Geheimes chinesisches Biolabor in Kalifornien bringt globales Netzwerk ans Licht

Ein illegales chinesisches Biolabor mit gefährlichen Erregern in einer US-Kleinstadt – ein Einzelfall? Ermittlungen ergaben ein weltweites Netzwerk, wohinter sich ein Chinese verbirgt. Seine illegalen Machenschaften sind nicht nur gefährlich, sie richten sich auch gegen heimische Konzerne. Nun sitzt er in Haft.
Titelbild
Eine Collage des Biolabors in Reedley, Kalifornien, am 31. Juli 2023.Foto: Fresno County Public Health Department/Judicial Watch, Nathan Su/The Epoch Times, mit freundlicher Genehmigung der Stadt Reedley
Von 28. November 2023

Die Entdeckung eines illegal betriebenen chinesischen Biolabors im Dezember 2022 hält die amerikanische Stadt Reedley in Kalifornien weiterhin in Atem.

Die Öffentlichkeit erfuhr trotz der frühen Entdeckung erst im März davon. Auch dauerte die Räumung der Gefahrenstätte mehr als ein halbes Jahr. Die Ermittlungen brachten mehrere Briefkastenfirmen zutage, welche die Eigentumsverhältnisse verschleiern sollten.

Jesalyn Harper, eine Mitarbeiterin der Feuerwehr der Stadt Reedley, entdeckte das illegale Biolabor am 19. Dezember 2022 nach einem anonymen Hinweis auf ein angeblich leer stehendes Lagerhaus. Dort befanden sich Tausende Fläschchen mit bakteriellen und viralen Erregern, darunter Coronaviren, Chlamydien, E. coli, Streptokokken, HIV, Hepatitis, Herpes, Röteln und Malaria.

Das von Prestige Biotech Inc. betriebene Unternehmen beherbergte fast 1.000 Labormäuse und verpackte und verschickte zudem COVID-19- und Schwangerschaftstestkits.

Harper meldete den Fund umgehend der Stadt Reedley, die sich noch am selben Tag mit dem FBI in Verbindung setzte. Wegen der Vielzahl an Krankheitserregern, Chemikalien und biologischen Gefahren wurden schließlich mehrere Behörden in die Ermittlungen und Aufräumarbeiten einbezogen.

Die Biolab-Entdeckung

Das Lagerhaus in der 850 I Street in Reedley wurde in den 1950er-Jahren hauptsächlich als Verpackungsanlage für Lebensmittel gebaut. Lastwagen konnten zum Beladen bis an die Rampen vor die Rolltore fahren. Nachdem Harper eine anonyme Beschwerde über dort abgestellte Fahrzeuge erhalten hatte, ging sie der Sache nach und bemerkte auch einen Gartenschlauch, der durch eine offenstehende Tür in das Gebäude führte.

Harper erzählte der Epoch Times, dass sie an die Tür klopfte und drei Personen sah, die Schwangerschaftstests einpackten. Eine von ihnen sprach kein Englisch, die beiden anderen sprachen nur sehr gebrochen Englisch. Anfangs, so Harper, war das Trio sehr kooperativ, aber als sie zum südlichen Teil des Gebäudes ging, wurden sie abweisend.

„Was machen Sie mit den Mäusen?“, fragte Haper.

„Wir benutzen die Mäuse für Experimente“, antworteten die Personen.

„Was für Experimente?“

„Oh, das weiß ich nicht, wir geben ihnen einfach Wasser.“

„Was ist in den Kühlschränken?“

„Nur Sachen für die Tests.“

Als Harper immer spezifischere Fragen stellte, antwortete das Personal immer weniger und drängte sie, zu gehen. Als sie auf den Kühlschränken Etiketten wie „Blut“ und „HIV“ sah, wurde ihr klar, dass es sich um eine potenziell gefährliche Umgebung handelte, und sie verließ das Gebäude.

Sie meldete ihre Entdeckung den Beamten der Stadt Reedley, die sofort das FBI kontaktierten und sich zwei Tage später, am 21. Dezember 2022, mit FBI-Beamten trafen.

Das FBI nahm sich den ganzen Januar 2023 Zeit für seine Ermittlungen und erklärte das Lagerhaus Anfang Februar schließlich als sicher für die städtischen Mitarbeiter.

