Wladimir Putin und Xi Jingping.Foto: ALEXEI DRUZHININ/Sputnik/AFP via Getty Images

Russland und China: Der schlimmste Augenblick der Geschichte

Von 31. Mai 2022 Aktualisiert: 1. Juni 2022 9:14
Russland, China und Nordkorea drohen vermehrt mit dem Einsatz nuklearer Waffen. Der Westen hält einen Atomkrieg für unwahrscheinlich. China-Experte Gordon Chang hält das Szenario nicht für ausgeschlossen.


Am 1. Mai forderte Medienmanager Dmitri Kisseljow, der auch als „Putins Sprachrohr“ bekannt ist, den russischen Staatschef Wladimir Putin im russischen Fernsehen auf, eine Poseidon-Unterwasserdrohne mit einem „Sprengkopf von bis zu 100 Megatonnen“ abzuschießen. Die Detonation, so Kisseljow, würde eine 500 Meter hohe Flutwelle erzeugen, die „Großbritannien in die Tiefen des Ozeans stürzen“ würde. Die Welle würde den höchsten Berg Englands, den Scafell Pike, bis zur halben Höhe erreichen.

„Diese Flutwelle ist auch ein Träger von extrem hohen Strahlungsdosen“, so Kisseljow. „Wenn sie über Großbritannien hereinbricht, wird sie alles, was davon übrig ist, in eine radioaktive Wüste verwandeln, zu nichts mehr zu gebrauchen. Was halten Sie von dieser Aussicht?“

Ein einziger Abschuss, Boris, und es gibt kein England mehr“, sagte Kisseljow an den britischen Premierminister gewandt.

Die Drohung folgte auf eine am 28. April von Alexej Schurawljow, dem Vorsitzenden der kremlnahen russischen Rodina-Partei, ausgesprochenen Drohung. In der Sendung „60 Minutes“ des russischen Fernsehsenders „Channel One“ forderte er Putin auf, Großbritannien mit einer der größten und schwersten Rakete der Welt, einer Sarmat, zu bombardieren.

In der Sendung wurde darauf hingewiesen, dass eine von der russischen Enklave Kaliningrad abgefeuerte Rakete in 106 Sekunden Berlin treffen, in 200 Sekunden Paris erreichen und in 202 Sekunden London auslöschen würde.

Die NATO-Bezeichnung für die Sarmat lautet „Satan II“.

Putin selbst hat sich in den Spaß eingeklinkt

Putin selbst hat sich in den Spaß eingeklinkt. Kurz bevor er seine Streitkräfte über die ukrainische Grenze schickte, warnte er vor „Konsequenzen, die ihr in Eurer Geschichte noch nie erlebt habt“. Am 27. Februar versetzte er seine Atomstreitkräfte in höchste Alarmbereitschaft.

Am 1. März ließ der russische Staatschef seine U-Boote mit ballistischen Raketen und seine mobilen Raketenwerfer an Land zu einer sogenannten Übung auslaufen. Am 4. Mai kündigte das russische Verteidigungsministerium „elektronische Starts“ seiner mobilen ballistischen Iskander-Rakete mit Nuklearwaffen in Kaliningrad an.

Russland hat eine Nukleardoktrin, die als „eskalieren, um zu deeskalieren“ oder, genauer gesagt, „eskalieren, um zu siegen“ bekannt ist. Diese Strategie sieht die Androhung oder den Einsatz von Nuklearwaffen schon zu Beginn eines konventionellen Konflikts vor.

China, das am 4. Februar eine gemeinsame Erklärung mit Russland über seine unbegrenzte Partnerschaft abgab, hat in diesem Jahrhundert regelmäßig Drohungen ausgesprochen, ohne dass es dazu einen Anlass gab. Chinas Regime drohte, die Städte von Staaten zu zerstören, die es angeblich beleidigt hätten. Im Juli letzten Jahres drohte das chinesische Regime beispielsweise damit, Japan wegen seiner Unterstützung Taiwans mit Atomwaffen zu vernichten.

Im September sprach China eine ähnliche Drohung gegen Australien aus, weil es sich mit den USA und Großbritannien zusammen dem AUKUS-Pakt angeschlossen hatte. Die Vereinbarung dient zur Wahrung der Stabilität in der Region. Im März dieses Jahres versprach das chinesische Verteidigungsministerium die „schlimmsten Konsequenzen“ für Länder, die Taiwan bei der Selbstverteidigung helfen. Die Drohung schien sich insbesondere gegen Australien zu richten.

Diesen Monat erklärte Nordkorea, dass es Atomwaffen nicht nur zur Vergeltung eines Angriffs einsetzen, sondern auch andere Länder mit Atomwaffen angreifen könnte.

