„Moderne Trojaner“: Geheimdienstler warnen vor möglichen genetischen Analysen durch COVID-19-Tests

Mithilfe der COVID-19-Tests könnten weltweit auch unzählige genetische Daten gesammelt werden – und in eine Datenbank nach China fließen. US-Geheimdienstler warnen vor einer Zusammenarbeit mit der BGI-Group, früher als „Beijing Genomics Institute“ bekannt.
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Ein Epidemiologe bei einem Nachweis eines SARS-CoV-2. (Symbolbild)Foto: iStock
Von 15. April 2021

In den USA wird in Geheimdienstkreisen vermutet, dass das größte Forschungszentrum der Welt für Genetik mithilfe der COVID-19-Testkits die biometrischen Daten der Bürger sammelt, aufbewahrt und weiterverarbeitet.

Das wäre ein ganz normaler Vorgang, wenn sich dieses Forschungszentrum in den USA befinden würde. Allerdings könnten viele der Daten an das „Beijing Genomics Institute“ in China gehen – eine sehr große Biotech-Unternehmensgruppe, welche vom Staat unterstützt wird.

Die Mittel dazu seien, so die Geheimdienstler, die massenweise eingesetzten Corona-Tests und die Angebote des chinesischen Unternehmens, weltweit Analystechniken zur SARS-CoV-2-Diagnostik zu liefern.

„Moderne Trojaner“

US-Beamte erklären, dass die aggressive Sammlung der persönlichsten Informationen durch das kommunistische Regime in China eine Gefahr für die nationale Sicherheit und die Wirtschaft darstellen. Bei allen Behörden, Parteien und Verwaltungen würden die Alarmglocken läuten, erklärt „CBSNews“ in seiner Sendung „60 Minuten“ Ende Januar. Das Verlangen, unsere Biodaten zu kontrollieren – und damit auch die Zukunft des Gesundheitswesens – sei zum neuen Wettlauf ins All geworden, bei dem mehr als nur der Nationalstolz auf dem Spiel stehe, so der Sender.

Bill Evanina, bis vor Kurzem oberster Spionageabwehrbeamter der USA, Veteran des FBI und der CIA, warnte im Interview mit „CBSNews“:

Ausländische Mächte können biometrische Informationen aus COVID-Tests sammeln, speichern und nutzen.“

Evanina vermutet, dass es sich bei Laborangeboten des „Beijing Genomics Institute“ (BGI) um moderne Trojaner handelt. Das Unternehmen käme mit „Geschenken“ in die USA, es könne aber auch andere Motive haben:

Anfang März letzten Jahres war der Bundesstaat Washington der Ort des ersten großen Coronavirus-Ausbruchs in den USA. Als die COVID-Raten und der Bedarf an Tests stiegen, näherte sich die BGI Group, das weltweit größte Biotech-Unternehmen – ein globaler Riese mit Sitz in China – dem Bundesstaat Washington mit einem verlockenden Angebot. In einem auffallend persönlichen Brief an den Gouverneur schlug BGI vor, hochmoderne COVID-Testlabors zu errichten und zu betreiben.“

Das BGI bot an, technisches Fachwissen und Sequenzer mit hohem Durchsatz bereitzustellen und sogar zusätzliche Spenden zu tätigen.

Den Rohstoff „DNA“ abbauen

Es sei unbekannt, ob das BGI oder ein COVID-Test DNA aus Nasentupfern erhalte, sagt Evanina. Doch die Labore seien gleichzeitig eine Möglichkeit, in den USA Fuß zu fassen, Ausrüstung ins Land zu bringen, die Daten der Bevölkerung „abzubauen“ und vor Ort ein Unternehmen hochzuziehen. In den USA wird in diesem Zusammenhang vom „Bergbau“ gesprochen. Das Unternehmen baue den begehrten Rohstoff „DNA-Daten“ ab.

Der Vorschlag des BGI ging nicht nur an den Bundesstaat Washington, sondern auch an weitere wie New York und Kalifornien. Die zuständigen Behörden lehnten die Offerten ab. Das US-Handelsministerium setzte am 3. Juli 2020 das Unternehmen auf die Schwarze Liste und sanktionierte es.

Chinas Regierung habe verstanden, dass ihr zukünftiger Erfolg von der Anhäufung großer Mengen menschlicher DNA abhänge, ergänzt Edward You, FBI-Ermittler und ehemaliger Biochemiker bei „CBSNews“. Das massive Sammeln der Daten sei allerdings nichts Neues, sondern zuvor im Plan „Made in China 2025“ in die Welt hinausposaunt worden.

