Fakten zu Waldbränden: Brennt es dieses Jahr mehr oder weniger als sonst?

In Kanada war die Lage der Waldbrände in diesem Jahr bisher außergewöhnlich. Was sagen die Daten? Ein Blick auf die Daten der Copernicus-Satellitendaten der Europäischen Union und der NASA.
Waldbrände
Ein Feuer in einem Waldgebiet. Werden die Waldbrände wirklich immer mehr?Foto: iStock
Von 11. September 2023

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Waldbrände in Kanada, Griechenland oder auf Hawaii – dieses Jahr gab es wieder reichlich Schlagzeilen über wütende, zerstörerische Feuerwalzen. Politik und viele Medien nennen schnell den angeblich menschengemachten Klimawandel als Ursache. Ebenso wird behauptet, dass die Brände weltweit immer häufiger würden.

Ist die Lage wirklich so dramatisch wie der Eindruck, den viele Berichterstattungen erwecken? Ein Blick auf offizielle Daten zeigt, dass dem nicht so ist.

Zunächst sei festzuhalten: Brennt ein trockenes Waldgebiet, stellt dies ohne Frage eine Bedrohung für die Sicherheit dar. Einzelne regionale Ereignisse übermäßig ins Rampenlicht zu rücken, kann jedoch schnell einen falschen Eindruck erzeugen. Um aussagekräftige Rückschlüsse zu ziehen, ist es unabdingbar, die Entwicklung der Waldbrände global und über längere Zeiträume zu betrachten.

Europa brennt 2023 unterdurchschnittlich

Die Copernicus-Satellitendaten der Europäischen Union geben beispielsweise einen Einblick in die Waldbrandlage verschiedener Kontinente im laufenden Jahr.

Zunächst ein Blick auf Europa. In diesem Jahr gab es einen stärkeren kurzzeitigen Anstieg im April und Mai durch stärkere Brände im europäischen Teil von Russland, in Großbritannien und in Deutschland. Ansonsten lagen die Anzahl und die Intensität der Waldbrände die meiste Zeit des bisherigen Jahres unter dem Durchschnittswert der Jahre von 2012 bis 2022.

Anhand der Größe der pro Jahr aufaddierten verbrannten Landfläche lässt sich klar erkennen, dass Europa derzeit nur knapp über dem Minimalwert der vergangenen elf Jahre liegt.

Griechenland: Alarmismus berechtigt?

Einen europäischen Ausreißerwert gibt es: Griechenland. Aufgrund der Waldbrände im Nordosten des Landes ist der Maximalwert der jährlich betroffenen Flächen – nimmt man den Wert der vergangenen elf Jahre als Vergleich – mit derzeit rund 195.000 Hektar (ha, 100 mal 100 Meter) bereits deutlich überschritten.

Beim Betrachten der vergangenen Jahrzehnte ist jedoch zu erkennen, dass es in unregelmäßigen Abständen Jahre mit starken Ausschlägen nach oben gegeben hat.

Der Bericht der Europäischen Kommission („JRC Technical Report“) von 2021 gibt unter anderem Auskunft über die jährlich betroffene Fläche. Wie das Diagramm zeigt, gab es im Jahr 2007 rund 225.000 Hektar, die durch Feuer zerstört wurden.

Ein weiteres Diagramm zeigt die jährliche Anzahl der Brände in Griechenland von 1980 bis 2021. Hier ist seit Anfang der 90er Jahre eher ein Rückgang zu beobachten, was der Behauptung widerspricht, dass es immer mehr Waldbrände gibt – zumindest in Griechenland.

Um den Blick auf Deutschland nicht außen vor zu lassen: Von Januar bis Anfang September 2023 waren hier 4.690 Hektar von Bränden betroffen. Das ist zwar deutlich über dem Mittelwert der vergangenen elf Jahre (3.006 ha), aber noch weit unter dem Elf-Jahres-Maximum (9.803 ha).

Blick auf andere Kontinente: Nord- und Südamerika

Die Brandbilanz von Nord- und Südamerika ist in diesem Jahr besonders geprägt durch die starken und zahlreichen Waldbrände in Kanada im Frühling. Bis heute sind in dem nordamerikanischen Land über 16 Millionen Hektar von Bränden betroffen.

Dennoch ist seit Anfang August die wöchentliche Gesamtbilanz der beiden amerikanischen Kontinente wieder unter dem Elf-Jahres-Schnitt.

