„Was jetzt im Westen passiert, hatte Russland schon 1917 erlebt“

Von 24. Oktober 2021 Aktualisiert: 25. Oktober 2021 11:10
In seiner Rede vor dem 18. Jahresforum des Valdai-Diskussionsklubs in Sotschi hat Russlands Präsident Putin scharfe Kritik an der progressiven Agenda, die im Westen die Debatte dominiert, geübt. Putin sieht Parallelen zur Kulturrevolution der Bolschewiken im 20. Jahrhundert.

Der Präsident der Russischen Föderation, Wladimir Putin, hat in einer Rede am Donnerstag, 21. Oktober, vor dem 18. Valdai-Diskussionsforum in Sotschi scharfe Kritik an linksradikalen Tendenzen geübt, die sich in der westlichen Welt ausbreiteten. Die dahinterstehende Ideologie bewirke gesellschaftliche Verwerfungen im gesamten Westen und unterscheide sich nicht von Gesellschaftsexperimenten, die in Russland im Zuge der bolschewistischen Oktoberrevolution 1917 stattgefunden hätten.

Putin spricht von „Agonie“ in westlichen Gesellschaften

Das US-Magazin „Daily Wire“ hat die wesentlichen Aussagen des russischen Staatschefs vor dem von ihm selbst ins Leben gerufene internationalen Debattenforum zusammengefasst und ein Video dokumentiert, das auf die offizielle Website der Regierung der Russischen Föderation hochgeladen wurde.

„Wir beobachten mit Verwunderung die Agonie, die sich in Ländern ausbreitet, die sich daran gewöhnt haben, sich selbst als Flaggschiffe des Fortschritts zu betrachten“, äußerte der russische Präsident in seiner mehrstündigen Rede. In welche Richtung sich die westlichen Gesellschaften bewegten, müssten diese mit sich selbst ausmachen und ginge Russland nichts an.

Dennoch sei es aus Sicht der Mehrheit der russischen Bevölkerung naheliegend, die sozialen und kulturellen Erschütterungen in einigen Ländern des Westens in einen Zusammenhang mit der gesellschaftspolitischen Agenda in der öffentlichen Debatte dominanter Einflüsse zu bringen:

„Einige glauben, dass die aggressive Auslöschung ganzer Seiten der eigenen Geschichte, gesetzliche Zwangsmaßnahmen zur vermeintlichen Gleichstellung von Minderheiten und die Forderung, auf die traditionelle Interpretation solcher Grundwerte wie Mutter, Vater, Familie und die Unterscheidung zwischen den Geschlechtern zu verzichten, ein Meilenstein sind […], eine Erneuerung der Gesellschaft.“

Die westlichen Nationen, so Putin, hätten das Recht, zu tun, was sie wollten, „die überwältigende Mehrheit der russischen Gesellschaft“ lehne diese neuen Denkweisen jedoch ab.

Russland sei mit der entsprechenden Ideologie vertraut

Es sei nicht neu, so Putin, dass selbsternannte Anwälte des „gesellschaftlichen Fortschritts“ entschlossen seien, der Menschheit ein neues Bewusstsein anzuerziehen. Die Rezepte, derer sie sich dabei bedienten, seien nicht neu. Den Russen seien sie nur allzu vertraut:

„So paradox es klingen mag, aber das haben wir in Russland gesehen. Das ist in unserem Land schon einmal passiert, nach der Revolution von 1917, als die Bolschewiki den Dogmen von Marx und Engels folgten. Und sie erklärten auch, dass sie die traditionelle Lebensweise, die politische und wirtschaftliche Lebensweise sowie den Begriff der Moral selbst, die Grundprinzipien einer gesunden Gesellschaft, verändern würden. Sie versuchten, jahrhundertealte Werte zu zerstören, sie stellten die Beziehungen zwischen den Menschen infrage, sie ermutigten dazu, dies auch mit Blick auf die eigenen Partner und Familien zu tun. Dies wurde als der Marsch des Fortschritts gefeiert. Und das war in der ganzen Welt sehr populär und wurde von vielen unterstützt, und wie wir sehen, geschieht das gerade auch jetzt.“

Putin: „Cancel-Kultur schafft das Gegenteil dessen, was schwarze Bürgerrechtler wollten“

Nicht zuletzt die absolute Intoleranz der Bolschewiki gegenüber allen Meinungen, die von der eigenen abwichen, sollte Menschen zu denken geben, warnte Putin.

Zudem hätte sich der Kampf für Gleichheit und gegen Diskriminierung in einen „aggressiven Dogmatismus am Rande der Absurdität verwandelt, wenn große Autoren der Vergangenheit wie Shakespeare nicht mehr an Schulen und Universitäten gelehrt werden, weil sie als rückständige Klassiker verkündet wurden, die die Bedeutung von Geschlecht oder Rasse nicht verstanden haben“.

Putin kritisierte zudem die in Hollywood jüngst eingeführten Regeln bezüglich der Besetzung von Rollen gemäß einer Reihe von „woken“ Vorgaben bezüglich Hautfarbe und Geschlecht. Diese seien „manchmal sogar noch strenger und strikter als das, was die Abteilung für Propaganda des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion tat“.