Zudem verabschiedete Peking 2020 ein Gesetz, welches jeglichen Zugang zu ihren biologischen Daten und Proben strikt unterbindet. Die Daten verlassen China nicht, aber China „sauge sie von überall auf der Welt ein“.

Ein fiktiver Anruf aus China in zehn Jahren

Bill Evanina verdeutlicht das Problem mit einem Beispiel. In zehn Jahren könnte sein Vater einen Anruf bekommen in dem man ihm sagt: „„Hey, übrigens, wir wissen, dass du Bluthochdruck entwickeln wirst. Und du bist kurz davor, an Parkinson zu erkranken. Hier sind drei Medikamente, die du einnehmen solltest, um einige der Symptome zu lindern.‘ Mein Vater wird sagen: ‚Woher wissen die das?‘ Und die Firma ist aus China. Weil sie meinen Dad schon anhand seiner DNS in eine bestimmte Zielgruppe eingeordnet haben. Und mein Dad wird sagen: ‚Okay, ich mach’s.‘“

Sophie Richardson, Direktor des China-Programms von Human Rights Watch, erinnert an die bereits stattfindende totale Überwachung der Uiguren – inklusive der dort erzwungenen DNA-Proben. Die Daten würden gezielt benutzt, um Menschen zu identifizieren, andere Familienmitglieder ins Visier zu nehmen und die Gesichtserkennungssoftware zu verfeinern. Und das seien nur die Anwendungen, die ins Ausland durchgesickert seien. Auch Falun-Gong-Übende und alle Neugeborenen in der chinesischen Provinz Hebei würden so kartiert.

Nach Angaben von Bill Evanina hat BGI weltweit Verträge mit über 60 Ländern, mit denen es nicht nur genomische Sequenzierung, sondern auch entsprechende Analytik liefert.

„CBSNews“ wandte sich in Vorbreitung der Sendung mit einer Interview-Bitte auch an das BGI. Das Unternehmen lehnte die Anfrage ab und erklärte: „Die Vorstellung, dass die genomischen Daten amerikanischer Bürger in irgendeiner Weise durch die Aktivitäten von BGI in den USA kompromittiert sind, ist unbegründet.“ Die Firma gab an, dass sie „eine private Organisation“ sei, die gegründet wurde, „um die menschliche Gesundheit und das Wohlbefinden zu fördern“.

Datenklau durch China

Im Februar warnte Dr. Marc Siegel bei Tucker Carlson von „Fox News“ ebenfalls vor diesem Datenklau durch China. „Es gibt kein kostenloses Mittagessen. Sie schürfen meine DNA, Ihre DNA. Sie werden sie mit den Lebensstil-Daten kombinieren, die sie von uns gestohlen haben.“ Dr. Siegel ist Internist und klinischer Professor in der Abteilung für Medizin an der New York University Grossman School of Medicine.

Der 64-Jährige sagte, wenn diese Praktiken nicht unterbunden werden, würde die chinesische kommunistische Partei künftig die Gesundheitsversorgung der USA kontrollieren.

Weit verbreitet – Serbien, Afrika, Arabien

Das nun schon mehrfach genannte Unternehmen BGI wandte sich auch an viele andere Staaten und bot ihnen unter anderem komplette Labore, die sogenannten Huo-Yan-Testlabore, an. Dies sind Hochdurchsatz-Nukleinsäure-Nachweislabore, welche für die COVID-19-Prävention und -Kontrolle gebaut wurden. Design, Tests, Betrieb, Mitarbeiterschulungen und die Technologie werden von BGI zur Verfügung gestellt (für Fachleute: die eingesetzte Technik wird als „Real-Time Fluorescent RT-PCR-Kits zum Nachweis von 2019-nCoV“ beschrieben).

Nach COVID-19, so das Unternehmen, sollen diese Labore zum „Standard der Umgestaltung und Aufwertung des medizinischen und Gesundheitssystems in verschiedenen Regionen werden“.

Bekannt sind Huo-Yan-Labore und eine enge Zusammenarbeit bei COVID-19-Tests unter anderem aus Serbien, Bosnien und Herzegowina, Saudi-Arabien, Angola und Brunei.

