Französische Gendarmen sichern das Gebiet um die Basilika Notre-Dame de l'Assomption in Nizza am 31. Oktober 2020, zwei Tage nachdem ein Messerangreifer in der Kirche der Stadt an der französischen Riviera drei Menschen getötet hat.Foto: VALERY HACHE/AFP über Getty Images

Weiterer möglicher Komplize nach Anschlag in Nizza in Gewahrsam

Epoch Times31. Oktober 2020

Nach dem mutmaßlich islamistisch motivierten Anschlag von Nizza mit drei Toten ermittelt die Polizei gegen mögliche Komplizen des Täters. Wie am Samstag aus französischen Justizkreisen verlautete, wurde inzwischen ein dritter möglicher Helfer in Gewahrsam genommen. Der 33-Jährige habe sich während der Durchsuchung bei einem anderen Verdächtigen in dessen Wohnung aufgehalten. „Wir versuchen, seine Rolle in dem Ganzen zu klären“, hieß es aus Justizkreisen.

Die Polizei hatte zuvor bereits einen 47-Jährigen und einen 35-Jährigen festgenommen, die verdächtigt werden, kurz vor dem Anschlag mit dem mutmaßlichen Attentäter in Kontakt gewesen zu sein. Wie Aufnahmen von Überwachungskameras zeigten, hatte sich der 47-Jährige am Tag vor der Tat mit dem mutmaßlichen Täter getroffen.

Angreifer kam von Tunesien über Italien nach Frankreich

Der Angreifer war bei seiner Festnahme mehrfach von der Polizei angeschossen worden und liegt derzeit schwer verletzt im Krankenhaus. Er hatte am Donnerstagmorgen in der Basilika Notre-Dame den 55-jährigen Küster und eine 60-jährige Frau mit einem 30 Zentimeter langen Messer getötet. Eine ebenfalls angegriffene 44-jährige Brasilianerin konnte aus der Kirche fliehen, erlag dann aber in einem Restaurant ihren Stichwunden.

Bei dem mutmaßlichen Täter handelt es sich nach Angaben der Ermittler um einen 21-jährigen Tunesier namens Brahim Issaoui. Nach derzeitigem Ermittlungsstand traf er erst einen oder zwei Tage vor der Tat in Frankreich ein, er war über Italien ins Land gekommen.

Der Angreifer soll während der Tat mehrfach „Allahu Akbar“ (Gott ist groß) gerufen haben. Wegen seiner schweren Verletzungen konnte er bislang nicht vernommen werden. In Frankreich ermittelt die Anti-Terror-Staatsanwaltschaft in dem Fall. Auch die Behörden in Tunesien eröffneten eine Untersuchung.

In seiner Tasche fanden die Ermittler zwei weitere Messer, zwei Handys sowie einen Koran. Die Polizei ermittelt derzeit insbesondere, wie er an die beiden Telefone gelangte. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Angreifer noch viel mehr Menschen töten wollte. Sie ermittelt wegen Mordes im Zusammenhang „mit einer terroristischen Tat“.

Tatverdächtiger wegen Gewalt- und Drogendelikten vorbestraft

In Tunesien ist Issaoui nach Angaben der dortigen Justiz wegen Gewalt- und Drogendelikten vorbestraft, war aber offenbar nicht als radikaler Muslim polizeibekannt. Der junge Mann stammt aus einer kinderreichen Familie in der tunesischen Küstenstadt Sfax. Nach Angaben seiner Familie hatte er sich in den vergangenen zwei Jahren zunehmend isoliert und war religiös geworden.

Seine Mutter sagte der Nachrichtenagentur AFP, Brahim habe Mofas repariert, um Geld zu verdienen. Seit zweieinhalb Jahren habe er viel gebetet. „Er ging nicht aus und sprach nicht mit den anderen“, berichtete sie.

Laut Frankreichs Innenminister Gérald Darmanin stand Issaoui „auf keiner unserer Überwachungslisten, weder auf der französischen noch auf der europäischen.“ Der Minister erklärte am Freitag, Frankreich befinde sich „im Krieg mit dem islamistischen Extremismus“.

Französischer Innenminister kündigt Einsatz von mehr Beamten auf den Straßen an

Darmanin kündigte zudem an, tausende zusätzliche Einsatzkräfte auf die Straße zu schicken. Demnach werden 3.500 Reservepolizisten mobilisiert, damit insgesamt 7.000 Sicherheitskräfte den örtlichen Behörden zur Verfügung stehen. Insbesondere Schulen und Kirchen sollen besser geschützt werden.

Das französische Außenministerium warnte seine Bürger nach der Tat von Nizza vor weltweiten Anschlägen. „Die Bedrohung ist überall“, sagte Außenminister Jean-Yves Le Drian am Freitag nach einer Sitzung des Sicherheitskabinetts. Dem Anschlag vorausgegangen waren massive Drohungen und Proteste gegen Frankreich in muslimischen Ländern. (afp)



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