Zum Ritual geworden: Kinder feiern ihre Genesung mit einer Ballonfahrt

Es ist manchmal ein Wunder, einen Heißluftballon zu sehen. Vor allem von einem Krankenbett aus. Auf Kinder, die längere Zeit im Budapester Kinderkrankenhaus bleiben mussten, wartet künftig eine Überraschung.
Titelbild
Kinder und Jugendliche warten darauf, im Fesselballon der Budapester Városliget in die Luft zu steigen.Foto: MTI / Szigetváry Zsolt
Von 14. Juli 2023

Wenn ein Kind ins Krankenhaus kommt, ist das immer schwierig. Es ist eine große Tortur für den kleinen Patienten, genauso für die Familie. Vor allem, wenn schwerkranke Kinder eine lange Zeit von zu Hause weg sind.

In solchen Fällen ist die Genesung in hohem Maße von der mentalen Stärke des medizinischen Personals abhängig, um die Hoffnung des Kindes am Leben zu erhalten. Ob Krankenhausclowns, Therapiehund, bunte Wandbilder oder Plüschtiere auf dem Infusionsbeutel. Eine Klinik in Budapest hat etwas Neues gefunden: einen Heißluftballon, den die Kinder von ihrem Krankenhausfenster aus bewundern können.

Seit Mai letzten Jahres steigt regelmäßig am Mimóza-Hügel ein Fesselballon 150 Meter in die Luft – und kann von den Fenstern des Kinderkrankenhauses gesehen werden. Die Mitarbeiter des Hospitals bemerkten, wie beeindruckt die Kinder davon sind. Daraufhin riefen sie ein Projekt mit dem Titel „Auf Wiedersehen Bethesda Krankenhaus, ich bin geheilt!“ ins Leben.

Dabei handelt es sich um eine Gratis-Ballonfahrt, mit der sich die Kinder, die lange im Krankenhaus behandelt wurden, von diesem verabschieden können. Die ersten zwei Monate des Projekts waren ein voller Erfolg, berichtete Regierungssprecherin Alexandra Szentkirályi in einem Videobeitrag Ende Juni. Sie nutzte eine der Ballonfahrten für ein Treffen mit einem älteren Jungen namens Vince – er kann nach zwei Knieoperationen und einer langen Genesungszeit nun endlich wieder ins Fußballtraining einsteigen.

1.000 Kinder begrüßen jedes Jahr ihre Genesung mit einer Ballonfahrt

Kinder, die länger als zwei Wochen in Behandlung waren, können durch das Projekt in Begleitung eines Elternteils oder einer Betreuungsperson von der Ballonplattform des Stadtparks in die Lüfte steigen. Es wird mit 1.000 Kindern pro Jahr gerechnet, berichtet „Bethesda“. Das Projekt wird sowohl vom Parkbetreiber Liget Budapest Projekt als auch vom Ballonunternehmen BalloonFly begeistert unterstützt.

Das Bethesda Kinderkrankenhaus, das von einer Kirche betrieben wird, behandelt durchschnittlich 12.000 Kinder pro Jahr in seinen stationären Abteilungen und 160.000 Kinder in den Ambulanzen.

Auf der Website des Krankenhauses heißt es: „Die Freude über die Genesung, über die Rückkehr nach Hause, ist nicht immer klar. Rituale, Verabschiedung, die Rückkehr in die reale Welt sind für die psychische Heilung der Kinder sehr wichtig. Mit dem Ballonfahren wollen wir eine neue Tradition der Hoffnung schaffen.“

Kleiner Patient: „Den Ballon vom Fenster aus zu beobachten, brachte mich immer zum Lächeln.“

Zu den ersten Reisenden gehörte ein Mädchen, das 105 lange Tage auf der Brandverletzten-Intensivstation im Bethesda verbrachte. Sie war überglücklich, nach mehr als drei Monaten im Krankenhaus nach Hause zu können und sprach offen darüber, dass es für sie nicht leicht war, in ihr normales Umfeld zurückzukehren.

Das Krankenhaus zu verlassen, sagte sie, „war seltsam, denn ich hatte ja meine Tagesordnung im Krankenhaus, ich wusste, wann die Physiotherapeuten kamen, und die netten Krankenschwestern und Ärzte kamen immer, um nach mir zu sehen“. Als sie schließlich nach Hause zurückkehren durfte, wurde sie erst so richtig damit konfrontiert, dass sie ihre schweren Verbrennungen tatsächlich überlebt hatte. Während des langen Aufenthalts beobachtete das Kind oft den Ballon durch die Fenster: „Wenn ich den Ballon sah, musste ich immer lächeln und daran denken, was man von dort oben alles sehen kann.“

Klára Korzenszky, klinische Psychologin am Kinderkrankenhaus, betonte die Bedeutung des Programms. Die „Übergangsriten, die mit wichtigen Veränderungen im menschlichen Leben verbunden sind“, würden dringend benötigt, um Krisensituationen, die durch plötzliche Veränderungen ausgelöst werden, zu entschärfen.

„Wir möchten eine Tradition des gemeinsamen Ballonfahrens als Ritual schaffen, um die genesenen Kinder zu verabschieden und sie auf ihrer Reise zurück in ihr normales Leben zu begleiten“, schreibt die Psychologin auf dem Blog des Krankenhauses.

120-jährige Tradition wiederbelebt

Mit dem Fesselballon kehrt eine vor mehr als 120 Jahren beliebte Luftattraktion in den Park „Városliget“ ins Zentrum von Budapest zurück. Balázs Nagy, Vorsitzender von BalloonFly, welche die Ballonfahrten betreiben, stellte fest: „Fast unmittelbar nach den ersten Fahrten ist es zu einem neuen, fröhlichen Symbol Budapests geworden, das sowohl von den Einwohnern Budapests als auch von den Touristen, die unser Land besuchen, begrüßt wird.“

Nagy betonte auch, dass bereits mehr als zwei Millionen Besucher in die Lüfte gestiegen sind. Allein sein bloßer Anblick zaubere den Menschen schon ein Lächeln ins Gesicht. „Wir freuen uns riesig, dass wir dank unserer Zusammenarbeit diese positive Energie nun für die Genesung von Kindern einsetzen können.“



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