Quallen könnten Fish and Chips ersetzen, um bedrohte Arten vom Teller fernzuhalten.Foto: University of Queensland / iStock / ts/Epoch Times

Qualle mit Pommes?

Von 24. September 2020 Aktualisiert: 24. September 2020 14:10
Quallen könnten Fish and Chips auf einer neuen nachhaltigen Speisekarte ersetzen, um bedrohte Fische und Meeresfrüchte vom Teller fernzuhalten. In einem Restaurant "Fisch" zu bestellen sei wie beim Fleischer "Fleisch" zu kaufen – ohne zu wissen, ob es von Kuh, Huhn oder Koala stammt.

Forscher der Universität Queensland fanden 92 gefährdete, darunter 11 vom Aussterben bedrohte, Arten Fisch und Meeresfrüchte auf den Speisekarten der Welt. In mehr als 200 Ländern werden demnach bedrohte Fischarten oder ähnliches verzehrt – und teilweise legal gefangen. Das geht aus Aufzeichnungen der industriellen Fischerei weltweit hervor.

Bis heute ist der Fang bedrohter Arten an der Tagesordnung, denn Meeresfrüchte müssen nicht überall nach ihrer Art gekennzeichnet werden. Lediglich etwa 20 Prozent gehen dabei als Beifang an Bord. 80 Prozent werden gezielt gefangen. Die Zahl der bedrohten Arten, die die Forscher verzeichneten, sei jedoch eine sehr konservative Schätzung. Der illegale Fischfang blieb in der in „Nature Communications“ veröffentlichten Studie unberücksichtigt und belastet die Meere zusätzlich in unbekanntem Ausmaß.

„Dies bedeutet, dass der ‚Fisch‘, die ‚Flocke‘ [Anmerk. d. Red.: australische Bezeichnung für kleinere Haie, insbesondere Hundshaie] oder der ‚Kabeljau‘, die Australier normalerweise im Fish and Chip-Shop bestellen, kritisch gefährdet sein könnten“, sagte Leslie Roberson, Doktorandin am Zentrum für Biodiversität und Artenschutz der Universität Queensland. Als nachhaltige Alternative schlägt sie – unter anderem – Quallen und Seegurken vor.

Import von Meeresfrüchten verschlimmert die Lage – aber woanders

„Wir würden niemals in Erwägung ziehen, Berggorillas oder Elefanten zu essen. Beide sind vom Aussterben bedroht“, so Roberson weiter. Aber auch Meeresfrüchte „sind nicht so nachhaltig, wie die Verbraucher gerne glauben würden. Sie stehen definitiv nicht im Einklang mit vielen der großen internationalen Abkommen zum Schutz bedrohter Arten und Ökosysteme.“

Robersons Forscherkollegin Dr. Carissa Klein fügte hinzu: Auch Australien sei „eines von vielen wohlhabenden Ländern, das bedrohte Meeresfrüchte importiert und fängt“. Mit einer Importquote von 75 Prozent gelte Australien dennoch international als „Land mit einer wirksamen Politik der Bestandserhaltung und des Fischereimanagements“. Weiter sagte Dr. Klein:

Wenn wir Meeresfrüchte von anderen Orten importieren, verlagern wir alle sozialen oder ökologischen Probleme, die mit dem Fischfang verbunden sind, an diesen Ort, der wahrscheinlich weniger in der Lage sein wird, seinen Ozean nachhaltig zu bewirtschaften.“

Vergib Ihnen, denn Sie wissen nicht was sie essen!

„Die Meeresfrüchteindustrie ist unter dem Gesichtspunkt des Naturschutzes schwierig zu verwalten. Lieferketten erstrecken sich über mehrere internationale Gewässer, ohne eine zentrale koordinierende und kontrollierende Behörde“, so Roberson.

Typisch sei etwa ein Fischerboot, das in australischen Gewässern mit einer Besatzung aus den Philippinen und im Besitz einer chinesischen Firma operiert. Dann könnte ein Teil des Fisches in China verarbeitet werden, und der andere Teil kann nach Europa gehen.

„Wir wissen nicht, was wir essen. Es ist wirklich schwierig, Meeresfrüchte bis zu ihrem Ursprung und ihrer Art zurückzuverfolgen, weil die Industrie so ein Durcheinander ist“, sagte Roberson. Auch in Australien, einem Land mit vermeintlich hohen Bemühungen zum Schutz der Meere, müssen beispielsweise zubereitete Fische nicht nach Art gekennzeichnet werden.

‚Fisch‘ zu bestellen, ist wie zum Fleischer zu gehen und ‚Fleisch‘ zu kaufen – ohne zu wissen, ob es von Kuh, Huhn oder Koala stammt.“

„Fisch“ braucht denselben Stellenwert wie Delfine, Wale oder Meeresschildkröten

Aber die beiden Australierinnen sehen auch eine Möglichkeit, Fisch verantwortungsvoll zu genießen. Für Australien haben Sie einen „Meeresfrüchteführer“ entwickelt. Anhand der genauen Art, des Fanggebietes und der Fangart lässt sich damit herausfinden, ob der „Fisch“ trotz Fischerei gute Überlebenschancen hat, oder ob man lieber die Finger davon lassen sollte.

Wenn das Bewusstsein der Kunden um diese ‚Fische‘ steigt, und „wir uns um sie sorgen wie um Delfine, Wale und Meeresschildkröten“, dann können wir etwas verändern, so Roberson. Sinkt die Nachfrage nach bedrohten Arten, können diese sich erholen.

„Es sollte illegal sein, etwas zu essen, das bedroht ist, insbesondere Arten, die vom Aussterben bedroht sind. Wenn wir die Fischerei- und Erhaltungspolitik besser koordinieren können, können wir das verhindern“, sagte Dr. Klein. „Eine Verbesserung der Nachhaltigkeit [im] Handel mit Meeresfrüchten könnte wiederum den Ozeanen weltweit erheblich zugute kommen, ebenso wie den Milliarden von Menschen, die für ihre Gesundheit und ihren Lebensunterhalt auf einen gesunden Ozean angewiesen sind.“

(Mit Material der University of Queensland)

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