Als Beamte der Stadt Reedley am 3. März mit einem Inspektionsbefehl in das Lagerhaus zurückkehrten, berichteten sie, dass keine Gegenstände aus dem Labor entfernt worden waren, stattdessen waren seit Dezember einige zusätzliche Gegenstände eingelagert worden.

Wer hat das Sagen?

Für Harper stand der Prozess erst am Anfang. Sie begann, mit dem Staat und dem Bezirk zusammenzuarbeiten, um festzustellen, welche Organisationen einbezogen werden mussten. „Wir mussten uns die Labors ansehen und die einzelnen Fundsachen den entsprechenden Behörden zuordnen“, so Harper gegenüber The Epoch Times.

„Zum Beispiel war das kalifornische Gesundheitsamt für medizinische Geräte wie Schwangerschaftstests zuständig; das DTSC [Kontrollamt für toxische Substanzen] hat die Aufsicht über einige Chemikalien und möglicherweise darüber, wie sie verwendet werden.“

Experten für medizinische Abfälle sowie das Gesundheitsamt wurden hinzugezogen, um die Gegenstände in den Kühlschränken, medizinische Abfälle, menschliche Abfälle, Blut und gebrauchte Schwangerschaftstests zu untersuchen.

Das Umweltschutzamt (EPA) sowie die US-Arzneimittelbehörde (FDA) wurden ebenfalls eingeschaltet. Beide Behörden behielten einige der im Labor gefundenen Unterlagen und Papiere ein.

Jeder Gegenstand musste einzeln untersucht werden – jede Schublade, jede Kiste, jeder Behälter, jeder Kühlschrank und jede Palette musste von verschiedenen Seiten her angeschaut werden.

Alle anderen biologischen Stoffe wurden bis zum 8. Juli entfernt, nachdem der Oberste Gerichtshof von Fresno County, Kalifornien, einen Räumungsbefehl erlassen hatte. Alle weiteren Vermögenswerte wurden in den ersten beiden Augustwochen entfernt.

Am 12. September wurde vom Stadtrat eine Dringlichkeitsverordnung verabschiedet, die vorübergehend die Einrichtung von Lagern und Labors der Biosicherheitsstufen 2 bis 4 innerhalb der Stadtgrenzen verbietet. Die Stadt San Carlos in der Bay Area hat ein ähnliches Verbot erlassen.

„Ich hatte viele schlaflose Nächte, weil ich wusste, dass da draußen niemand solche Labors vermutet. Das könnte überall in den Vereinigten Staaten passieren“, sagte Harper. „Es hat mir die Augen geöffnet, wie viele Lücken es in unserem Staatsapparat gibt.“

Solche unauffälligen Organisationen könnten „einfach eine Menge Chemikalien und biologische Stoffe kaufen, ohne dass jemand das überprüft und ohne zu wissen, was sie tun“.

„Wir müssen sicherstellen, dass solche Labors hier nicht Fuß fassen, solange es keine Aufsicht dafür gibt“, sagte sie.

Wer ist der Besitzer des geheimen Labors?

Das Biolabor in Reedley gehört der Prestige Biotech Inc. Ein genauerer Blick zeigt ein komplexes Netzwerk von Unternehmen und Angestellten, die letztlich alle auf Jia Bei „Jesse“ Zhu, einen chinesischen Staatsbürger mit kanadischem Pass zurückgehen.

Nur wenige Stunden nach der Veröffentlichung dieses Artikels am 19. Oktober wurde Zhu in Kalifornien verhaftet und wegen der Herstellung und des illegalen Vertriebs von Medizinprodukten angeklagt. Eine versiegelte Anklageschrift war am 18. Oktober eingereicht worden.

Nach Angaben der US-Staatsanwaltschaft für den östlichen Bezirk von Kalifornien drohen Zhu maximal drei Jahre Gefängnis für den Vorwurf der falschen Kennzeichnung und fünf Jahre wegen Falschaussage.

Gerichtsunterlagen zufolge sollen Zhu und andere zwischen Dezember 2020 und März 2023 Hunderttausende COVID-19- und andere Testkits in den Vereinigten Staaten und China hergestellt, importiert, verkauft und vertrieben haben. Sie taten dies über die Unternehmen Universal Meditech Inc. und Prestige Biotech Inc. ohne entsprechende Genehmigung.

