Kardinal Gerhard Ludwig Müller am 25. Oktober 2016 als Präfekt der Glaubenskongregation bei einer Pressekonferenz im Vatikan.Foto: Alberto Pizzoli/AFP über Getty Images

Kardinal Müller gegen Impfpflicht und Freiheitsbeschränkungen

Von 18. Dezember 2021 Aktualisiert: 18. Dezember 2021 10:33
Der emeritierte Präfekt der Glaubenskongregation, Gerhard Ludwig Kardinal Müller, sprach in einem polarisierenden Interview über gesellschaftliche Spaltung und Impfpflicht. Kritik übte er an einer sogenannten Elite. Müller macht deutlich: „Ich möchte eigentlich nicht geschaffen und erlöst werden nach dem Bild und Gleichnis von Klaus Schwab oder Bill Gates oder Soros“.

In einem Interview mit dem konservativen katholischen St. Bonifatius-Institut in Wien kritisierte der emeritierte Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre und ehemalige Bischof von Regensburg Gerhard Ludwig Kardinal Müller die Impfpflicht und sprach über seine Vermutung, wie mithilfe der Corona-Pandemie „totale Kontrolle“ ausgeübt werden soll. Kardinal Müller beklagte in diesem Zusammenhang auch die Spaltung der Gesellschaft. Für seine Ansichten hagelte es einiges an Kritik.

Impfen – ein Kirchenthema?

Der Vatikan spricht sich gegen eine allgemeine Corona-Impfpflicht aus. Es gebe „in der Regel keine moralische Pflicht zur Impfung“, verkündete die Glaubenskongregation in einer am 21. Dezember 2020 veröffentlichten Note, unterschrieben von Kurienkardinal Luis Ladaria (er wurde 2017 Müllers Nachfolger) und Ladarias Sekretär, Kurienerzbischof Giacomo Morandi, nach Angaben des Internetportals „katholisch.de“.

Offenbar gibt es da keine einheitliche Meinung bei den Kirchenvertreten, wie aus einer Frage des St. Bonifatius-Instituts an Kardinal Müller hervorging. Man wollte wissen, wie der Kardinal zu den Aussagen von Franz Lackner, Erzbischof von Salzburg und Vorsitzender der Österreichischen Bischofskonferenz, stehe, der bezüglich der Impfung von einer moralischen Pflicht gesprochen habe.

Kardinal Müller geht davon aus, dass das wohl Lackners persönliche Meinung sei. Denn er dürfe sein Bischofsamt nicht dazu benutzen, um moralischen Druck auszuüben. „Das Bischofsamt ist dazu da, das Evangelium zu verkünden und auch die ethischen Prinzipien in die Öffentlichkeit hineinzusagen“, erklärte der Kleriker.

Bei der Impfpflicht gehe es um eine Gewissensfrage. Man müsse die moralischen Pflichten als Bürger genau abwägen. Es sei wichtig, dass dies freiwillig geschieht: „Das Gewissen unter Druck zu setzen, ist der falsche Weg.“ Man wolle Gewissen bilden, sodass jeder Mensch „in der Freiheit vor Gott“ seine Entscheidung treffen könne.

Durch Chaos zur totalen Kontrolle

In Österreich soll die Pflichtimpfung ab Februar 2022 kommen, sogar für Kinder ab 14 Jahren. Viele Proteste in Österreich, mitunter mit zig tausenden Teilnehmern, drehen sich um dieses heiß diskutierte Thema.

Kardinal Müller nannte die Spaltung der Gesellschaft durch die Maßnahmen schlimm und ideologisch – ganz „im Sinne der Klassenkampfrhetorik“, bei der der Klassenfeind, der Andersdenkende, vernichtet werden müsse. Der Kirchenmann mahnte jedoch, dass es gerade in Krisensituationen darum gehe, zusammenzustehen.

Doch die derzeitige Realität sieht Müller anders. Es sei Chaos, geboren aus mangelnder Kenntnis der Gefährlichkeit dieses Virus und „dem Willen, die Gelegenheit zu nutzen, die Menschen jetzt gleichzuschalten, einer totalen Kontrolle zu unterziehen“.

