Sozialismus ist brutal: Es ist nicht humanistisch, Menschen mit Gewalt um ihr Eigenes zu bringen | ET im Fokus

Von 3. Mai 2019 Aktualisiert: 23. Mai 2019 9:51
Es ist keinesfalls eine „humanistische“ Mission, die Menschen um ihr Eigenes, ihre traditionellen Bindungen, Eigentum, Familie, ihre Loyalität zum Gemeinwesen oder ihren religiösen Glauben zu bringen sucht - und dies mit Gewalt. Es geht um die Aufhebung aller Grenzen und Abgrenzungen. In der Wissenschaft ist der Sozialismus schon längst überholt.

Müssen wir uns noch über die Arbeitswertlehre, die Mehrwerttheorie, die Geschichtsmetaphysik und Apokalyptik, den sogenannten historischen Materialismus, müssen wir uns über die Verelendungstheorie, die Krisen- und Konzentrationstheorie oder die kollektivistische Hordenethik unterhalten? Oder die Unmöglichkeit einer zentralisierten Planwirtschaft ohne Kalkulation mit Knappheitspreisen?

Oder über das Ideal eines von institutionellen Bindungen befreiten, nicht länger „entfremdeten“ Individuums  im Grüne-Weide-Glück einer Überflussgesellschaft ohne Privateigentum, ohne Unternehmerinitiative, Familie, Religion oder Nation, ja sogar ohne Arbeitsteilung?

Es ist keinesfalls eine „humanistische“ Mission, die Menschen um ihr Eigenes, ihre traditionellen Bindungen, Eigentum, Familie, ihre Loyalität zum Gemeinwesen oder ihren religiösen Glauben zu bringen sucht – und dies mit Gewalt.

Marx hat als „Schreibtischtäter“ die Monster des 20. Jahrhunderts zu ihren Untaten inspiriert. Gewiß war er eine historische „Größe“, am Umfang und Dauer seiner zerstörerischen Wirkung – am „Erfolg“ bemessen. Seine destruktive Philosophie beherrschte auf dem Höhepunkt mehr als ein Drittel der Menschheit (eine „deutsche“ Philosophie nebenbei).

Seine Geschichtsmetaphysik war immerhin theoretisch anregend: die Frage nach dem Verhältnis von ökonomischer „Basis“ und politisch-kulturellem „Überbau“, hat etwa die Religionssoziologie Max Webers angeregt, der dann die große Wirkung des Überbaus auf die Basis am Beispiel der Weltreligionen und ihrer Wirtschaftsethik zeigte.

Inwiefern lebt der traditionelle Marxismus weiter? Es sind die andauernden Ressentiments und Neidgefühle, die er anspricht, die Polemik gegen Eigentum, „Egoismus“, Unternehmertum, die untergründig weiterleben– besonders in der Gestalt einer „sozialen Gerechtigkeit“.

Eine Sonderform des Marxismus: Der „Kulturmarxismus“

Der Kulturmarxismus wurde entwickelt als ein Ideengebräu von enttäuschten westlichen Intellektuellen nach der ausgebliebenen proletarischen Weltrevolution und als Antwort auf die vorübergehend erfolgreichen faschistischen bzw. rechtstotalitären Bewegungen.

Der Sieg der weiterhin gültigen letzten egalitären Ideale des Marxismus sollte nur nicht mehr im Vertrauen auf die Gesetzlichkeit der wirtschaftlichen Entwicklung, mit Ergänzung allenfalls durch direkte politische Gewalt, sondern über die „friedliche“ Durchdringung der kulturellen Normen und Werte, über die Bildungseinrichtungen, die Medien, die Verwaltung erreicht werden, über eine „kulturelle Hegemonie“ (Gramsci) durch die Intellektuellenklasse, also von „oben“ her. Nicht mehr soll die Basis den Überbau, sondern der Überbau die Basis bestimmen: die „Basis“ hatte ja ihre Schuldigkeit nicht getan.