Und so sehr der Kampf gegen den Rassismus ein hehres Ziel sei, würden Cancel-Kultur und umgekehrte Diskriminierung die Menschen erst recht wieder auseinanderbringen. Dies sei auch das genau Gegenteil wahrer Werte wie jener, für die Bürgerrechtler wie Martin Luther King eingetreten seien, deren Ziel es gewesen sei, die Unterschiede zu beseitigen.

„Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ im Namen des Fortschritts

Die Bolschewiki, so erinnerte Putin, hätten davon gesprochen, „nicht nur das Eigentum zu verstaatlichen, sondern auch die Frauen“. Heute komme dazu, dass auch noch Begriffe wie Vater und Mutter durch „Elternteil eins und zwei“ oder Muttermilch durch „Menschenmilch“ ersetzt würden, damit „die Menschen, die sich ihrer sexuellen Agenda nicht sicher sind, nicht unglücklich sind“.

Auch das „Neusprech“ sei in den 1920er- und 1930er-Jahren bereits eine Spezialität der Bolschewiki gewesen, die meinten, dass sie damit „ein neues Bewusstsein aufbauen und neue Werte schaffen würden, und sie gingen so weit, dass wir die Folgen bis heute spüren“.

Es sei „ungeheuerlich“, so Putin, wenn man Kindern von klein auf suggeriere, dass ein Geschlechterwechsel eine ganz einfache Entscheidung sei, die sie selbst auch ohne Einbindung der Eltern treffen könnten:

„Man schiebt die Eltern beiseite und zwingt das Kind, diese Entscheidung zu treffen, die sein Leben zerstören kann. Und wenn wir das Kind beim Namen nennen, dann ist das fast ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, und das alles unter dem Banner des Fortschritts, während manche Leute genau das tun wollen.“



Gerne können Sie EPOCH TIMES auch durch Ihre Spende unterstützen:

Jetzt spenden!


Unsere Buchempfehlung

Alle Völker der Welt kennen den Teufel aus ihren Geschichten und Legenden, Traditionen und Religionen. Auch in der modernen Zeit führt er – verborgen oder offen – auf jedem erdenklichen Gebiet seinen Kampf gegen die Menschheit: Religion, Familie, Politik, Wirtschaft, Finanzen, Militär, Bildung, Kunst, Kultur, Medien, Unterhaltung, soziale Angelegenheiten und internationale Beziehungen.

Er verdirbt die Jugend und formt sich eine neue, noch leichter beeinflussbare Generation. Er fördert Massenbewegungen, Aufstände und Revolutionen, destabilisiert Länder und führt sie in Krisen. Er heftet sich - einer zehrenden Krankheit gleich - an die staatlichen Organe und die Gesellschaft und verschwendet ihre Ressourcen für seine Zwecke.

In ihrer Verzweiflung greifen die Menschen dann zum erstbesten „Retter“, der im Mantel bestimmter Ideologien erscheint, wie Kommunismus und Sozialismus, Liberalismus und Feminismus, bis hin zur Globalisierungsbewegung. Grenzenloses Glück und Freiheit für alle werden versprochen. Der Köder ist allzu verlockend. Doch der Weg führt in die Dunkelheit und die Falle ist bereits aufgestellt. Hier mehr zum Buch.

Jetzt bestellen - Das dreibändige Buch ist sofort erhältlich zum Sonderpreis von 50,50 Euro im Epoch Times Online Shop

Das dreibändige Buch „Wie der Teufel die Welt beherrscht“ untersucht auf insgesamt 1008 Seiten historische Trends und die Entwicklung von Jahrhunderten aus einer neuen Perspektive. Es analysiert, wie der Teufel unsere Welt in verschiedenen Masken und mit raffinierten Mitteln besetzt und manipuliert hat.

Gebundenes Buch: Alle 3 Bände für 50,50 Euro (kostenloser Versand innerhalb Deutschlands); Hörbuch und E-Book: 43,- Euro.

Weitere Bestellmöglichkeiten: Bei Amazon oder direkt beim Verlag der Epoch Times – Tel.: +49 (0)30 26395312, E-Mail: [email protected]

Kommentare
Liebe Leser,

vielen Dank, dass Sie unseren Kommentar-Bereich nutzen.

Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen, Schimpfworte, aggressive Formulierungen und Werbe-Links. Solche Kommentare werden wir nicht veröffentlichen. Viele Kommentare waren bisher schon anregend und auf die Themen bezogen. Wir bitten Sie um eine Qualität, die den Artikeln entspricht, so haben wir alle etwas davon.

Da wir die juristische Verantwortung für jeden veröffentlichten Kommentar tragen müssen, geben wir Kommentare erst nach einer Prüfung frei. Je nach Aufkommen kann es deswegen zu zeitlichen Verzögerungen kommen.

Die Kommentarfunktion wird immer weiter entwickelt. Wir freuen uns über Ihr konstruktives Feedback, sollten Sie zusätzliche Funktionalitäten wünschen an [email protected]


Ihre Epoch Times - Redaktion