„Als Teil seines Plans änderte der Angeklagte seinen Namen, die Namen seiner Firmen und deren Standorte“, schrieb US-Staatsanwalt Philip A. Talbert in der Klageschrift.

Weiter heißt es, dass Zhu während der Ermittlungen mehrere Falschangaben gegenüber FDA-Beamten gemacht hat, einschließlich der Verwendung eines falschen Namens und der falschen Darstellung seiner Kenntnisse über die Aktivitäten des Unternehmens.

Der Präsident von Prestige Biotech, Yao Xiuqin, teilte der Stadt Reedley mit, dass sein Unternehmen das Lager – einschließlich der biologischen Materialien, Proben und Labormäuse – von Universal Meditech Inc. übernommen habe. Das geschah, nachdem letztere am 15. Juni Konkurs angemeldet hatte, wie aus einem Gerichtsdokument hervorgeht. Prestige Biotech ist der Hauptgläubiger von Universal Meditech.

Aus öffentlichen Dokumenten geht hervor, dass Prestige Biotech am 3. April 2019 in Nevada auf den Namen Wang Zhaolin (auch bekannt als Lynn Warner) eingetragen wurde, bevor der derzeitige Präsident des Unternehmens, Yao, der in China ansässig ist, am 28. Mai 2021 die Leitung übernahm.

Universal Meditech wurde am 25. November 2015 in Tulare, Kalifornien, gegründet, wobei Zhu zum CEO ernannt wurde. Das Unternehmen erhielt am 20. März 2019 eine kalifornische Geschäftslizenz.

„Universal Meditech wurde von einer Gruppe kanadischer und chinesischer Investoren gegründet und ist auf die Forschung, Entwicklung und Herstellung von diagnostischen Testkits für die Reproduktion von Milchvieh spezialisiert“, sagte Paul Saldana, der 2015 Präsident und CEO des Tulare County Economic and Development Center war, laut „Visalia Times Delta“.

Kurz nach dem Ausbruch der Pandemie im März 2020 stellte Universal Meditech sein Geschäft von der Viehzucht auf die Herstellung von Schwangerschaftstestkits und COVID-19-Testkits um.

Im August 2020 brach am Standort des Unternehmens in der Stadt Fresno ein Feuer aus. Der Besuch eines Umweltgesundheitsinspektors offenbarte, dass Universal Meditech keinen Gefahrgutplan für die Lagerung von Ethanol im Lagerhaus hatte.

In den aktuellen Dokumenten, die beim kalifornischen Staatssekretariat eingereicht wurden, ist Zhu nicht mehr als CEO von Universal Meditech aufgeführt. Stattdessen wird Wang Xiaoxiao als CEO, Chief Financial Officer und Sekretär mit einer Adresse im südlichen Zentrum von Fresno genannt.

Ein weiterer Name, der mit Universal Meditech und mehreren ähnlichen Unternehmen in Verbindung gebracht wird, ist Wang Zhaoyan, die auch als Wang Yan bekannt ist. Frau Wang ist in einem Online-Geschäftsverzeichnis als Präsidentin von Universal Meditech aufgeführt. In einem Bericht der Arzneimittelbehörde ist Wang als „offizielle Korrespondentin“ von Universal Meditech aufgeführt.

Wang ist außerdem Hauptaktionärin eines anderen Unternehmens mit Sitz in Kalifornien namens Superior Meditech Investments LLC. Außerdem ist sie leitende Angestellte beziehungsweise geschäftsführendes Mitglied von drei weiteren verbundenen Unternehmen mit Sitz in Nevada: PBI Diagnostic Laboratory LLC, Medi-Source LLC und David Destiny Discovery LLC. Sie ist auch als Geschäftsführerin und Generaldirektorin eines Unternehmens in Qingdao, China, namens Ai De Biopharmaceutical Industry (Qingdao) Co. Ltd. aufgeführt.

Der Geschäftsführer von Ai De Biopharmaceutical ist gleichzeitig der Präsident von Prestige Biotech (dem geheimen Biolabor in Reedley, das Universal Meditech aus der Patsche geholfen hat), wie aus Geschäftsunterlagen aus Kalifornien und Nevada sowie einem chinesischen Firmenverzeichnis hervorgeht.

