„Zeit, dass ihr geht“: In der Türkei wächst die Ablehnung gegen Einwanderer

In der Türkei nimmt die Aufnahmebereitschaft von syrischen Flüchtlingen und arabischen Migranten ab. Die Opposition hat dieses Thema für sich entdeckt. Die Lage ist angespannt.
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Flüchtlinge und Migranten in der Türkei, die nach Europa wollen.Foto: Burak Kara/Getty Images
Epoch Times3. August 2021

In der Türkei nehmen Überfremdungsängste zu. In den sozialen Netzwerken und auf den Straßen macht sich dieser Umstand bereits bemerkbar. Es kommt zu Übergriffen. Flüchtlingen, Migranten, Arabern und superreichen Zuwanderern schlägt Feindseligkeit entgegen.

Lokalen Medienberichten zufolge, leben in der 16-Millionen-Stadt Istanbul etwa zwei Millionen Araber, davon sind die Hälfte Syrer. Dass sich das Klima bezüglich Einwanderer in der Türkei verschlechtert, bestätigt ein ägyptischer Stuntman, der für verschiedene türkische TV-Serien arbeitet. Abdelbari Mancy erzählt „Arab News“, dass er in Istanbul zusammengeschlagen wurde, weil man ihn für einen syrischen Flüchtling gehalten hat.

Dieser Vorfall war offenbar kein Einzelfall. „Das war nicht das erste Mal, dass ein Araber mit einem Syrer verwechselt wurde“, sagt Omar Kadkoy, ein Experte für Flüchtlingsfragen gegenüber dem „Focus“.

Unmut macht sich breit

Die Toleranz vieler Türken scheint an ihre Grenzen gestoßen zu sein. Im Netz wird dem Unmut mit allerlei Bildern, feindseligen Karikaturen und Sprüchen Ausdruck verliehen. Unter dem Hashtag #GitmeVaktinizGeldi (Zeit, dass ihr geht) machen sich aufgebrachte Bürger Luft.

In einem Tweet ist ein Bild zu sehen, unter dem steht: „Links die vor Assad flüchten, rechts türkische Staatsbürger“:

In Deutschland scheinen sich einige über den Unmut der Türken zu amüsieren. In einem Tweet heißt es etwa: „Die Türkei bekommt die gleichen Probleme wie wir…“.

Reiche Ausländer kaufen sich türkische Pässe

In der Grenzprovinz Hatay sei es inzwischen so weit gekommen, dass sich „Syrer als Herren fühlen“ und Türken aufforderten, die Gegend zu verlassen, beklagt Hüsamettin Cindoruk, ein ehemaliger Parlamentspräsident und Mitglied der Demokrat Parti.

Cindoruk ist der Meinung, dass das größte Terrorismusproblem der Türkei die Einwanderer seien. Der Flüchtlingszustrom aus Syrien und jüngst aus Afghanistan müsse dringend gesetzlich geregelt werden, fordert er. „Die Türkei ist zu einer offenen Zone geworden“, sagte der Oppositionelle gegenüber „Sozcu.com“.

Die Abneigung gegen Ausländer richtet sich offenbar nicht nur gegen die vielen Flüchtlinge und Migranten aus den Krisengebieten, sondern auch gegen reiche Einwanderer aus dem Nahen-Osten. Es wird berichtet, dass sich reiche Zuwanderer samt Familien mit einer Investition von 250.000 US-Dollar die türkische Staatsbürgerschaft erkaufen können. Die Käufer stammten hauptsächlich aus dem Iran, Irak und aus Saudi-Arabien, berichtet der „Tagesspiegel“.

Demnach fühlen sich alteingesessene Istanbuler wie Fremde in der eigenen Stadt: Reiche Araber würden die Uferpromenade und die wichtigen Einkaufsstraßen mit ihren Geschäften dominieren.

Die massenhafte Zuwanderung in die Türkei ist der Politik des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan geschuldet.

„Schicksalsfrage“ für die Türkei

Wegen der kippenden Stimmung im Land fordert die Oppositionspartei Cumhuriyet Halk Partisi (CHP) die Rückführung der Flüchtlinge in deren Heimat. Kemal Kilicdaroglu, der Vorsitzende der Oppositionsfraktion, spricht in Bezug auf die Masseneinwanderung sogar von einer „Schicksalsfrage“ für das Land.

Sein Parteifreund und Bürgermeister der Stadt Bolu, Tanju Özcan, will Ausländer mit hohen Sondergebühren für Wasser und Abwasser vertreiben; es reiche nicht nur städtische Hilfen zu streichen oder Geschäftsgründungen zu verweigern. „Sie sollen verschwinden“, wird der Lokalpolitiker zitiert. (nw)



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