Vertriebene afghanische Familien, die wegen der Kämpfe zwischen Taliban und afghanischen Sicherheitskräften aus den Provinzen Kundus und Takhar geflohen sind, sitzen am 10. August 2021 im Shahr-e-Naw-Park in Kabul.Foto: WAKIL KOHSAR/AFP via Getty Images

Zehntausende fliehen innerhalb Afghanistans vor den Taliban

Epoch Times10. August 2021 Aktualisiert: 10. August 2021 16:54

Der Vormarsch der radikalislamischen Taliban hat innerhalb Afghanistans zehntausende Menschen in die Flucht getrieben. Familien flohen aus den kürzlich von der Miliz eroberten Städten in die Hauptstadt Kabul und weitere Großstädte, viele berichteten vom brutalen Vorgehen der Islamisten. In Doha berieten am Dienstag nach Angaben eines AFP-Reporters Vertreter der internationalen Gemeinschaft über die Lage, unter ihnen der US-Sondergesandte Zalmay Khalilzad.

Die radikalislamischen Taliban haben seit Freitag sechs der 34 afghanischen Provinzhauptstädte erobert – fünf davon im Norden des Landes. Seit dem Beginn des Abzugs der internationalen Truppen im Mai hat die Miliz bereits weite Teile des Landes eingenommen. Ihr größter militärischer Erfolg war die Einnahme der strategisch wichtigen Stadt Kundus, die lange Zeit Bundeswehrstandort war.

Um drei weitere Hauptstädte im Norden wurde heftig gekämpft. In der Nacht zum Dienstag gab es Gefechte am Stadtrand von Masar-i-Scharif, Pol-e-Chomri und Faisabad, die Taliban wurden nach Angaben des Verteidigungsministeriums aber zurückgeschlagen. Auch in der im Westen gelegenen Stadt Farah wurden sie nach Polizeiangaben zurückgedrängt.

Sollten die Taliban auch die wirtschaftlich bedeutsame Stadt Masar-i-Scharif, Hauptstadt der Provinz Balch, einnehmen, wäre dies ein harter Schlag für die Regierung. Damit würde Kabul die Kontrolle über den Norden des Landes endgültig verlieren.

Die Binnenflüchtlinge in Afghanistan berichteten vom brutalen Umgang der Islamisten mit der Bevölkerung. „Die Taliban prügeln und plündern“, erzählte Rahima, die nach der Flucht aus der Provinz Scheberghan gemeinsam mit hunderten weiteren Flüchtlingen in einem Park von Kabul campierte. „Wenn es in einer Familie ein junges Mädchen oder eine Witwe gibt, nehmen sie sie mit Gewalt. Wir sind geflohen, um unsere Ehre zu schützen.“

Farid, ein Flüchtling aus Kundus, sagte: „Wir sind so erschöpft.“ In Kundus, das die Taliban am Wochenende eingenommen hatten, öffneten am Dienstag laut Bewohnern die ersten Geschäfte wieder.

Die Miliz konzentriert sich demnach derzeit auf Regierungsstreitkräfte, die sich am Flughafen zurückgezogen hatten. „Die Menschen öffnen ihre Läden und Geschäfte wieder, aber man kann immer noch die Angst in ihren Augen sehen“, sagte der Ladenbesitzer Habibullah.

Die Taliban hatten während ihrer Herrschaft von 1996 bis 2001 eine strenge Auslegung des islamischen Rechts in Afghanistan eingeführt. Mädchen waren von Bildung, Frauen vom Arbeitsleben ausgeschlossen. Straftaten wurden mit öffentlichen Auspeitschungen oder Hinrichtungen geahndet.

In der katarischen Hauptstadt Doha berieten am Dienstag Vertreter von Katar, aus den USA, aus China, Großbritannien, Usbekistan, Pakistan, der UNO und der EU über die Lage in Afghanistan. Regierungsvertreter aus Kabul wurden ebenfalls erwartet. Am Mittwoch sollen die Gespräche fortgesetzt werden.

Das US-Außenministerium hatte am Montag erklärt, „ein Frieden auf dem Verhandlungswege ist der einzige Weg zur Beendigung des Krieges“. Allerdings erklärte Pentagon-Sprecher John Kirby auch, es liege in der Hand der afghanischen Regierung und des Militärs, das Blatt zu wenden. Es gebe „nicht viel“, was die USA tun könnten.

Der Friedensprozess für Afghanistan war im September in Katar angestoßen worden. Die Gespräche zwischen der afghanischen Regierung und den Taliban sind jedoch ins Stocken geraten.

In Laschkar Gah, Kandahar, Herat und Kundus sind nach UN-Angaben innerhalb eines Monats mindestens 183 Zivilisten getötet und 1181 weitere verletzt worden. UN-Menschenrechtskommissarin Michelle Bachelet forderte am Dienstag ein Ende der Kämpfe, „um weiteres Blutvergießen zu vermeiden“. Bachelet berichtete von möglichen Kriegsverbrechen im Zuge des Konflikts in Afghanistan. (afp)



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