Alle Führungskräfte und alle Unternehmen führen letztendlich zu Zhu zurück, dem Chinesen mit kanadischem Pass.

Zhu und mehrere seiner Unternehmen sind seit dem Jahr 2008 in Rechtsstreitigkeiten verwickelt, die sich von Kanada über Hongkong bis in die Vereinigten Staaten erstrecken. Im September 2010 meldete Zhu einen Anspruch als Eigentümer von Ai De Biopharmaceutical in einem Insolvenzverfahren für ein weiteres seiner Unternehmen, JingJing Genetics Inc., an.

„Der einzige Anteilseigner von Ai De ist ein Unternehmen auf den Britischen Jungferninseln (Unique Way Technology Limited), das wiederum im Besitz von IND ist, das wiederum Zhu gehört“, heißt es in einem Urteil des Obersten Gerichtshofs von British Columbia in Kanada aus dem Jahr 2016.

Die Adresse von Ai De Biopharmaceutical in Qingdao ist die gleiche wie die anderer chinesischer Medizinfirmen wie Qingdao Guangdi Packaging Material und Ai De Diagnostic. Den Einfuhrunterlagen zufolge haben die meisten dieser Firmen medizinisches Material an Universal Meditech und Prestige Biotech geliefert.

Laut chinesischen Dokumenten trat Zhu im November 2018 von seinen Positionen als Vorstandsvorsitzender und General Manager bei Ai De Biopharmaceutical zurück. The Epoch Times rief mehrere Nummern für den Hauptsitz von Ai De Biopharmaceutical in China an, aber die Telefonnummern sind nicht mehr in Betrieb.

Jessie Zhus Tätigkeiten

Zhu wurde 1961 in China geboren und erwarb 1984 einen Bachelor of Science an der Medizinischen Fakultät der Universität Peking und 1988 einen Master of Science am Peking Union Medical College Hospital. Anschließend forschte er an der University of British Columbia in Kanada, wie „Sina Finance“ berichtet.

Im Jahr 1991 gründete Zhu die IND Dairytech Ltd in Vancouver und wurde Vorstandsvorsitzender. In den späten 1990er-Jahren flog Zhu ein Dutzend Holstein-Rinder (eine Rasse, die für ihre hohe Milchproduktion bekannt ist) von Quebec nach Peking, um die Milchproduktion in China zu steigern, wo ein großer Bedarf bestand.

Ein Jahrzehnt später konzentrierte sich Zhu auf Zuchttechnologien. Anstatt Rinder nach China zu transportieren, begann IND Dairytech mit dem Versand von Holstein-Sperma und -Embryonen, um Rinderherden aufzubauen.

IND Dairytech, das hauptsächlich Kunden in Kanada beliefert, wurde 2008 an der Börse von Toronto notiert. 2011 wurde es von der Börse genommen und kurz darauf von IND Lifetech, einem weiteren von Zhu kontrollierten Unternehmen, übernommen.

Die chinesischen Schriftzeichen von „Ai De“ befinden sich auch in der oberen linken Ecke des Logos von IND Lifetech.

Nicht lange nach der Übernahme von IND Dairytech durch IND Lifetech änderte das Unternehmen seinen Namen in JingJing Genetics, das seinen Sitz weiterhin in Kanada hat und von Zhu kontrolliert wird.

Im Jahr 2008 wurde JingJing Genetics von XY LLC verklagt, einem in Colorado ansässigen Unternehmen, das Schadensersatz wegen „Verschwörung, Täuschung, Vertrauensbruch, Vertragsbruch und Verleitung zum Vertragsbruch“ forderte.

XY hatte die Technologie entwickelt, um „das Geschlecht der Nachkommen mithilfe von geschlechtsspezifischem Sperma oder geschlechtsspezifischen Embryonen“ für „nichtmenschliche Säugetiere, einschließlich Rinder, Pferde, Schweine und gefährdete Arten“ zu bestimmen, heißt es in einer Online-Erklärung. Das Unternehmen war „der Hauptlizenznehmer, der die Kontrolle über die gesamte Spermasortierung bei nichtmenschlichen Säugetieren weltweit hat“.

JingJing Genetics stahl angeblich die Technologie von XY, um geschlechtsspezifisches Rindersperma herzustellen und zu verkaufen, allerdings ohne die strengen Kontrollen, die von einem Lizenznehmer verlangt werden.