USA: Neuer Minusrekord erwartet

Besonders interessant ist die diesjährige Waldbrandsituation in den USA. Hier scheint es bei der jährlichen von Bränden betroffenen Fläche einen neuen Rekord zu geben – jedoch einen Minusrekord.

Seit etwa Anfang August hat der diesjährige Wert den Elf-Jahres-Minimalwert unterschritten. Bis Anfang September brannte es in den USA auf gut 3,1 Millionen Hektar.

Afrika: Sommer über dem Elf-Jahres-Durchschnitt

In Afrika gab es im laufenden Jahr keine allzu außergewöhnlichen Vorkommnisse in Sachen Waldbrände. Dieses Jahr ist lediglich der Sommer etwas deutlicher über dem Elf-Jahres-Schnitt. Auf einer Weltkarte der NASA, die die Brandsituationen des Planeten visualisiert, ist derzeit besonders der Regenwald (Westafrika) besonders rot, hat also mit besonders vielen Waldbränden zu kämpfen.

Asien: Leicht unter dem Elf-Jahres-Durchschnitt

Noch unspektakulärer ist die Statistik von Asien. Nach einem kurzen, aber deutlichen Überschreiten des Durchschnittswerts im Frühjahr rutschte der diesjährige Wert der Waldbrände ungefähr am 23. April wieder unter den Mittelwert der letzten elf Jahre.

Bis Anfang September brannte es auf dem größten Kontinent der Erde auf rund 30,5 Millionen Hektar. Damit liegt der aktuelle Wert leicht unter dem Elf-Jahres-Durchschnittswert von rund 31 Millionen Hektar.

Ozeanien: Im Durchschnitt

Etwas südlicher bei Ozeanien, also der Region von Australien und Neuseeland, gibt es 2023 ebenfalls wenig Ausschläge nach oben oder nach unten. Die wöchentlich betroffenen Flächen blieben dieses Jahr meist im Elf-Jahres-Bereich. Lediglich Mitte März und in der zweiten Maihälfte überschritt die aktuelle Jahreslinie den Elf-Jahres-Maximalwert.

Über 90 Prozent der Brände sind Brandstiftung

Ein Feuer ist allerdings nicht immer eine Katastrophe, wie der WWF berichtet. Ökosysteme, die an Brände angepasst sind, brauchen Feuer, um sich zu verjüngen und zu regenerieren.

Nur rund vier Prozent aller Waldbrände haben natürliche Ursachen, wie beispielsweise Blitzeinschlag. Für weit über 90 Prozent der Waldbrände ist der Mensch verantwortlich – sei es durch Unachtsamkeit oder vorsätzliche Brandstiftung.

Die häufigste Ursache für Brände – auch in Deutschland – ist Brandstiftung. In den Tropenwäldern Südamerikas, Afrikas und Asiens werden die meisten Waldbrände absichtlich gelegt, um neue Anbauflächen zu roden.

Viele Menschen zünden Wälder absichtlich an

Außer Blitzen gibt es – zumindest in Deutschland – keine natürliche Ursache für Waldbrände. Der Forstwissenschaftler Michael Müller von der TU Dresden erklärte laut MDR: „Man braucht auch beim trockensten Material im Wald mindestens 300 Grad Celsius, um eine Flamme zu entzünden. Das ist schon ziemlich viel.“ Auf natürliche Art und Weise passiere das nur durch Blitzschläge. Dies sei die einzige natürliche Waldbrandursache in Deutschland. „Alles andere verursachen Menschen.“

Um einen Brand zu entfachen, braucht es hingegen nicht viel: Schon ein Streichholz oder eine Zigarette können ausreichen. Denn sie brennen laut Müller mit über 1.000 Grad Celsius. Doch auch schnell drehende Maschinen, Katalysatoren von Autos und selbstverständlich Lagerfeuer bringen eine große Hitze hervor. „Die Hauptursache für Waldbrände ist allerdings Brandstiftung. Es gibt leider viele, viele Menschen, die Wald absichtlich anzünden“, sagte Müller.

Der Forstwissenschaftler wies zudem darauf hin, dass auch Munition Waldbrände begünstigt. „Fast alle großen Waldbrände über zehn Hektar der vergangenen Jahre waren auf munitionsbelasteten Flächen.“

Ein Hektar entspricht als Quadrat einer Fläche von 100 mal 100 Metern. Ein Fußballfeld ist normalerweise 105 mal 68 Meter groß. Das entspricht einer Fläche von 0,714 Hektar. Die Theresienwiese in München (Oktoberfest) ist 42 Hektar groß.



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