Wer randalierte in den Niederlanden? Notstandsdekret und Warnung vor Bürgerkrieg nach Unruhen

Von 26. Januar 2021 Aktualisiert: 26. Januar 2021 17:50
Seit Verhängung der nächtlichen Ausgangssperren in den Niederlanden kam es zu landesweiten Unruhen. Chaoten plündern Geschäfte, zünden Autos an und greifen die Polizei mit Steinen und Feuerwerk an. Was hinter den gewalttätigen Ausschreitungen steckt oder ob diese zufällig in zahlreichen Städten begannen, ist noch unklar.

In den niederländischen Großstädten Amsterdam und Rotterdam sowie in anderen Orten kam es am Montag, wie schon am Sonntag, zu schweren Ausschreitungen aus Anlass der nächtlichen Corona-Ausgangssperren. Nach Angaben von „De Telegraaf“ wurden insgesamt 300 Personen festgenommen.

Warnung vor Bürgerkrieg

Eindhovens konservativer Bürgermeister John Jorritsma (Volkspartei für Freiheit und Demokratie) erklärte laut „Tagesschau“: „Wenn wir so weiter machen, sind wir auf dem Weg zu einem Bürgerkrieg.“ Die Leute sind gekommen, um Krawall zu machen und die Polizei zu attackieren, nicht um zu demonstrieren, so der Bürgermeister.

In Eindhoven habe die Polizei Hunderte Demonstranten mit Tränengas auseinandergetrieben, berichtete der Regionalsender Omroep Brabant nach Angaben der„Berliner Zeitung“. Brennende Fahrzeuge, geplünderte Geschäfte am Hauptbahnhof – Bürgermeister Jorritsma forderte den Einsatz der Armee.

Warnschuss und Notstandsdekret in Rotterdam

In der Hafenstadt Rotterdam schlugen Randalierer Schaufenster ein, demolierten Bushaltestellen, legten Brände und plünderten Geschäfte. Autos brannten in den Straßen der nach Amsterdam zweitgrößten Stadt des Landes. Die Polizei wurde mit Steinen und Feuerwerk angegriffen. Die Sicherheitskräfte setzten laut dem öffentlich-rechtlichen Sender „NOS“ einen Wasserwerfer ein, um die Menge auseinanderzutreiben.

Rotterdams sozialdemokratischer Bürgermeister Ahmed Aboutaleb (Partij van de Arbeid) erließ ein Notstandsdekret mit erweiterten Vollmachten für Festnahmen.

Wie die „Bild“ schreibt, wurde nach Angaben von „De Telegraaf“ an einem Mediamarkt von der Polizei sogar ein Warnschuss abgegeben, als die Einsatzkräfte von einem Mob bedrängt wurden. In der Hafenstadt wurden rund 70 Personen festgenommen, so Polizeiangaben, schreibt das Blatt. Ein Mann von der Polizeigewerkschaft NPB habe in einer TV-Sendung gesagt, dass sie so viel Gewalt in Rotterdam seit 40 Jahren nicht mehr erlebt hätten.

Landesweit Ausschreitungen: Wer war auf den Straßen?

Nach Angaben der überregionalen niederländischen Tageszeitung „Trouw“ aus Amsterdam brach in mindestens fünfzehn Gemeinden die Gewalt aus und führte zu Zusammenstößen mit der Polizei. Eine Vielzahl von Gruppen war auf unterschiedliche Weise beteiligt.

In Eindhoven und Amsterdam seien die Dinge nach angekündigten Demonstrationen außer Kontrolle geraten, aber in anderen Städten schienen die Unruhen spontan um die Einführung der Ausgangssperre herum aufzutreten.

Arjen Boin, Professor für öffentliche Institutionen und öffentliche Verwaltung an der Universiteit Leiden, verwies auf ein „Phänomen“: „Anscheinend gibt es Gruppen, die diesen Grund nutzen, um organisierte Gewalt anzuwenden.“ Boin sagte, es gebe einen Unterschied zwischen den Unruhen an kleineren Orten wie in Urk und der organisierten Straßengewalt in Städten wie Eindhoven.

Laut Tom Postmes, Professor für Sozialpsychologie an der University of Groningen, müsse man genau hinschauen, welche Gruppen auf der Straße seien: „Die kleinen Bastarde, die gerne die Polizei verärgern, mischen sich unter Demonstranten, die gegen Corona-Maßnahmen protestieren.“

Laut Postmes könnten lokale Unruhen am Samstagabend eine Inspiration für andere gewesen sein, die einen Tag später mit Unruhen begannen. Das könnte sich in den kommenden Tagen wiederholen, so der Experte.

Die „Tagesschau“ und eine Reihe deutscher Medien schreiben, dass die Polizei der Niederlande in ersten Analysen davon ausgehe, „dass unterschiedliche Gruppierungen sich an der Gewalt beteiligt hatten. Dazu würden Corona-Leugner, Fußball-Hooligans und Neonazis gehören, so die ARD-Nachrichtensendung.

Ausschreitungen gab es neben Amsterdam und Rotterdam auch in Alkmaar, Arnheim, Helmond, Amersfoort, ’s-Hertogenbosch (Den Bosch), Den Haag, Geleen und Haarlem. In Geleen schleuderten randalierende junge Leute Feuerwerkskörper, wie die örtliche Polizei mitteilte.

In Den Bosch zogen Horden schwarz gekleideter Vermummter durch die Straßen, plünderten Geschäfte und demolierten wahllos Autos.

Pressefotograf von Pflasterstein getroffen

In Haarlem wurde solchen Aufnahmen zufolge ein Pressefotograf aus einer Gruppe heraus aus nächster Nähe mit einem Stein am Kopf verletzt.

Laut „Bild“ habe die Polizei gegen Mitternacht die Lage weitgehend wieder unter Kontrolle gehabt. Polizeichef Willem Woelders sagte demnach im TV: „Wir stellen fest, dass es im größten Teil der Niederlande wieder ruhig ist.“

Erste Ausgangssperre seit Zweitem Weltkrieg

Die erste Ausgangssperre in den Niederlanden seit dem Zweiten Weltkrieg begann am vergangenen Samstag und soll zunächst bis zum 9. Februar andauern. Sie beginnt täglich um 21 Uhr und endet um 4.30 Uhr. Verstöße werden mit einem Bußgeld von 95 Euro geahndet.

Die Ausgangssperre wurde mit dem Kampf gegen eine besonders ansteckende Coronavirus-Variante begründet, die zuerst in England festgestellt worden war.

Ausschreitungen und Plünderungen am Sonntag

In mehreren niederländischen Städten war es bereits am Sonntag zu Ausschreitungen und Plünderungen gekommen. Dabei wurde auch ein Coronavirus-Testzentrum von Jugendlichen in Brand gesteckt.

Die Polizei nahm am ersten Tag der Ausschreitungen laut Medienberichten rund 250 Menschen fest. Ministerpräsident Mark Rutte verurteilte die Randale und sprach von „krimineller Gewalt“.

Lockdown bis 9. Februar verlängert

Mitte Januar hatte die Regierung in Den Haag bereits den Lockdown bis zum 9. Februar verlängert.

Schulen, Restaurants und die meisten Geschäfte sind geschlossen. Zudem darf sich nicht mehr als ein Gast bei einem anderen Haushalt aufhalten. Ausnahmen: zur Arbeit begeben, Beerdigungen und Gassigehen mit Hunden.

Mit Material von AFP



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