Europa: 2020 hat das BGI die EU-Zulassung für sein COVID-19-Testkit erhalten

Das Beijing Genomics Institute hat – massiv unterstützt vom chinesischen kommunistischen Staat – mittlerweile eine globale Reichweite und Büros sowie Labore in mehr als 100 Ländern und Regionen. In Deutschland befindet sich ein BGI-Büro in München, weitere gibt es in Stockholm, London, Brüssel, Rotterdam, Kopenhagen und Riga.

Am 1. März 2020 gab BGI bekannt, dass sein neues 2019-nCoV-Nukleinsäure-Testkit die CE-Zertifizierung in der Europäischen Union abgeschlossen und das EU-Freihandelszertifikat erhalten hat.

Mit dem CE-Siegel wird es nicht nur im Wirtschaftsraum der EU, sondern in allen Staaten verkauft, die das CE-Siegel anerkennen. Die Zulassung erfolgte binnen 40 Tagen – im Normalfall wird dafür eher eine Dauer von mehreren Jahren gebraucht.

Seit Beginn der COVID-19-Maßnahmen vervielfachte das Unternehmen die Produktionskapazitäten seines PCR-Tests, welche es bereits ab April 2020 in mehr als 80 Länder lieferte, wie „Bloomberg“ berichtete.

„Reuters“ brachte das Unternehmen im Januar 2021 in Verbindung mit dem Militär der Kommunistischen Partei Chinas.

Bill Gates, Huawei und eine beeindruckende Gen-Datenbank

Wie kam es zu dieser weltweiten Verbreitung? Ein Blick in die Geschichte.

Anfang April 2000 verkündeten die Medien: „Das menschliche Erbgut ist entschlüsselt“ – und die „genetische Revolution“ könne beginnen. Die Kosten für die erste Sequenzierung gingen in die Milliarden.

Zeitgleich fanden am 26. Juni 2000 Pressekonferenzen in Washington, Japan, China, Großbritannien, Deutschland und Frankreich statt. Bill Clinton und Tony Blair kündigten weitere Forschungen zur Sequenzierung des menschlichen Genoms an. Die erste Entschlüsselung des menschlichen Genoms wurde von 16 Zentren in den USA („National Institutes of Health“), Großbritannien, Deutschland, Japan, Frankreich und China gemeinsam durchgeführt. Mit dabei: der frühere chinesische Machthaber Jiang Zemin.

Das „Human Genome Project“ nahm seitdem immer mehr an Fahrt auf.

Zehn Jahre später besuchte Bill Gates das Hauptquartier des Beijing Genomics Institute. Der Mitbegründer von Microsoft informierte sich über die Art und Weise, wie das Unternehmen genetische Sequenzierungen durchführte.

Die „Financial Times“ beschreibt diesen Besuch so: „Im Jahr 2010 besuchte Bill Gates ein unauffälliges Gebäude in einem Industriegebiet am Stadtrand von Shenzhen, China. Mit einer Reihe von High-Tech-Maschinen im Inneren könnte der Ort leicht mit einem anonymen Data Warehouse verwechselt werden. Aber Herr Gates und Ray Yip, Leiter der China-Operation der Gates Foundation, sahen an diesem Tag etwas anderes“, berichtete die „Financial Times“.

Und weiter:

Als sie das BGI-Hauptquartier besichtigten, waren die beiden Männer von dem Ehrgeiz der Wissenschaftler des Biotech-Unternehmens verblüfft. Im Inneren analysierten mehr als 150 hochmoderne genetische Sequenzierungsgeräte täglich das Äquivalent von Tausenden von menschlichen Genomen. Das Unternehmen arbeitet auf das Ziel hin, eine riesige Bibliothek aufzubauen, die auf der DNA vieler Millionen Menschen basiert. Führungskräfte des BGI sehen dies nicht als Endspiel, sondern als Sprungbrett für neue Arzneimittelentdeckungen, fortschrittliche Genforschung und eine Transformation der öffentlichen Gesundheitspolitik.“

Der eben genannte Ray Yip lobte in der „Financial Times“ das Unternehmen: „Die meisten Menschen sehen sie nur als Dienstleister für die DNA-Analyse. Es ist die Datenbank, die sie erstellen, die sie beeindruckend macht.“

„Memorandum of Understanding“ – Die Gates-Foundation und das BGI

Zwei Jahre später unterzeichnete die Bill & Melinda Gates Foundation ein „Memorandum of Understanding“ mit dem Beijing Genomics Institute für eine Zusammenarbeit im Bereich der globalen Gesundheit und der landwirtschaftlichen Entwicklung. Das Unternehmen schrieb dazu: „BGI freut sich auf diese wichtige Zusammenarbeit mit der Bill and Melinda Gates Foundation, um die Genomforschung zum Nutzen der globalen Gesundheit der Menschen einzusetzen.“

Die Zusammenarbeit konzentriert sich auf die Sequenzierung des Genoms – eine Aktivität, die später als eine eindeutige Bedrohung für die nationale Sicherheit der USA eingestuft wurde.

