Schöner spielen mit SPATZ in Frankfurt am Main

Von 24. Juli 2013 Aktualisiert: 24. Juli 2013 13:43

Spielplätze wie Kinder sie sich wünschen – gibt es in Frankfurt an vielen Stellen. Seit 20 Jahren können Mädchen und Jungen bei der Gestaltung öffentlicher Plätze mitbestimmen und mithelfen, dank SPATZ, der Spielplatzaktion des Kinderbüros, des Grünflächenamts und des Vereins Discorso.

„Mama, wir bleiben. Ich will betonieren!“ „Ich war nachmittags auf der Baustelle und habe gemauert, Steine getragen, mit dem Presslufthammer gearbeitet, geschnitzt und gebuddelt.“ Sätze wie diese sagen Kinder, die auf einem SPATZ-Spielplatz zugange sind. Überall in Frankfurt gibt es sie – gekennzeichnet mit dem gelben Vogel auf der blauen Schippe. SPATZ-Spielplätze sind anders als andere Spielplätze. Hier geht es um mehr als Sandkuchen backen, rutschen oder wippen. Es geht ums Mitmachen, ums Handwerken, um Mitbestimmung. Und es geht darum, den Kindern zu zeigen was Demokratie ist.

Kinder sind die wahren Experten

Spielplätze von Kindern für Kinder – das ist SPATZ, die Spielplatzaktion, die in ihrer Form einmalig ist in Deutschland. „Kinder sind die wahren Experten in Sachen Spielplatz“, sagt Bildungsdezernentin Sarah Sorge. „Sie haben sehr genaue Vorstellungen davon, in welcher Umgebung und auf welchen Geräten Spiele und Bewegung Spaß machen. Kinder in die Planung von Spielplätzen einzubeziehen ist daher eine logische Konsequenz – und das Credo in allen Phasen von SPATZ. Kinder, Eltern und alle Helfer erfahren dabei, wie viel Arbeit dahinter steckt, bis ein neuer Spielplatz fertig ist.“

Organisiert wird die Spielplatzaktion vom Frankfurter Kinderbüro gemeinsam mit dem Grünflächenamt und dem Verein Discorso. Vor 20 Jahren wurde sie ins Leben gerufen. Und das wird gefeiert – am Samstag, 24. August, 14 bis 18 Uhr, mit einem großen Familienfest auf dem Spielplatz in der Eschenheimer Anlage, Nähe Petersplatz. Anfang der 1990er Jahre besann man sich auf das Kinder- und Jugendhilfegesetz, in dem festgeschrieben steht, dass Kinder eine Stimme haben – und die soll auch gehört werden. Deutschlandweit wurden die ersten Anlaufstellen für Kinder und ihre Anliegen eröffnet, in Frankfurt das Kinderbüro in der Leipziger Straße, das heute in der Schleiermacherstraße beheimatet ist. Hier sollen die kleinen Frankfurter sagen, wie sie sich ihre Stadt vorstellen und wie sie sie gestalten würden. Weil die Kinder nicht ins Büro kamen, um ihre Wünsche zu äußern, schickte man zu Beginn Mitarbeiter in die Stadtteile und fragte dort – was wünscht ihr euch? Was möchtet ihr verändern? Die häufigste Antwort: Wir wollen schönere Spielplätze.

Mitmachen – ein ganz gewöhnlicher Prozess

Diese Spielplätze, dachte man sich im Kinderbüro, können die Kinder selbst planen und auch beim Bau sollen sie mithelfen. Nicht im Alleingang natürlich, sondern mit professioneller Unterstützung. Eine Idee, die zur gleichen Zeit auch Anne Lamberjohann und zwei ihrer Freundinnen hatten. Im Jahr 1991 gründeten die drei Frauen den Verein Discorso mit dem Ziel, öffentliche Räume gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen zu gestalten. Für Anne Lamberjohann, die in einer Kleinstadt aufgewachsen ist, ein ganz gewöhnlicher Prozess – „in meiner Kindheit war es normal, dass Kinder überall dabei sind, wo etwas passiert.“