Entscheidend für diesen revidierten und um die Psychoanalyse (Freud, Reich) erweiterten Marxismus wurde die sog, Frankfurter Schule mit ihrer „Kritischen Theorie“ (Adorno, Horkheimer, Marcuse). Sie befeuerte die Kulturrevolution seit 1968, namentlich über die Studenten (nicht mehr die verbürgerlichten Arbeiter). Der „lange Marsch durch die Institutionen“ begann. Damals formierte sich die „grüne“  Partei, aus dem akademischen Milieu heraus. Auch aus der Ökologie, namentlich aktuell der angeblichen „Klimakatastrophe“ lassen sich antikapitalistische Ressentiments herleiten, obwohl der reale Sozialismus ja auch ökologisch eine Katastrophe war.

Auch französische Soziologen (Derrida, Foucault), die Methode der sprachlichen  Dekonstruktion und des wissenschaftlichen Relativismus (als Weiterentwicklung des  „kritischen Hinterfragens“), die alte Milieutheorie in Gestalt etwa der Genderlehre erlebte weiter zugespitzt ihre Auferstehung. Träger des Heils ist nicht mehr die verbürgerlichte Arbeiterklasse, sondern sind nun „benachteiligte“ Gruppen, meistens Minoritäten aller, besonders sexueller Art, Behinderte, „Fremde“, aber auch Frauen generell, die sog. Opfergruppen. Alle sollen dasselbe Maß von Glück und Lebensbefriedigung, dieselben sozialen Chancen haben und dieselbe soziale Wertschätzung genießen. Wo dieses egalitäre Glück nicht gegeben ist, ist dies Schuld der jeweils „anderen“, namentlich der herrschenden „alten weißen Männer“.

Netzwerke des Kulturmarxismus, Inklusion, Gender, Antifa, Vielfalt, Buntheit

Der Kulturmarxismus kennt  nicht wie der alte Marxismus eine zentralisierte hierarchische  Struktur, eine straff organisierte Partei, sondern es sind dezentrale Netzwerke und im Besonderen der politisch engagierte Student und die „Geistesarbeiter“, die ihn tragen (Medienmacher, transnationale Lobbygruppen und NGOs., Universitätsverwaltungen, selbst kirchliche Einrichtungen und mancher multinationale Konzern).

Das alte egalitäre Ideal verbirgt sich hinter Begriffen wie Inklusion (niemand soll sich „ausgegrenzt“ fühlen), Gender Mainstreaming, besonders „Antidiskriminierung“, „Gleichstellung“ (d.i. Gleichschaltung). Polemische Kampfbegriffe sind „Antifa“, „Rechts“ (=rechtsradikal=Nazi), „Rassismus“ (jede Bindung an eine Religion, Kultur, Nation, ja an  das eigene Geschlecht gilt als solcher, vollständige Entleerung des eigentlichen Rassebegriffs), „Vielfalt“ und „Buntheit“ („Diversity“) statt kollektive Identitäten und institutionelle Zugehörigkeiten, Aufhebung aller Grenzen und Abgrenzungen, Weltgesellschaft als große egalitäre Konsumgemeinde.

„Multikulturalismus“ (Relativismus bis in die wissenschaftliche Erkenntnis). Wer dagegen ist, gilt als „Menschenfeind“, zumindest „Rechtspopulist“ und leidet offenbar unter Phobien. Feindselige Ausgrenzung aller Gegner, ständiges Reden von „Hass“ und „Hetze“, schon bei vorsichtiger Kritik. Extreme Intoleranz und Kampf gegen die Meinungsfreiheit. Sprachreinigung  und öffentliche Überwachung als Programm (zwecks „Politischer Korrektheit“). Wer gegen die umfassende „Inklusion“ aller mit allen auftritt, wird radikal exkludiert, ja stigmatisiert. „Diversität“ gibt es nicht hinsichtlich anderer Ansichten.