Die drei damaligen Geschäftsführer von JingJing – Herr Zhu, Herr Selen Cui Feng Zhou und Herr Jin Tang – wurden wegen „zivilrechtlichen Betrugs und Verschwörung zur Verursachung von wirtschaftlichem Schaden“ zur Zahlung von 8,5 Millionen Kanadische Dollar (6,2 Mio. US-Dollar) an XY verurteilt, wie es in einer damaligen Erklärung hieß.

Der kanadische Richter Stephen Kelleher untersagte JingJing und seinen Auftraggebern außerdem die Verwendung der sogenannten Zytometertechnologie, mit der Zellen analysiert und sortiert werden, um das Geschlecht der Nachkommen zu bestimmen.

Wenige Tage nach der Entscheidung des Richters erhielt XY jedoch Informationen darüber, dass Zhu ein neues Unternehmen, Fraser Biomedical Inc., gegründet hatte, „um heimlich geschlechtsspezifisches Sperma unter Verwendung der Technologie von XY herzustellen“, so ein Bericht des „Canadian Broadcast Network“.

Richter Kelleher verurteilte Zhu anschließend wegen Nichtzahlung der 8,5 Millionen Kanadischen Dollar zu einer sechsmonatigen Haftstrafe, die er im Jahr 2015 antreten sollte. Zhu war jedoch 2014 aus Kanada geflohen, und die Epoch Times konnte keine Beweise dafür finden, dass er jemals zurückgekehrt ist.

In einem anderen Verfahren vor dem Obersten Gerichtshof von British Columbia, in das Zhu und seine zahlreichen Unternehmen verwickelt waren, sagte Richterin Shelley Fitzpatrick laut Gerichtsdokumenten: „Zhus Anwalt hat mir gegenüber angedeutet, dass Zhu Angst hat, einen Fuß in dieses Land zu setzen, weil er befürchtet, verhaftet zu werden.“

In diesem Fall entschied Richterin Fitzpatrick im Jahr 2016, dass Zhu und seine Mitarbeiter weitere 330 Millionen Kanadische Dollar (242 Millionen US-Dollar) an XY für die fortgesetzte Verschwörung zur Erlangung von geistigem Eigentum und vertraulichen Informationen zahlen müssen.

Die Gerichtsdokumente zeigen Abschriften von Nachrichten aus der Messenger-App WeChat zwischen Zhu und Herrn Xu aus dem Jahr 2014. Aus den Nachrichten geht hervor, dass das Ziel von Zhu der „totale Bankrott“ von XY war.

„Wenn das neue System schnell vermarktet wird und die Gesamtkosten für die Produktion von geschlechtsspezifischem Sperma um das Doppelte sinken, was glauben Sie, wie es ihnen dann ergehen wird? […] Ich denke, es wird etwa 3 Jahre dauern, bis [XY] zusammenbricht oder billig gekauft werden kann“, schrieb Zhu in einem Text an Xu im Mai 2014.

„Unsere grundlegende Strategie sollte darin bestehen, [XY] zum richtigen Zeitpunkt zum besten Preis zu erwerben. Davor werden wir […] sie zu Fall bringen und sie spüren lassen, dass das Damoklesschwert über ihnen schwebt. Dafür haben wir bereits einen umfassenden operativen Plan ausgearbeitet.“

Ein weiterer E-Mail-Austausch vom April 2011 wurde in dem Urteil von 2016 hervorgehoben. In einer E-Mail an Herrn Tang und Zhu schrieb Xu: „Nun, es scheint, dass der amerikanische Imperialismus sehr schlau und gerissen ist, sollen wir das nachmachen?“, und bezog sich dabei eindeutig auf XY. Zhu antwortete: „Das Gesetz ist stark, aber die Verbrecher sind zehnmal stärker.“

In ihrem Urteil sagte Richterin Fitzpatrick: „Die Beweise machen deutlich, dass jeder dieser Angeklagten an dem Gesamtplan beteiligt war, die vertraulichen Informationen von XY mit verschiedenen Mitteln zu stehlen, um sie selbst zu nutzen.“ Und: „Dies geschah alles zum Nutzen der IND-Gruppe.“

Hongkong-Verbindung

2014, zwei Jahre nach dem Urteil des Obersten Gerichtshofs von British Columbia gegen JingJing Genetics, hatte XY immer noch nicht die 8,5 Millionen kanadische Dollar Schadenersatz erhalten. Um den Schadenersatz zu erwirken, verklagte XY ein anderes Unternehmen, das von Zhu kontrolliert wird – diesmal in Hongkong.