Man wolle einen Überwachungsstaat installieren, so der Kardinal. Müller verweist auf den „Great Reset“, den er „Big Reset“ nennt, und auf den Chef des World Economic Forums, Klaus Schwab, der gesagt habe, dass Corona eine Chance sei.

Laut Müller säßen diese Leute auf dem Thron ihres Reichtums – von den alltäglichen Schwierigkeiten nicht berührt – und verkündeten dann groß, dass dies eine Chance sei, ihre Agenda durchzusetzen.

„Neue Schöpfung“ der Elite

Doch deren Agenda beruhe auf einer Hochstapelei, auf der Meinung, dass man mithilfe der modernen Technik oder des Kommunikationswesens „eine neue Schöpfung hervorbringen, einen neuen Menschen erschaffen“ könne – „aber nach ihrem Bild und ihrem Gleichnis“, so Kardinal Müller.

Ich möchte eigentlich nicht geschaffen und erlöst werden nach dem Bild und Gleichnis von Klaus Schwab oder Bill Gates oder Soros und all diesen Leuten.“

Es gebe eine, „selbsternannte Elite der Besitzenden, Befehlenden, Beherrschenden, der Privilegierten“ und die große Masse, die einfach nur zu gehorchen habe.

Bei jeder Regung des eigenen Denkens werde diese hart bestraft, mit völlig unverhältnismäßigen Geldstrafen und sogar Gefängnisstrafen. Die Freiheits- und Menschenrechte, die zur Natur des Menschen gehörten, seien Abwehrrechte gegenüber dem Staat.

Doch die Mächtigen, vor denen die Freiheitsrechte schützen sollen, bestimmen nun, „wann und wie und wie weit man diese Grundrechte eingrenze oder sogar aufhebe“. Auf die Verfassungsgerichte sei kein Verlass mehr. Laut Müller würden die Personen dort von solchen Politikern ernannt und seien von ihnen abhängig.

Das Ganze sei eine Folge mehrerer Umstände. In den Universitäten, bis in die juristischen Fakultäten hinein, seien die feministische Ideologie, die Emanzipationsideologie, die LGBT-Ideologie, die Agenda des „Big Reset“ so dominant, beklagt der Kirchenmann.

Menschen würden unter Druck gesetzt, freies Denken behindert und bestraft. Es herrsche „das pensiero unico, durch das Einheitsdenken, Political Correctness, Cancel Culture – und wie alle diese neofaschistischen/neokommunistischen Maßnahmen, totalitären Denkweisen genannt werden“, so Kardinal Müller. Er bedauere, dass in den Universitäten, den öffentlichen Institutionen und in den Massenmedien diese Denkweise zu Hause sei.

Schweigen und offene Kritik

Kardinal Müllers Ausführungen blieben nicht ohne Kritik. Der „Tagesspiegel“ berichtet, dass der Antisemitismus-Beauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, Müller vorwerfe, dass er „absurde, antisemitische Verschwörungsmythen verbreitet, die schädlich für unsere Gesellschaft sind und bestehende Probleme nur verstärken“.

Von der katholischen Kirche forderte Klein eine klare und unmissverständliche Distanzierung von den Aussagen des Kardinals, der seit Juni 2021 Mitglied am höchsten Kirchengericht, dem Obersten Gerichtshof der Apostolischen Signatur („Supremo Tribunale“), in Rom ist.

Ähnlich formulierte es der Politikwissenschaftler Jan Rathje laut „Welt“-Angaben: „Die Aussagen lassen sich größtenteils verschwörungsideologisch werten.“ Über die Aussagen Kardinal Müllers über den jüdischen US-Investor und Chef der Open Society Foundations, George Soros, habe Rathje gesagt, dass man diese „als antisemitische Chiffre“ werten könne.

Auch die Konferenz Europäischer Rabbiner (CER) meldete sich zu Wort und kritisierte den Kardinal scharf für seine Aussagen. CER-Präsident und Oberrabbiner Pinchas Goldschmidt habe den Vatikan und die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) aufgefordert, „sich von solchen kruden Aussagen und Positionen“ klar zu distanzieren.

Den „Welt“-Angaben nach habe die Deutsche Bischofskonferenz bisher keinen Kommentar zu Kardinal Müllers Aussagen abgegeben.



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