Geheimnisvoller Urwald statt Lotterspielplatz

So kamen im Jahr 1992 das Kinderbüro und Discorso zusammen, 1995 wurde dann eine Rahmenvereinbarung zwischen den beiden Partnern und dem Grünflächenamt geschlossen. Die besagt: Wenn Spielplätze erneuert werden, dann gern mit Beteiligung der Kinder, die diesen Ort nutzen. Praktisch sieht das so aus: Das Grünflächenamt schlägt Spielplätze vor, die eine Überholung nötig haben. Die Kinder, Eltern, Kindertageseinrichtungen, Kinderbeauftragten oder Schulen aus den Stadtteilen wenden sich ans Kinderbüro. Oder die Kinder melden sich selbst. Ein Kind aus der Preungesheimer Karl-Kirchner-Siedlung sagte vor ein paar Jahren zu Anne Lamberjohann: „Du willst einen schlimmen Spielplatz sehen? Dann komm uns mal besuchen.“ Gesagt, besucht: Aus dem verlotterten Spielplatz wurde mithilfe der Kinder aus der Siedlung und Jugendlichen, die für ein internationales Workcamp in Frankfurt zu Gast waren, zu einer geheimnisvollen Urwaldwelt. Der auch heute noch in Schuss ist – Kinder, die ihren Spielplatz selbst bauen, gehen auch pfleglicher mit ihm um.

Erst abstimmen, dann bauen

Rutschen, Schaukeln, Wippen stehen auch heute ganz oben auf der Hitliste der Kinder. Seilbahnen auch – aber die lassen sich nicht auf jedem Gelände verwirklichen. Vor Ort wird besprochen, wie der Spielplatz der Zukunft aussehen soll. Die Kinder malen Bilder oder bauen Modelle. „Natürlich wünschen sie sich auch Schwimmbecken oder Autoscooter“, sagt Anne Lamberjohann. „Wir fragen sie dann, wie sie sich das vorstellen – ein Schwimmbad braucht eine Aufsichtsperson und ein Autoscooter auch.“ Kein Vorschlag wird abgeschmettert – „das geht nicht“ werden die Kinder vom Discorso-Team nicht hören. Stattdessen werden sie zum Nachdenken aufgefordert. Ein Schwimmbad ist toll, klar. Aber kann man die Idee wirklich umsetzen? Gibt es einen anderen Wunsch, der beinahe genauso toll ist und sich einfacher realisieren lässt? Anhand von Aufgaben wie diesen – gemeinsam nachdenken, diskutieren, sich entscheiden – lernen Kinder Demokratie. Und wenn bei den Diskussionen herauskommt, dass es unbedingt die Tunnelrutsche sein muss, die zwar den Großteil des Budgets frisst, zu der es aus Sicht der Kinder aber absolut keine Alternative gibt – „dann bauen wir die Tunnelrutsche“, sagt Anne Lamberjohann.

Mit Geduld und Spucke

Vier Angestellte hat Discorso, dazu ein Netzwerk aus Künstlern und Handwerkern, die gemeinsam mit den Kindern zur Tat schreiten. Ist klar, wie der neue Spielplatz aussehen soll und hat das Grünflächenamt den Plänen zugestimmt, dürfen die Kinder hämmern, sägen, betonieren, schleifen, malen. „Anfangs haben komplette Schulklassen eine ganze Woche auf unseren Baustellen mitgearbeitet“, erzählt Anne Lamberjohann. Inzwischen sind es mehrheitlich Kinder aus der Nachbarschaft oder aus den Kindertageseinrichtungen, die regelmäßig oder nach Lust und Laune vorbeischauen.

Immer wieder erlebt das Discorso-Team rührende Geschichten. Die von dem Jungen, der als schwieriger Schüler galt, und in jeder Pause und immer nach Schulschluss auf den Spielplatz stürmte, um anzupacken. Oder die von den Kindern, die gar nicht mehr weg wollten von der Baustelle, darüber ihr Mittagessen vergaßen, woraufhin die Handwerker ihr Pausenbrot mit ihnen teilten. Anne Lamberjohann ist auch nach so vielen Jahren oft überrascht, mit wie viel Geduld und Offenheit das Spielplatzteam mit den Kindern umgeht. „Es kann ja auch anstrengend sein, ein Kind neben sich zu haben, das in einem fort plappert“, sagt sie und lacht.

Kaum ein Spielplatz gleicht dem anderen

Über 500 Spielplätze in städtischer Hand gibt es in Frankfurt. Rund 100 davon hat Discorso mit Frankfurts Kindern gebaut oder neu gestaltet. Zurzeit wird am Frankfurter Berg und in Fechenheim gebuddelt, gesägt, gemalt, gemauert. Kaum ein Spielplatz gleicht dem anderen – es gibt das Takatukaland, die Drachenburg, den Wikinger- und die Piratenspielplätze, den Spielplatz der Wilden Kerle. Auch das gehört zur Idee von „SPATZ“ – die Kinder denken sich für ihren Spielplatz eine Geschichte aus nach der er gestaltet wird. Das schafft Individualität. „Ohne SPATZ“, sagt Anne Lamberjohann, „wären Frankfurts Spielplätze nicht so bunt und weniger vielfältig.“

Mit freundlicher Genehmigung der „Stadt Frankfurt am Main“



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