XY versuchte, seinen Schadenersatz von einem eingefrorenen HSBC-Bankkonto des Beklagten zu erhalten, das mit einem weiteren von Zhu kontrollierten Unternehmen namens Grand Network Technology Co. Ltd (GNT) in Verbindung stand.

GNT wurde im Jahr 2000 auf den Britischen Jungferninseln gegründet und im Jahr 2014 in Hongkong als Privatunternehmen registriert, wie aus Gerichtsunterlagen hervorgeht. Peter Wang und ein weiterer Mann wurden zu den ersten Direktoren und Hauptaktionären von GNT ernannt, da sie auch bei von Zhu kontrollierten Unternehmen der IND-Gruppe beschäftigt waren, die Niederlassungen in Kanada und China haben. Peter Wang ist der Schwager von Zhu.

Obwohl GNT im Firmenverzeichnis von Hongkong immer noch als „aktiv“ gekennzeichnet ist, scheint es sich um eine Scheinfirma zu handeln, da keine Website, Dienstleistungen oder Kontakte aufgeführt sind.

Zhu und GNT legten gegen den Fall in Hongkong aus zwei Gründen Berufung ein: zum einen aus Gründen der Zuständigkeit und zum anderen, weil Zhu nicht Eigentümer von GNT war. Es wurde XY auferlegt, zu beweisen, dass Zhu GNT kontrollierte, was zu langen Verzögerungen in diesem Fall führte.

Während des Prozesses sagten die Mitarbeiter von IND aus, dass sie nicht wussten, wer ihr tatsächlicher Arbeitgeber war. Sie seien ohne ihr Wissen oder ihre Zustimmung zwischen den Unternehmen hin- und hergeschoben worden, wobei sie die gleichen Aufgaben behielten. Sie wussten erst von ihrer Versetzung, als sie ihren Gehaltsscheck von einem anderen Unternehmen erhielten.

Sie betrachteten alle beteiligten Unternehmen als eine Gruppe, die IND-Gruppe, die Zhu gehört und von ihm kontrolliert wird. Die Zeugenaussagen der Mitarbeiter ergaben, dass Zhu zuvor einen Buchhalter der IND-Gruppe angewiesen hatte, Geld von der IND LifeTech Group Ltd auf das Konto von GNT zu überweisen, um „die Vollstreckung durch XY zu vermeiden“.

Laut Aussage von James Yunjian Yang – einem ehemaligen IND-Büroleiter von 1999 bis 2014 – waren mehrere Ableger in den Vereinigten Staaten tätig. Yang war an der Entwicklung von Unternehmen in Kalifornien, Australien und Uruguay beteiligt. In Uruguay gründete Yang IND Lifetech Uruguay und Zhu bat ihn, Direktor dieses neuen Unternehmens zu werden.

Yang bat um eine niedrigere Position, da er laut eigener Aussage nicht die volle Verantwortung übernehmen wollte. Daraufhin erklärte sich ein Berater, Edward Richard, bereit, Aktionär zu werden. Obwohl Yang laut den Papieren 95 Prozent des Unternehmens besaß, sagte er, dass er Zhu immer als Eigentümer betrachtete.

Ein Urteil aus dem Jahr 2016 in Hongkong zeigte, dass Zhu, obwohl er nie Aktionär oder Direktor von GNT war, das Unternehmen letztlich kontrollierte. Das Urteil wies den Einspruch von GNT gegen die Sperrung seines Bankkontos für den Schadensersatz an XY ab.

„Die Beweise untermauern, dass Jesse Zhu, obwohl er nie ein Direktor oder Aktionär von GNT war, GNT kontrollierte oder besaß“, heißt es in dem Gerichtsdokument. „Obwohl die verschiedenen Unternehmen für unterschiedliche Zwecke gegründet worden zu sein scheinen, waren sie für Zhu austauschbar, wie es seinen Wünschen entsprach.“

Über die Berufung von GNT wurde am 16. Mai dieses Jahres entschieden. Ein Richter in Hongkong entschied, die Berufung von GNT zugunsten von XY abzuweisen. Das wurde als seltener Sieg für einen ausländischen Kläger ohne Geschäfte oder Vermögenswerte in Hongkong gewertet.

