"Flüchtlingsbürgen" sind Menschen, die sich gegenüber der Ausländerbehörde verpflichtet haben, die Lebenshaltungskosten für einen Flüchtling zu übernehmen.Foto: Swen Pförtner/dpa

Asylbewerberzahl steigt so gering wie 2011 – 243.000 Personen ohne Schutzstatus in Deutschland

Epoch Times14. Juli 2021 Aktualisiert: 14. Juli 2021 15:57

Die Zahl der Asylbewerber in Deutschland ist im vergangenen Jahr in so geringem Maß gestiegen wie seit fast zehn Jahren nicht mehr. Wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte, waren 2020 rund 1,86 Millionen Menschen im sogenannten Ausländerzentralregister (AZR) registriert, die sich bei ihrem Aufenthalt in der Bundesrepublik auf völkerrechtliche, humanitäre oder politische Gründe beriefen.

Gegenüber dem Vorjahr bedeutete dies einen Zuwachs von etwa 18.000 oder etwa einem Prozent. Das war die niedrigste Steigerung seit 2011, als ein Plus von einem halben Prozent verzeichnet worden war. 2019 hatte sich die Zahl der Asylbewerber gegenüber dem Vorjahr noch um drei Prozent erhöht. Laut Bundesamt ist die Entwicklung wohl auch durch Reisebeschränkungen in der Coronakrise bedingt.

Die Statistik erfasst alle in Deutschland lebenden Menschen, die als Asylbewerber eingestuft werden. Die Zahl der im vergangenen Jahr tatsächlich neu eingereisten Asylbewerber lag demnach bei 68.000. Zugleich verließen 41.000 Asylbewerber das Land wieder, so dass die Nettozuwanderung bei 27.000 lag. Dies war fast ein Viertel weniger als 2019, als die Zahl noch 35.000 betragen hatte.

216.000 Asylbewerber mit offenem Schutzstatus

Dem Bundesamt zufolge kamen knapp 80 Prozent der in der Statistik erfassten Menschen in den Jahren der großen Migrationsbewegungen um 2015 oder bereits davor. 54 Prozent der Asylbewerber erreichten Deutschland zwischen 2014 und 2016. 25 Prozent waren bereits vor 2014 nach Deutschland gekommen. 21 Prozent wurden nach 2016 erstmals im Ausländerzentralregister von den Behörden registriert.

Zu den Asylbewerbern zählten nach Angaben des AZR zum Jahresende 2020 rund 216.000 Personen mit offenem Schutzstatus. Das heißt, über ihren Asylantrag war zu diesem Zeitpunkt noch nicht rechtskräftig entschieden worden. Die Ende 2020 im AZR registrierten Schutzsuchenden mit offenem Schutzstatus kamen am häufigsten aus Afghanistan (36.000), dem Irak (26.000) oder Syrien (23.000).

1,4 Millionen Asylbewerber mit anerkanntem Schutzstatus

Rund 1,4 Millionen Asylbewerber verfügten 2020 über einen humanitären Aufenthaltstitel und damit über einen anerkannten Schutzstatus. Das waren 38.000 mehr als 2019 (+3 %). Rund 63 % der Asylbewerber mit anerkanntem Schutzstatus waren Staatsangehörige von Syrien (583.000), Afghanistan (150.000) oder dem Irak (141.000).

Der Schutzstatus war für die große Mehrheit zeitlich befristet (80 % bzw. 1,1 Millionen Personen). 20 % (281.000 Personen) hatten einen Schutzstatus, der unbefristet war. Die Flüchtlingseigenschaft nach der Genfer Konvention war weiterhin der häufigste Schutztitel unter den anerkannt Schutzsuchenden (45 % beziehungsweise 624.000 Personen).

Der Anteil subsidiär Schutzberechtigter lag bei 17 % (244.000 Personen). Asyl im engeren Sinn als Schutzform für politisch Verfolgte spielte auch Ende 2020 keine bedeutende Rolle: Lediglich 13.000 Personen und damit weniger als 1 % der anerkannt Schutzsuchenden waren tatsächlich Asylberechtigte.

243.000 Asylbewerber mit abgelehntem Schutzstatus

243.000 Asylbewerber waren zum Jahresende 2020 nach einer Ablehnung im Asylverfahren oder nach Verlust ihres Schutzstatus mit abgelehntem Schutzstatus registriert und damit ausreisepflichtig. Das waren 31.000 mehr als Ende 2019 (+14 %). Die große Mehrheit der abgelehnten Asylbewerber war mit einer Duldung im AZR registriert, das heißt die Abschiebung wurde vorübergehend ausgesetzt (86 % bzw. 210.000 Personen).

Die Zahl der Asylbewerber mit Duldung stieg im Vergleich zu 2019 um 31.000 Personen (+17 %). In absoluten Zahlen ist das der größte Anstieg, den das AZR bisher verzeichnete. Dieser Anstieg bei den Duldungen hängt auch damit zusammen, dass Asylbewerber Duldungen erhielten, weil freiwillige Ausreisen oder Abschiebungen aufgrund der Corona-Pandemie nicht oder nur erschwert möglich waren. Abgelehnte Asylbewerber kamen Ende 2020 zumeist aus Afghanistan (31.000), dem Irak (28.000) und Nigeria (15.000). (afp/er)



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