Wuhan-Lab: Ein Hochsicherheitslabor mit der Sicherheitsstufe einer Zahnarztpraxis

Die Gain-of-Function-Experimente mit Coronaviren am Wuhan Institute of Virology wurde in weniger sicheren BSL-2-Labors durchgeführt. Doch auch in höher gesicherten Laboren kommen Unfälle vor.
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Eine Luftaufnahme zeigt das P4-Labor vom „Wuhan Institute of Virology“ in Wuhan in der chinesischen Zentralprovinz Hubei.Foto: HECTOR RETAMAL/AFP über Getty Images
Von und 25. Dezember 2021
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Weltweit forschen Wissenschaftler an Coronaviren. Insbesondere seit Beginn der Corona-Pandemie ist die Suche nach Antworten in der Krise groß. Ein kürzlicher Vorfall in einem taiwanischen Labor wirft nun ein neues Licht auf die Forschung mit Coronaviren in Wuhan, dem Ursprungsort der Corona-Pandemie. Am 9. Dezember 2021 gab Chen Shih-chung, der Leiter des taiwanischen Zentralen Epidemie-Kommandozentrums (CECC) bekannt, dass eine Forschungsassistentin in Taipeh bei Experimenten im Labor positiv auf die Delta-Variante von COVID-19 getestet wurde.

Berichten zufolge wurde die Forscherin Mitte Oktober und Ende November jeweils von einer mit Corona infizierten Maus gebissen. Nach dem zweiten Fall traten körperliche Symptome auf. Nach der vorläufigen Bewertung des CECC stimmt die im Labor vorgefundene Variante mit derjenigen überein, die sich die Frau zugezogen hat. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Frau ihre Infektion am Arbeitsplatz, dem Genomics Research Center der Academia Sinica, zugezogen hat, sei hoch, da es „keine bestätigten Infektionen in der Bevölkerung“ gebe.

Wuhan-Lab: Sicherheitsstufe einer Zahnarztpraxis

Bei dem Fall in Taiwan handelt es sich um ein BSL-3-Labor, ein Hochsicherheitslabor. In diesem sind persönliche Schutzausrüstung, Biosicherheitskabinen, ein kontinuierlicher gerichteter Luftstrom ohne Rezirkulation sowie selbstschließende und verriegelte Türen vorgeschrieben. Im Gegensatz dazu wurden Gain-of-Function-Experimente mit Coronaviren am Wuhan Institute of Virology in weit weniger sicheren BSL-2-Labors durchgeführt, gab das Institut zu.

Der Biologe Richard Ebright von der Rutgers University erklärte, dass BSL-2 die biologische Schutzstufe einer US-Zahnarztpraxis (d. h. verschließbare Tür, abgeschirmte Fenster, Sterilisator, Kittel und Handschuhe) ist. Ebright sagte der Financial Times: „Wenn Arbeit [am Coronavirus] stattfand, hätte sie definitiv nicht in BSL-2 stattfinden dürfen.“

Die Nutzung von BSL-2-Labors für Gain-of-Function-Experimente durch das Wuhan Institute of Virology wurde von vielen Wissenschaftlern heftig kritisiert. Michael Lin, Bioingenieur an der Stanford University, erklärte gegenüber MIT Technology Review, dass die Zulassung der Arbeit an potenziell gefährlichen Fledermausviren in BSL-2-Laboren „ein echter Skandal“ sei.

Ein prominenter und früher Verfechter der These vom natürlichen Ursprung, der Virologe Ian Lipkin von der Columbia University, änderte seine Meinung über den Ursprung des Virus, nachdem das Wuhan-Institut zugegeben hatte, dass es seine Coronavirus-Experimente in einem BSL-2-Labor durchgeführt hat. „Das hätte nicht passieren dürfen“, so Lipkin. „Man sollte nicht in BSL-2-Labors mit Fledermausviren experimentieren.“ Lipkin hält nun ein Laborleck für eine brauchbare Theorie.

Laborlecks häufiger als gedacht

Der Fall in Taiwan wirft neue Fragen darüber auf, wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, dass ein Labor Ursprung der Pandemie ist. Undichte Stellen in Labors sind also nicht so selten wie gedacht.

Der frühere Leiter der US-Arzneimittelbehörde FDA, Scott Gottlieb, erklärte, dass „Lecks in Laboren ständig vorkommen“. In einem Interview mit Face the Nation im Mai 2021 legte Gottlieb dar, dass die letzten sechs bekannten Ausbrüche von SARS-1 in China aus Labors kamen. Dazu gehöre auch der letzte bekannte Ausbruch, der ein ziemlich umfangreicher Ausbruch gewesen sei. China habe „zunächst nicht bekannt geben wollen, dass er aus einem Labor kam.“ Er sei erst durch einige Journalisten bekannt geworden, die den Ausbruch zu einem Labor zurückverfolgen konnten.