Eine Suche nach „Jessie Jia Bei Zhu“ auf der Vlex-Plattform für juristische Informationen ergibt 27 Rechtsfälle – 19 in Kanada, sieben in Hongkong und einen in den Vereinigten Staaten (Wisconsin). Eine Suche nach „Universal Meditech Inc.“ ergab 132 Rechtsfälle in zehn Ländern – 116 in den Vereinigten Staaten –, während „Prestige Biotech“ 53 Fälle in vier Ländern ergab, von denen 31 in den Vereinigten Staaten liegen.

Epoch Times hat Prestige Biotech, Universal Meditech, Jesse Zhu und Wang Zhaoyan für diesen Artikel kontaktiert, aber keine Antwort erhalten. Auch XY und seine Muttergesellschaft, Sexing Technologies, wurde kontaktiert, auch hier gab es bis Redaktionsschluss keine Antworten.

Zurück nach Reedley

Kürzlich wollte Universal Meditech – das sein Biolabor an Prestige Biotech übergeben hatte – an einen neuen Standort in der Nähe des internationalen Flughafens Fresno Yosemite umziehen, wie das lokale Medium „GV Wire“ berichtete.

Harper, die für die Durchsetzung der Vorschriften in der Stadt Reedley zuständig ist, sagte, dass die Behörden von Fresno den Vorschlag für den neuen Standort ablehnten, nachdem Berichte über die Probleme der Stadt während der Untersuchung in Reedley aufgetaucht waren. Der Mietvertrag von Universal Meditech wurde gekündigt.

Die FDA gab am 11. August eine Warnung bezüglich der von Universal Meditech hergestellten Testkits heraus. Daraufhin gab Universal Meditech am 31. August bekannt, dass das Unternehmen seine Geschäftstätigkeit einstellt und veröffentliche einen Rückruf aller Produkte, einschließlich der COVID-19-Testkits.

Aktuell befasst sich ein Kongressausschuss mit dem chinesischen Biolabor auf amerikanischem Territorium. Dazu lud der Sonderausschuss des Repräsentantenhauses am 13. September erstmals die Kommunistische Partei Chinas vor, um sie wegen des Labors in Reedley zu befragen.

„Es ist zutiefst beunruhigend, dass ein chinesisches Unternehmen eine geheime Anlage in einer amerikanischen Kleinstadt einrichtet“, sagte der Ausschussvorsitzende, Mike Gallagher. Dort seien laut CDC „mindestens 20 potenziell infektiöse Erreger“ wie HIV und die tödlichste bekannte Form von Malaria vorgefunden worden.

Die Behörden in Reedley übergaben dem Untersuchungsausschuss Tausende Seiten an Dokumenten, Hunderte Fotos und stundenlange Videoaufzeichnungen.

Das FBI antwortete auf eine Anfrage der Epoch Times zu den Ermittlungen mit den Worten: „Die Angelegenheit in Reedley wird von den örtlichen Beamten des Bezirks Fresno bearbeitet. Wie seit Langem üblich hat das FBI die Ermittlungen weder bestätigt noch dementiert und hat sich zu dieser Angelegenheit nicht geäußert.“

Harper sagte, sie habe viele schlaflose Nächte gehabt, seit sie das geheime Biolabor entdeckt habe. „Ich sitze zu Hause und denke: ‚Mensch, das passiert hier in Reedley, das könnte überall in den Vereinigten Staaten passieren‘,“ sagte sie der Epoch Times.

„Es hält einen nachts wach, wenn man weiß, dass da draußen niemand so ein Labor vermutet. Und selbst wenn wir so etwas entdecken, kann es sein, dass eine Stadt oder ein Landkreis so frustriert ist, dass sie ihnen einfach sagt: ‚OK, zieht aus‘, und dann geht es einfach weiter in die nächste Stadt.“

Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel: “Behind a Secret Chinese Biolab in California, a Global Web of Connections. (deutsche Bearbeitung nh)



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