Immer mehr Deutsche finden in Ungarn eine neue Heimat

Jedes Land hat seine positiven und negativen Seiten. Für eine wachsende Zahl an Deutschen scheinen die positiven Seiten von Ungarn zu überwiegen, sodass sie sich zum Auswandern entschließen: Allen voran Sicherheit, Immobilienpreise und die Innenpolitik.
Titelbild
Ländliches Leben in Ungarn. Blick auf die Landschaft um Csopak und den Plattensee.Foto: iStock
Von 30. November 2023

Immer mehr Deutsche zieht es nach Ungarn.

Daten des ungarischen Zentralamts für Statistik zeigen, dass die Zahl der Deutschen, die nach Ungarn gezogen ist, in den vergangenen vier Jahren deutlich gestiegen ist – mit einem jährlichen Zuwachs von 34,9 Prozent. Während im Jahr 2019 nur 16.537 deutsche Staatsbürger in Ungarn lebten, waren es im Jahr 2023 bereits 22.310.

Nicht so sehr wegen der Arbeit

Immer häufiger hört man Menschen in westlichen Teilen Ungarns Deutsch sprechen, wie in den Komitaten (Verwaltungsbezirken) Baranya und Tolna und vor allem rund um das „ungarische Meer“, dem Plattensee (Balaton).

Was bewegt Deutsche, nach Ungarn umzusiedeln? Die Gründe sind vielschichtig.

Vor kurzem hat Bence Bauer, Direktor des Deutsch-Ungarischen Instituts für Europäische Zusammenarbeit, eine Analyse dazu veröffentlicht.

Es sind nur 272 Arbeitnehmer deutscher Nationalität bei ungarischen Unternehmen beschäftigt, schreibt er und verweist auf entsprechende Angaben des Ministeriums für Technologie und Industrie aus dem 2021. Nach Angaben des Wirtschaftsblattes „Pénzcentrum“ ist die Zahl der in Ungarn lebenden deutschen Rentner hingegen in den vergangenen fünf Jahren um 25 Prozent gestiegen. 14.700 Pensionäre bekommen ihre Rente nun in Ungarn ausgezahlt.

Dies deute darauf hin, dass viele Deutsche nicht aufgrund des Arbeitsplatzes nach Ungarn ziehen. Wichtig ist aber der Hinweis, dass Bauer nur über Personen mit deutscher Staatsbürgerschaft schreibt. Nicht über ungarisch-deutsche Staatsbürger, deren Zahl derzeit auf 200.000 bis 220.000 geschätzt wird. Zu der „wirtschaftlich inaktiven“ Gruppe gehören auch die in Ungarn lebenden deutschen Studenten. Das waren im Jahr 2020 3.415 Personen.

Das Bedürfnis nach Sicherheit

Die ungarischen Medien sind voll von Beispielen von Deutschen, die nach Ungarn gezogen sind und sich positiv über die Migrationspolitik der ungarischen Regierung äußern. Hauptsächlich aus Gründen der Sicherheit.

Emily Paersch, die im März 2020 nach Ungarn kam, sagte im September der Zeitung „Magyar Nemzet“, dass für sie und ihren Mann die „fehlgeleitete Migrationspolitik“ der deutschen Regierung der Hauptgrund für ihren Umzug war. Laut Paersch hat diese zu „enormen finanziellen Belastungen und Sicherheitsproblemen für die deutsche Gesellschaft“ geführt.

Die Kriminalitätsstatistik spricht auch manche Deutsche an. In Ungarn ist die Zahl der registrierten Straftaten in den vergangenen zehn Jahren um 65 Prozent gesunken, während sie in Deutschland stagniert.

Der Wunsch nach einem Eigenheim

Für viele Deutschen, die nach Ungarn ziehen, steht laut Bauer der Wunsch nach einem Eigenheim im Vordergrund. „In Deutschland kann sich selbst die obere Mittelschicht immer seltener den Kauf einer eigenen Immobilie leisten, während dies hierzulande, insbesondere auf dem Land, immer noch möglich ist“, schreibt er.

