Soldaten sind in Petrinja nach dem Erdbeben im Einsatz.Foto: DAMIR SENCAR/AFP via Getty Images

Nachbeben in Kroatien – Bürgermeister: „Die Stadt ist eine einzige Ruine“

Epoch Times30. Dezember 2020

+++ Update +++

Einen Tag nach dem schweren Erdbeben in Kroatien mit mindestens sieben Toten ist das Land am Mittwoch von weiteren Beben erschüttert worden. Die US-Erdbebenwarte USGS registrierte am Morgen gegen 6:15 Uhr kurz hintereinander zwei Erdbeben der Stärke 4,8 und 4,7 in der Region um Sisak südöstlich der kroatischen Hauptstadt Zagreb. Zunächst wurden keine neuen Schäden durch die beiden Nachbeben gemeldet.

„Was noch nicht von den Ruinen der Stadt heruntergefallen ist, ist jetzt heruntergefallen“, sagte der Bürgermeister von Petrinja, Darinko Dumbović, dem Sender HRT.

Am Dienstag hatte ein Beben der Stärke 6,4 in der Region und insbesondere in der Ortschaft Petrinja schwere Schäden angerichtet. Sieben Menschen starben, darunter ein Mädchen. Rund 20 weitere wurden nach Angaben der Polizei verletzt. Aus Angst vor Nachbeben verbrachten viele Einwohner die Nacht in ihren Autos. Rund 200 Menschen wurden in einer Kaserne untergebracht.

Derweil suchten Einsatzkräfte der Bergrettung in Petrinja und mehr als 80 angrenzenden Dörfern weiter nach möglichen Verschütteten. Die Nacht über sei niemand in den Trümmern entdeckt worden, sagte Bergrettungschef Josip Granic.

29. Dezember: Mehrere Tote befürchtet, starke Schäden

Ein starkes Erdbeben hat am Dienstag das Zentrum Kroatiens erschüttert und große Schäden an Häusern und anderen Gebäuden in einer Stadt südöstlich der Hauptstadt verursacht.

Ersten Berichten zufolge verursachte das Beben große Schäden, indem es Dächer, Gebäudefassaden und sogar einige ganze Gebäude zum Einsturz brachte.

Der kroatische Staatssender „HRT“ berichtete, dass in Petrinja, einer Stadt südöstlich der Hauptstadt, die am stärksten von dem Beben betroffen war, ein Mädchen bei dem Beben ums Leben kam. „Das Zentrum von Petrinja, wie es einmal war, existiert nicht mehr“, sagte der staatliche Sender. „Ein Mädchen ist gestorben und es gibt Verletzte und Menschen in eingestürzten Gebäuden.“ In Petrinja leben rund 20.000 Menschen.

Petrinjas Bürgermeister Darinko Dumbovic erklärte: „Das ist wie Hiroshima – die Hälfte der Stadt existiert nicht mehr.“ Und: „Die Stadt ist zerstört worden, die Stadt ist nicht mehr bewohnbar“, sagte er. „Wir brauchen Hilfe.“

Dumbovic ergänzte: „Die Stadt ist eine einzige Ruine. Wir retten Menschen, wir retten Leben. Wir haben Tote, wir haben Vermisste, Verletzte… es ist eine Katastrophe.“ Die Behörden seien immer noch dabei, das ganze Ausmaß der Zerstörung zu ermitteln.

Rettungskräfte und Soldaten durchsuchten die Trümmer nach unter den eingestürzten Gebäuden eingeschlossenen Menschen. Um die Krankenhäuser zu entlasten, würden Corona-Patienten in andere Städte verlegt, erklärte Gesundheitsminister Vili Beros.

Hilfe der kroatischen Regierung, Militär im Einsatz

Der kroatische Ministerpräsident Andrej Plenkovic und weitere Minister der Regierung trafen nach dem Erdbeben in Petrinja ein. Der Regierungschef kündigte an, Container nach Petrinja schicken zu lassen. „Wir müssen alternative Unterkünfte finden, hier ist es nicht sicher“, sagte er bei seinem Besuch.

Herabgefallene Ziegelsteine und Staub verunreinigten die Straßen, und viele Häuser wurden vollständig zerstört. Das kroatische Militär war in Petrinja im Einsatz, um bei der Rettungsaktion zu helfen.

Kroatische Medien berichteten, dass Menschen durch das Beben verletzt wurden, konnten aber aufgrund des Durcheinanders und der unterbrochenen Telefonverbindungen zunächst nicht sagen, wie viele.

Die EU sicherte dem Mitgliedstaat Kroatien ihre Unterstützung nach dem „verheerenden Erdbeben“ zu. Das EU-Katastrophenschutzteam sei „bereit, nach Kroatien zu reisen, sobald es die Situation erlaubt“, schrieb EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen im Onlinedienst Twitter. EU-Ratspräsident Charles Michel erklärte, „unsere Gedanken sind bei den Verletzten und den Rettungskräften“.

Seismologe: „Extrem stark“

Der kroatische Seismologe Kresimir Kuk beschrieb das Erdbeben als „extrem stark“, weit stärker als ein anderes, das Zagreb und nahe gelegene Gebiete im Frühjahr traf. Er warnte die Menschen, sich von möglicherweise wackeligen, alten Gebäuden fernzuhalten und wegen der Nachbeben in die neueren Gebiete der Stadt zu ziehen.

In der Hauptstadt rannten die Menschen aus Angst auf die Straßen und in die Parks. Berichten zufolge verließen viele Zagreb und ignorierten ein Reiseverbot, das wegen des Ausbruchs des Coronavirus verhängt worden war.

Die US-Erdbebenwarte USGS gab die Stärke des Bebens mit 6,4 an. Das europäische Seismologische Zentrum EMSC hatte die Stärke des Bebens zunächst mit 6,2 angegeben. Das Beben war im ganzen Land und in den Nachbarländern Serbien, Bosnien und Slowenien zu spüren. Es war sogar bis nach Graz im Süden Österreichs zu spüren, berichtete die Austria Presse Agentur.

Slowenien schaltet Atomkraftwerk ab

Nach dem Erdbeben wurde im benachbarten Slowenien das Atomkraftwerk Krsko abgeschaltet. Es handele sich um eine Vorsichtsmaßnahme, sagte eine Sprecherin der Anlage am Dienstag. Krsko ist das einzige slowenische Atomkraftwerk und liegt rund hundert Kilometer östlich der Hauptstadt Ljubljana. Der 700-Megawatt-Reaktor wurde während der jugoslawischen Ära gebaut und 1983 in Betrieb genommen.

Das Atomkraftwerk Krsko gehört Slowenien und Kroatien gemeinsam. Es liefert 20 Prozent des in Slowenien benötigten Stroms und deckt 15 Prozent des Bedarfs von Kroatien ab. Die Regierungen in Ljubljana und Zagreb beschlossen 2015, das Atomkraftwerk noch zwei Jahrzehnte weiter zu betreiben.

(afp/ks)



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