Tomas Petricek, tschechischer Außenminister.Foto: RADEK MICA/AFP via Getty Images

Taiwan-Besuch: Prag erwartet nach Drohungen Pekings eine Erklärung

Von 31. August 2020 Aktualisiert: 31. August 2020 19:00
Der tschechische Senatspräsident Miloš Vystrčil hält sich derzeit zusammen mit einer 90-Mann Delegation in Taiwan auf - ganz zum Ärger Pekings.

Der tschechische Außenminister Tomas Petricek sagte am 31. August, er werde den chinesischen Gesandten des Landes vorladen, nachdem Chinas Außenminister Wang Yi Drohungen gegen einen tschechischen Beamten ausgesprochen hatte, der derzeit Taiwan besucht.

Milos Vystrcil, Präsident des tschechischen Senats, traf am Sonntag in Taiwan ein und führte eine 89-köpfige Delegation an. Dieser gehörten Wirtschaftsführer, mehrere Senatoren, Wissenschaftler, Journalisten und der Prager Bürgermeister Zdeněk Hřib an.

Vystrcils Reise nach Taiwan hat den Zorn Pekings auf sich gezogen, da es die Insel als Teil seines Territoriums betrachtet und Worte oder Taten ausländischer Regierungsvertreter ablehnt, die den Status Taiwans in der internationalen Gemeinschaft stärken könnten. Taiwan ist eine selbstverwaltete Insel mit eigenen demokratisch gewählten Regierungsvertretern, eigenem Militär und eigener Währung.

 

Kürzlich erst kritisierte Peking den US-Gesundheits- und Sozialminister Alex Azar, als er Taiwan Anfang August besuchte.

Wang, der am Montag in Deutschland sprach, sagte, Vystrcil werde „einen hohen Preis“ für seine offizielle Reise nach Taiwan zahlen, so die chinesischen staatlichen Medien. Er fügte hinzu, Taiwan sei ein „untrennbarer Teil Chinas“, und der Besuch sei eine „Provokation“.

Prag erwartet Erklärung

Als Reaktion auf Wangs Drohungen sagte Petricek am Montag vor Reportern in Prag: „Ich erwarte, dass die chinesische Seite diese Worte erklärt“, so die AFP.

Petricek fügte hinzu: „Natürlich hat die Reise Auswirkungen auf unsere Beziehungen zu China, aber ich denke, dass dies zu weit gegangen ist“.

Vor der Ankunft Vystrcils in Taiwan gab die chinesische Botschaft in der Tschechischen Republik am Samstag eine Erklärung ab, in der Vystrcil beschuldigt wurde, mit seiner Reise nach Taiwan „politisches Kalkül“ zu betreiben. Weiter hieß es darin, die Reise stelle eine „schwere Verletzung der inneren Angelegenheiten Chinas“ dar und forderte die Tschechische Republik auf, sich an das „Ein-China-Prinzip“ zu halten.

Chinas staatliche Medien, die Global Times, äußerten in einem am Sonntag veröffentlichten Leitartikel ebenfalls harte Worte für Vystrcil und nannten ihn einen „politischen Hooligan“, der „die diplomatische Zivilisation übertrumpfe“.

Gemeinsamer Nenner zwischen Taiwan und Tschechien

Am Montagnachmittag hielt Vystrcil eine Rede an Taiwans Nationaler Chengchi-Universität, in der er die demokratischen Länder zur gegenseitigen Unterstützung aufrief. Er sagte auch, der „wichtigste gemeinsame Nenner“ zwischen den Menschen in Taiwan und der Tschechischen Republik sei, dass sie sich alle dafür entschieden, frei und demokratisch zu leben.

Nach seiner Rede hielt Vystrcil eine Pressekonferenz ab und wurde zu Wangs Beschuldigung befragt.

Vystrcil antwortete daraufhin, dass jeder in seiner Delegation seine eigene Entscheidung über den Besuch Taiwans traf und dass sie alle glaubten, dass es richtig war, nach Taiwan zu kommen. Er fügte hinzu, dass der Besuch kurzfristig vielleicht keine Vorteile mit sich bringe, aber langfristig werde die Reise fruchtbar sein.

Am Morgen wurde Vystrcil Zeuge der Unterzeichnung von drei Absichtserklärungen, in denen die beiden Staaten in Bereichen wie künstliche Intelligenz, Internet der Dinge (IoT), intelligente Fertigung und Medizin zusammenarbeiten werden.

Vystrcil und seine Delegation werden bis zum 4. September in Taiwan bleiben. Vor seiner Abreise soll Vystrcil mit dem taiwanesischen Präsidenten Tsai Ing-wen zusammentreffen und an einem Forum teilnehmen, das laut lokalen Medien vom American Institute in Taiwan (AIT), der De-facto-U.S.-Botschaft auf der Insel, ausgerichtet wird.

Das Original erschien in The Epoch Times USA unter dem Titel: Beijing’s Threats Against Czech Senator Visiting Taiwan Draws Rebuke From Czech Republic (Deutsche Bearbeitung nmc)



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