Bis 2014 produzierte BGI mindestens ein Viertel der weltweiten Genomdaten und damit mehr als jede andere Institution auf dem Planeten. 2015 kündigte der ehemalige US-Präsident Barack Obama eine Initiative zur Sequenzierung von einer Million Amerikaner an und stellte 215 Millionen US-Dollar zur Verfügung.

Im März 2016 stellte China seine Pläne für ein viel größeres, milliardenschweres Projekt vor. Über einen Zeitraum von 15 Jahren soll ein Trio von Institutionen – darunter das BGI – die Sequenzierung der Genome von vielen Millionen Bürgern durchführen.

Am 22. September 2016 erfolgte die offizielle Eröffnung der Chinesischen Nationalen Gendatenbank in Shenzhen, an der BGI maßgeblich beteiligt ist. Nach Angaben der „Welt“ befanden sich 2020 bereits die genetischen Profile von mehr als 40 Millionen Menschen in der chinesischen Gendatenbank.

2018 angekündigt: „Die Digitalisierung der Erde verwirklichen“

2017 gab das BGI zu, an einer eigenen, als „DNA-Nanoball-basiertes Cluster-Sequenzierungssystem“ bezeichneten Technologie zu arbeiten, um die Kosten für eine Genom-Analyse auf unter 200 Dollar zu drücken. BGI galt zu dieser Zeit nach den Unternehmen Illumina und Thermo Fisher Scientific als der drittwichtigste Hersteller für Sequenziertechnologie der Welt.

Im April 2018 kündigte BGI das „Periodic Table of Life Project“ an, das auf der SMRT-Sequenzierung basiert – und letztlich das Ziel der „Digitalisierung von Pflanzen und Tieren, der Digitalisierung der Erde“ verwirklichen will.

Der Vorsitzende der BGI Group ist Wang Jian. Er fördert aktiv die Umsetzung des „Human Genom Project“ – und die „Belt and Road Life Sciences Economy Alliance“. Auf Chinesisch lautet der Name, um es korrekt zu formulieren, 北京华大基因研究中心, die englische Übersetzung bedeutet „Beijing Huada Gene Research Center“, der offizielle Name lautet BGI Group.

Die BGI Group kündigte auf der AGBT-Konferenz im Februar 2020 an, dass sie die Genom-Sequenzierung noch billiger machen und damit zum ersten Mal die 100-Dollar-Grenze durchbrechen wird.

In China wird von Lao Ji die BGI Group mit dem Technologieriesen Huawei verglichen. Beide haben ihr Hauptquartier in Shenzen und arbeiten auf technologischem Gebiet zusammen. Lao Ji arbeitet für eines der meistbesuchten chinesischen Internetportale namens „Sohu“. Bereits 2015 vereinbarten der Genomic- und der Tech-Riese, gemeinsam einen genetischen Big-Data-Speicher zu entwickeln.

Die deutsche Genom-Forschung und Zusammenarbeit mit BGI

Als 2011 ein neuer Stamm von E. coli-Bakterien auftrat, arbeitete Deutschland mit BGI zusammen. Beteiligt war die Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Das BGI brauchte für die genomische Bestimmung lediglich drei Tage.

Deutschland beteiligt sich auch an der Genom-Forschung. Am 16. Januar 2020 trat Deutschland der „1+Million Genomes Initiative“ der EU bei. Gesundheitsminister Jens Spahn plant für Deutschland das genomDE-Projekt, eine der Konferenzen fand digital am 30. November 2020 statt.

Laut dem Humangenetiker Hans-Hilger Ropers zielt das deutsche Projekt auf die Einführung der Genomsequenzierung in die allgemeine Krankenversorgung, um die Diagnose, Prävention und auch die Therapie genetisch bedingter Krankheiten zu verbessern.

Oder anders gesagt: „Man sollte sich von dem Gedanken lösen, dass unser Genom uns allein gehört.“

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