Nicht genehmigte Demo gegen Corona-Maßnahmen in Österreich.Foto: ALEX HALADA/AFP via Getty Images

Österreich: Ein Fünftel der Teilnehmer an Corona-Protesten hatte Grüne gewählt

Von 5. August 2021 Aktualisiert: 5. August 2021 10:51
Eine Studie der „Forschungswerkstatt Corona-Proteste“ hat Motive und Hintergründe der Teilnehmer an Corona-Protesten in Österreich erforscht. Das Ergebnis war ähnlich wie jenes in Deutschland: Die Bewegung ist sehr heterogen.

Im Rahmen eines Online-Surveys zu Beginn des Jahres 2021 hat die „Forschungswerkstatt Corona-Proteste“ mit Forschern der Universität Wien und der Sigmund Freud PrivatUniversität Mitglieder von Telegram-Gruppen befragt, die Gegnerschaft zu den Corona-Maßnahmen der Regierung in Österreich zum Gegenstand hatten.

Die überraschende Erkenntnis: Die Teilnehmer von Corona-Protesten kamen aus unterschiedlichen politischen Lagern – und sogar jeweils 20 Prozent der Befragten erklärten, bei der Nationalratswahl 2019 die Regierungsparteien ÖVP und Grüne gewählt zu haben.

Dreimal so viele Selbstständige wie in Österreich insgesamt

Die Umfrage, deren Detailergebnisse die Forscher auch online publiziert hatten, verfolgte das Ziel, die im Kontext der Corona-Proteste aufgekommenen Bewegungen und die Einstellungen und Motive der Protestierenden zu analysieren. Der Altersdurchschnitt der Befragten war dabei der erste Faktor, der einen Querschnitt erkennen ließ, wie er auch weitgehend jenem der Bevölkerung insgesamt entspreche – er lag unter allen Befragten bei 48,2 Jahren.

Allerdings waren unter den Antworten solche von Frauen und von Personen mit deutlich höherem Bildungsabschluss als in der Gesamtbevölkerung in überdurchschnittlichem Maße vertreten. Ein Überhang gegenüber dem Bevölkerungsdurchschnitt ergab sich auch hinsichtlich der selbstständig oder freiberuflich Beschäftigten, der mit 33,1 Prozent fast dreimal so hoch gewesen sei wie unter allen Österreichern. Insgesamt 60,2 Prozent der Befragten ordneten sich der unteren oder oberen Mittelschicht zu.

Grünes Sentiment zu Wissenschaft und medizinischer Forschung

Für 54,1 Prozent waren die Proteste gegen die Corona-Maßnahmen mehr oder minder die ersten, an denen sie sich beteiligt hätten. Mit 78,6 Prozent der Befragten hielt eine deutliche Mehrheit der Befragten das Coronavirus nicht für gefährlicher als eine schwere Grippe, jeweils mehr als 90 Prozent vertraten die Auffassung, dass die wirtschaftlichen und psychosozialen Folgen der Maßnahmen schwerer sein würden als die des Virus selbst.

Mit 99,6 Prozent warfen nahezu alle Beteiligten der Politik vor, im Zusammenhang mit Corona ohne Not Angst zu schüren, das generelle Misstrauen gegenüber Medien, Politik, Parteien, Parlamenten oder der EU war ebenfalls deutlich über der 80-Prozent-Marke angesiedelt. Mehr als 97 Prozent warfen der Regierung vor, diese würde die Bevölkerung in der Corona-Politik „bevormunden“.

Zustimmungsraten in der Größenordnung zwischen 68 und 77 Prozent verzeichneten Auffassungen wie jene, dass die natürlichen Selbstheilungskräfte ausreichten, um mit Corona fertig zu werden, sowie Forderungen nach Gleichstellung von Alternativ- und Schulmedizin, „mehr spirituelles und ganzheitliches Denken in der Gesellschaft“ oder „Impfkritik“. Explizite Verschwörungserzählungen erzielten etwas geringere Zustimmungsraten.

Protest-Teilnehmer wollen kaum noch etablierte Parteien wählen

Ein Großteil der Befragten fühle sich eigenen Angaben zufolge angesichts der Situation wütend (84,7 Prozent), beunruhigt (83,3 Prozent), besorgt (88 Prozent) oder frustriert (76,8 Prozent). Mehr als die Hälfte gibt zudem an, sich überwiegend machtlos (58,1 Prozent) und den Behörden ausgeliefert zu fühlen (54,2 Prozent).

Die Coronakrise und vor allem die mediale und politische Reaktion auf die Proteste haben nach Angaben der Befragten einen Wandel im Wahlverhalten bewirkt. Während nur 30 Prozent der Befragten bei der vergangenen Nationalratswahl die FPÖ gewählt hätten, wollten dies künftig 56,7 Prozent tun. Das Potenzial könnte sogar noch höher sein, denn 33,4 Prozent erklärten, in jedem Fall nicht mehr die etablierten Parteien, sondern „Sonstige“ wählen zu wollen.

Die Ergebnisse der österreichischen Analyse weisen einige interessante Parallelen zu jenen eines Forschungsprojekts zum Thema „Politische Soziologie der Corona-Proteste“ für Deutschland auf, die der Soziologe Oliver Nachtwey von der Universität Basel und seine Kollegen Robert Schäfer und Dr. Nadine Frei im Vorjahr durchgeführt hatten.

Parallelen zu Deutschlands Bewegung gegen Corona-Maßnahmen

Dort hatten von allen Befragten 21 Prozent bei der Bundestagswahl 2017 nach eigenen Angaben die Grünen gewählt und 17 Prozent die Linkspartei. Das war deutlich mehr, als beide Parteien zusammen in der Gesamtbevölkerung an Rückhalt aufwiesen. Die AfD kam nur auf 14 Prozent.

Auch hier schien die Reaktion von Politik und Medien auf die Corona-Proteste jedoch eine signifikante Wanderungsbewegung auszulösen. Der Studie zufolge wollen bei den bevorstehenden Bundestagswahlen bereits 30 Prozent der befragten Corona-Maßnahmengegner die AfD wählen.

Als Erfolgsgarantie erwies sich das Aufgreifen von „Querdenker“-Themen für diese bei den bisherigen Wahlen in Summe jedoch nicht: Sowohl in Baden-Württemberg als auch in Rheinland-Pfalz hatte die Partei Einbußen zu beklagen, weil mehr Wähler von 2016 zu anderen Parteien wechselten oder nicht mehr zur Wahl gingen als „Querdenker“ dazukamen.



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