Ein Reporter vom MDR begleitete Janine Ottoman aus Berlin im April bei der Besichtigung einer Immobilie in Marcali, circa zehn Kilometer vom Plattensee entfernt. Sie sah sich ein komplett renoviertes 70-Quadratmeter-Haus auf einem 5.000-Quadratmeter-Grundstück an. Der Preis lag bei 49.000 Euro. Der deutschstämmige Immobilienmakler Ottmar Heide sagte:

Für diesen Preis bekommen Sie in Deutschland nicht einmal eine Garage.“

Gegenseitiger Nutzen

Eine Umfrage des Forschungsinstituts Median aus dem Jahr 2007 ergab, dass die Ungarn durchweg ein positives Bild von den deutschen Einwanderern haben. Laut dieser Befragung sind Deutsche, die schon lange in Ungarn leben, „besonders fleißig, moderat, diszipliniert, pflichtbewusst und sogar beharrlicher als Ungarn“.

„Es gibt viele Beispiele dafür, dass zugezogene Deutsche aktive Mitglieder der Gemeinschaft werden. In einigen Regionen […], darunter auch in der Gegend um den Plattensee, gibt es deutsche Handwerker und Dienstleister“, schrieb Bauer.

Weiter fügt er hinzu, dass Grundstückspreise und Sicherheit nicht die einzigen Aspekte seien. Das „günstige Klima Ungarns, die kulinarischen, touristischen und kulturellen Angebote sowie die Gastfreundschaft und Herzlichkeit der Ungarn“ seien ebenfalls wichtig.

Die Innenpolitik spiele für manche Deutsche auch eine Rolle. Für viele, die christliche und konservative Werte hochhalten, sei Orbáns Kurs auch ein Faktor umzusiedeln.

Wie bekommt man die Staatsbürgerschaft?

Nach acht Jahren können Zugezogene die ungarische Staatsbürgerschaft beantragen. Dies ist der Zeitraum, in dem der Antragsteller nachweislich eine ungarische Adresse haben muss. Es gibt jedoch auch schnellere Fälle.

„Ein einziger Vorfahre, der im 19. Jahrhundert hier gelebt hat, reicht aus, um einen Antrag zu stellen“, heißt es auf „helpers.hu“, einer Website für Einwanderer. Das Verfahren dauert in diesen Fällen in der Regel nur wenige Monate.

Wie lange hält die Begeisterung an?

Die Stimmen von Zufriedenen sind in den Medien am häufigsten zu hören. Aber für manche Auswanderer treten Probleme auf, mit denen sie nicht gerechnet haben.

Zum Beispiel sind einige mit der Gesundheitsversorgung in Ungarn nicht zufrieden. Dies ist besonders für Rentner ein wichtiger Faktor, so ein Bericht der „Deutschen Welle“, der mehrere deutsche Einwanderer interviewte.

Ein weiterer kritischer Punkt sind die niedrigen Löhne. Nach Ansicht von befragten Rentnern, die nach Ungarn gezogen sind, sei das Land deshalb kein attraktives Ziel für junge Leute. Mehr Deutsche würden nach Ungarn kommen, wenn die Gehälter höher wären, so die Befragten. Aber angesichts der Jobangebote, die es gibt, würde das nicht ausreichen, um ihren Lebensunterhalt zu sichern.

 



Epoch TV
Epoch Vital
Kommentare
Liebe Leser,

vielen Dank, dass Sie unseren Kommentar-Bereich nutzen.

Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen, Schimpfworte, aggressive Formulierungen und Werbe-Links. Solche Kommentare werden wir nicht veröffentlichen. Dies umfasst ebenso abschweifende Kommentare, die keinen konkreten Bezug zum jeweiligen Artikel haben. Viele Kommentare waren bisher schon anregend und auf die Themen bezogen. Wir bitten Sie um eine Qualität, die den Artikeln entspricht, so haben wir alle etwas davon.

Da wir die Verantwortung für jeden veröffentlichten Kommentar tragen, geben wir Kommentare erst nach einer Prüfung frei. Je nach Aufkommen kann es deswegen zu zeitlichen Verzögerungen kommen.


Ihre Epoch Times - Redaktion