Ziel: Aufhebung der Nationalstaaten und die Gleichheitsutopie

Konkret geht es wie im alten Marxismus um die Aufhebung der Nationalstaaten, die Durchmischung bisher homogen besiedelter kultureller Räume, die Auflösung von Ehe und Familie (staatliche Familienersatzeinrichtungen: KITA, Ganztagsschulen etc.) und traditioneller Geschlechterrollen, Welteinheitsreligion im Sinne einer „bunten, offenen Weltgesellschaft“, Ablehnung kirchlicher Bindungen, Regulierung des Privatlebens im Sinne dieser Ideale und forcierter Ausbau des Wohlfahrtsstaates als große Allmende, am besten inclusive „Bedingungsloses Grundeinkommen“. Verstaatlichung, wo es Probleme gibt (aktuell z.B. im Wohnungswesen).

Josef Kraus spricht von einer ersatzreligiösen Sehnsucht nach dem Unstrukturierten. „Maßgebliche Koordinaten linker Politik bleiben die Gleichheitsutopie, der Machbarkeitswahn und das Lust-Prinzip. Sie sind Ausdruck einer Ursehnsucht nach dem Unstrukturierten und Ungegliederten ohne Ordnung, einer Sehnsucht nach Harmonie, nach Homogenität, nach einem herrschafts- und spannungsfreien Zustand, nach einer „klassenlosen“ und gendergerechten/geschlechterlosen Gesellschaft, nach romantischer Weltidylle sowie nach Überwindung aller Unterschiede, die zwischen Kulturen, Religionen, Nationen, Gesellschaften, Geschlechtern und Individuen bestehen.

Hier haben wir wieder das Ideal einer anonymen Gesellschaft (Schafarewitsch), eines egalitären Termitenstaates auf Weltebene. Es soll mit alldem eine Harmonie der Gleichen und Gerechten und damit universaler Frieden hergestellt werden. Der Kulturmarxismus wird wie der alte Marxismus an der Wirklichkeit scheitern, an dem individuellen Streben nach Identität, Vorrang und Zugehörigkeiten, nach Abgrenzung und Unterscheidung und an der Logik der Dinge, dem Realitätsprinzip.

Dieses Programm wird derzeit konsequent abgewickelt, auch ohne zentrale Steuerung – es ist, auch mit Hilfe einer inszenierten Klimakatastrophe – ein Programm zur Schwächung, ja Auflösung dessen, was die westlich-europäische Welt ausmacht. Es wird auf eine Zerstörung auch der Marktwirtschaft hinauslaufen, einen totalitären Ökosozialismus.

Die Katastrophe des realen Sozialismus gerät langsam in Vergessenheit. Die  intellektuelle Gegenwehr ist beschämend schwach, oft eingeschüchtert. Was sich sonst dagegenstellt wird als „rechts“ (=rechtsextrem) gebrandmarkt und verliert leicht den Mut.

Fazit

Konsequenz aus alldem: Klarheit über die neue Art der Bedrohung der Freiheit, offensive Vertretung liberaler (liberalkonservativer) Grundsätze und Begriffe, Durchschauen sprachlicher Täuschungen („Neusprech“), Koalitionsbildungen und Netzwerke im liberal-konservativen Sinn.

Jeder hat Familie, Freunde, Bekannte, Arbeitskollegen, Vereinsfreunde. Die zunehmenden Probleme eines überforderten Wohlfahrtsstaates – die reine Logik der Dinge, das Realitätsprinzip – wird diese Gegenbewegung unterstützen. Alternative: der vorübergehende Triumph der falschen Ideen und deren notwendiges Scheitern – aber um welchen Preis!

Wenn der Faschismus wiederkehrt, wird er nicht sagen: „Ich bin der Faschismus“. Nein, er wird sagen: „Ich bin der Antifaschismus“
– Ignazio Silone, italienischer Kommunist

 

Prof. Gerd Habermann ist Mitbegründer der Friedrich-August von Hayek-Stiftung für eine freie Gesellschaft. Er ist seit 2003 Honorarprofessor an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Potsdam, Wirtschaftsphilosoph und freier Publizist.

 

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