Obwohl es zu viele Vorfälle von Laborlecks gibt, um sie hier aufzulisten, ist ein Ereignis besonders relevant – der Laborunfall in der chinesischen Stadt Lanzhou im November 2019. Damals infizierten sich fast 200 Mitarbeiter des Veterinärmedizinischen Forschungsinstituts der Stadt mit Brucellose, auch bekannt als Mittelmeerfieber. In der Folge erkrankten Berichten nach auch Tausende Einwohner von Lanzhou.

Die Behörden der Kommunistischen Partei Chinas (KPC) bestritten, dass das Forschungsinstitut dafür verantwortlich war, und schoben den Ausbruch auf verschmutzte Abgase aus einer pharmazeutischen Anlage, die angeblich durch den Wind in das Forschungsinstitut getragen wurden. Selbst wenn die Version der KPC zuträfe, wäre es ironischerweise ein Laborunfall gewesen.

Der Ausbruch in Lanzhou, der sich fast zeitgleich mit dem Ausbruch in Wuhan ereignete, hätte für jeden, der sich mit der Herkunft von COVID-19 befasst, sofort die Alarmglocken läuten lassen müssen. Doch der Ausbruch in Lanzhou wurde von den Medien weitgehend ignoriert. Der Vorfall unterstreicht nicht nur, dass Laborunfälle mit beunruhigender Regelmäßigkeit passieren, sondern auch, dass die KPC sie in der Vergangenheit gerne vertuscht hat.

Fragwürdige Untersuchungen der WHO

Obwohl der ursprüngliche Bericht der Weltgesundheitsorganisation über den Ursprung des Ausbruchs feststellte, dass ein Leck in einem Labor äußerst unwahrscheinlich sei, erklärte der leitende Ermittler dieses Berichts, Peter Ben Embarek, gegenüber einem dänischen Dokumentarfilmteam, dass die Laborlecktheorie wahrscheinlich sei. Er vermutete, dass ein chinesischer Forscher bei der Entnahme von Proben im Zusammenhang mit Forschungsarbeiten in einem Labor in Wuhan von einer Fledermaus infiziert worden sein könnte.

Embarek räumte auch ein, dass es eine Absprache zwischen dem Untersuchungsteam der WHO und seinen chinesischen Kollegen gegeben habe. Die Theorie der undichten Stellen im Labor durfte im Abschlussbericht der WHO unter der Bedingung erwähnt werden, dass der Bericht keine spezifischen Studien zur Vertiefung der Hypothese empfiehlt.

Vertuschung in der Sowjetunion

Ein historisches Ereignis, das auf unheimliche Weise an die Untersuchung des Ursprungs von COVID-19 durch die Weltgesundheitsorganisation WHO erinnert, ereignete sich vor mehr als 40 Jahren. Nachdem 1979 Milzbrandsporen aus einem Labor in der Sowjetunion entwichen waren und zahlreiche Menschen töteten, vertuschten die sowjetischen Behörden den Ursprung des Ausbruchs und behaupteten, er stamme von kontaminiertem Fleisch.

Auf internationalen Druck durfte der Molekularbiologe Matthew Meselson von der Harvard University in die Sowjetunion reisen, um den Ausbruch zu untersuchen. Nach seiner Rückkehr veröffentlichte er einen Bericht, der die sowjetische Version der Ereignisse bestätigte und behauptete, der Ausbruch sei in einem kontaminierten Fleischverarbeitungsbetrieb ausgebrochen.

Meselson erklärte, diese Erklärung sei „plausibel und stimme mit dem überein, was aus der medizinischen Literatur und den Erfahrungen der Menschen mit Milzbrand bekannt ist“. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion wurde 1992 schließlich aufgedeckt, dass der Ausbruch tatsächlich von einer militärischen Forschungseinrichtung ausgegangen war.

Unzureichende Sicherheitsvorkehrungen

Nach Ansicht von Richard Ebright, unterstreichen die früheren Lecks, dass es „äußerst plausibel ist“, dass ein Laborarbeiter in Wuhan, der mit Sars-verwandten Coronaviren hantierte, die Pandemie ausgelöst hat.

Aber auch um die Sicherheit des Labors in Wuhan selbst scheint es nicht gut bestellt gewesen zu sein.

Im Jahr 2019 schrieb Yuan Zhiming, der stellvertretende Direktor des Wuhan Institute of Virology, einen Bericht über die zahlreichen Sicherheitsmängel in Chinas zahlreichen Labors. Er stellte fest, dass „mehrere hochrangige BSL-Labore über unzureichende Betriebsmittel für routinemäßige, aber lebenswichtige Prozesse verfügen“ und bemerkte, dass viele der chinesischen BSL-3-Labore „mit extrem minimalen Betriebskosten oder in einigen Fällen überhaupt nicht betrieben werden.“

Nur ein Jahr zuvor, im Jahr 2018, besuchten Beamte der US-Botschaft das Wuhan Institute of Virology und warnten das Außenministerium vor „unzureichenden Sicherheitsvorkehrungen in dem Labor, das riskante Studien über Coronaviren von Fledermäusen durchführte.“ Sie berichteten auch, dass es am Wuhan Institute of Virology an geschultem Personal mangelte.



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