Es kann kein gutes Zeichen sein, dass Russland, China und Nordkorea gleichzeitig damit drohen, die zerstörerischsten Waffen der Welt einzusetzen.

Warum sprechen die gefährlichsten Regime der Welt alle solche Drohungen aus?

Erstens hat Putin der Welt gezeigt, dass solche Warnungen tatsächlich einschüchternd wirken. Wie Peter Huessy, Senior Fellow des Hudson Institute, mir im März sagte, haben die nuklearen Drohungen dazu geführt „den Feind dazu zwingen, sich zurückzuhalten und nicht zu kämpfen“. Da sich die westlichen Demokratien in der Ukraine weitgehend zurückgehalten haben und eindeutig nicht kämpfen, wollen Peking und Pjöngjang ähnliche Erfolge.

Zweitens könnten Putin und der chinesische Machthaber Xi Jinping solche Drohungen aussprechen, weil sie keinen Respekt mehr für die als Feinde wahrgenommenen Nationen haben. Grund dafür seien der amerikanische stümperhafte Rückzug aus Afghanistan und die mangelnde Bereitschaft seitens der USA, die Ukraine gemäß dem Memorandum von 1994 (Garantie von 1994) wirksam zu unterstützen und insbesondere im vergangenen Jahr, sagte Huessy, der auch Präsident von GeoStrategic Analysis ist, Anfang dieses Monats gegenüber Gatestone. „Sie spüren eine wachsende amerikanische Schwäche.“

„Wie Wladimir Putin hat auch die Kommunistische Partei Chinas ihre Angst vor der amerikanischen Großmacht verloren“, sagte mir Richard Fisher vom International Assessment and Strategy Center in Virginia kurz nach Russlands Einmarsch in der Ukraine. „Chinas nukleare Drohungen zeigen die Arroganz der Partei angesichts der amerikanischen Schwäche. Sie zeigen das Risiko einer fehlenden regionalen nuklearen Abschreckung durch die USA und sie zeigen die Unzulänglichkeit der amerikanischen Führung.“

Drittens können interne Erwägungen solche Drohungen leicht machen. Viele sagen, der gefährlichste Moment seit dem Zweiten Weltkrieg sei die Kubakrise im Oktober 1962 gewesen. Vielleicht noch gefährlicher war das Patt am Checkpoint Charlie in Berlin im Oktober des Vorjahres. Doch sowohl Kennedy als auch Chruschtschow wussten, dass es niemals zu einem atomaren Schlagabtausch kommen durfte. Heute stellt sich die Frage, ob Putin und Xi das auch wissen. Vielleicht tun sie das nicht.

Mentalität der letzten Tage im Bunker

Diese Drohungen könnten zeigen, dass die Führer dieser Regime eine Mentalität der „letzten Tage im Bunker“ miteinander teilen. Sowohl Russland als auch China werden, wenn auch auf unterschiedliche Weise, von Regimen regiert, die sich in Schwierigkeiten befinden. Das heißt, dass ihre Führer zweifellos eine niedrige Risikoschwelle haben.

Was auch immer der Grund für die Drohungen ist, Putin und Xi haben allen gesagt, was sie zu tun gedenken. Leider glauben die westlichen Führer ihnen beharrlich nicht.

Als Reaktion auf die russischen Drohungen sagte Präsident Joe Biden am 28. Februar, die amerikanische Bevölkerung müsse sich keine Sorgen über einen Atomkrieg machen. Doch ganz im Gegenteil, es gibt allen Grund zur Sorge.

Im Einklang mit der westlichen Denkweise haben Präsidenten und Premierminister nukleare Drohungen fast immer ignoriert, in der Hoffnung, ihnen keine Macht zu verleihen. Leider hat diese Haltung die Drohenden nur ermutigt, weitere Drohungen auszusprechen. Je später sich die internationale Gemeinschaft mit kriegerischen Russen, Chinesen und Nordkoreanern auseinandersetzt, desto gefährlicher werden die Konfrontationen sein.

Es sieht also so aus, als ob die Welt auf den schlimmsten Augenblick der Geschichte zusteuert.

„Ein Atomkrieg kann nicht gewonnen werden und darf niemals geführt werden“, erklärte Biden im Juni letzten Jahres. Mag sein. Putin, der diese Worte gemeinsam mit dem amerikanischen Präsidenten geäußert hat, glaubt vielleicht, dass er einen Krieg führen und sogar gewinnen kann.

Gordon G. Chang ist der Autor von The Coming Collapse of China, ein angesehener Senior Fellow des Gatestone Institute und Mitglied des Beirats des Instituts. Sein Artikel erschien zuerst auf gatestoneinstiture.org.



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