb ist.

Nun sind es genau diese Bauern, aus unterschiedlichen Bundesländern kommend, die trotz großer Sorge ums eigene Überleben ihrer Höfe, trotz Erntezeit auf ihren oftmals hochverschuldeten schweren Traktoren in den Katastrophengebieten anrollten und ohne irgendwelche Behörden oder Katastrophenschutzkoordination vor Ort tagelang selbstorganisiert zusammen mit mittelständigen Bauunternehmen, Gartenbaufirmen, LKW-Fahrern und anderen Ehrenamtlichen den Schutt beiseite räumten.

Für Kanzlerin Merkel wurden die Traktoren weggeräumt

Als Kanzlerin Merkel aber medienwirksam den Krisenort Schuld besuchte, wurden die Traktoren zuvor stundenlang außerhalb am Ortsrand festgesetzt. Die zuvor am Krisenort fehlende Katastrophenhilfe wurde vor laufenden Kameras in sauberer, fleckenlosen Bekleidung mit hochglanzpolierten Fahrzeugen präsentiert, während die erschöpften Bauern, von der medialen Bildfläche entfernt, in ihren verschlammten Klamotten und verdreckten Treckern außerhalb des Politikrummels ihre Hilfsarbeiten unterbrechen mussten.

Überhaupt ist die eigentliche Story, wie sich der von Corona-Zeiten gebeutelte selbstständige Mittelstand sofort, und das uneigennützig, selbstorganisiert einsetzte, wo die Politik, das System, der Katastrophenschutz unfassbar versagte.

Reifenreparaturfirmen und Hydrauliknotdienste reparierten ungefragt und unentgeltlich Traktoren und Baugeräte. Wechselten Reifen von gestrandeten Treckern, wo ein Trecker-Reifen locker bis zu 2.000 Euro kostet. Andere fuhren mit Tanks, gefüllt mit Diesel, um die Fahrzeuge der Bauern, Gartenbau- und Bauunternehmen zu versorgen.

Andere halfen mit bloßen Händen bei allem, was anfiel. Viele, darunter Landwirte, fanden sich, um Hilfsangebote und Hilfssuchen zu koordinieren, ohne Staat, ohne Behörden, von Mensch zu Mensch.

Und morgen wieder Bauernbashing?

Heute, jetzt dankt man inzwischen dem Bauern, dem ganzen Berufsstand. Und morgen? Wird dann wieder Bauernbashing betrieben?

Wir müssen jetzt endlich nachdenken, was in unserem eigenen Land wirklich passiert. Was mit uns allen passiert. Diese Flutkatastrophe und das eindeutige Systemversagen sind ein weiterer Weckruf.

In welche Zukunft wollen wir unsere eigenen Füße setzen und die unserer zukünftigen Generationen?

Eine Bitte noch. Nehmen Sie sich die Zeit beim Einkauf und schauen Sie, wo genau das Lebensmittel herkommt. Nehmen Sie lieber den Sack Kartoffeln, die hier bei uns, von unseren Bauern gepflanzt und geerntet wurden. Nach höchstem Standard der Lebensmittelherstellung, auch wenn uns immer wieder etwas völlig anderes suggeriert wird.

Wir werden sie noch brauchen, unsere Landwirte. Auch die Kartoffeln.

Zur Autorin: Rebecca Sommer ist eine international tätige, seit 2012 in Berlin sesshafte, deutsche Menschen- und Völkerrechtsadvokatin. Bis zu ihrer Rückkehr nach Deutschland 2012 engagierte sie sich mit ihrem speziellen beratenden ECOSOC-Status sowohl bei den Vereinten Nationen im New Yorker UN-Hauptquartier in Genf und weltweit für Menschenrechte mit speziellem Fokus auf Indigene Völker und Völkerrecht.

Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muss nicht zwangsläufig die Sichtweise der Epoch Times Deutschland wiedergeben.


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