Deutsche Industrie befürchtet Rohstoffknappheit: Im Erzgebirge wird wieder nach Lithium gegraben

Epoch Times26. November 2017 Aktualisiert: 26. November 2017 13:42
Die Deutsche Wirtschaft ist beim Bau von Batterien für E-Autos bisher völlig auf Importe angewiesen. Ab 2019 will eine Freiberger Firma zwischen Zinnwald und Altenberg wieder nach Lithium graben: "Der Claim ist abgesteckt".

Die Industrie warnt bei einem Elektroauto-Boom vor einer massiven Rohstoffknappheit in Deutschland.

„Bei den Rohstoffen, überwiegend Metallen, die man für den Bau von Batterien für Elektroautos benötigt, ist die deutsche Wirtschaft völlig auf Importe angewiesen“, sagte Torsten Brandenburg von der Deutschen Rohstoffagentur der „Welt am Sonntag“.

Lithium-Abbau im Gebiet zwischen Zinnwald und Altenberg: Claim abgesteckt

Im Erzgebirge gab es seit 2012 Überlegungen, erneut eine Förderung aufzunehmen. Im Erzgebirge – der Name sagt es schon – wird schon seit Jahrhunderten Erz abgebaut, darunter Silber, Zinn, Wolfram, Kobalt, Nickel, Wismut und Uran – aber auch Marmor. Kobalt wurde zur Blaufärbung in der Porzellanindustrie (auch in Meißen) benutzt.

Anfang November berichtete die „Freie Presse“ Chemnitz, dass das Sächsische Oberbergamt der Deutschen Lithium GmbH das Bergrecht für ein ca. 250 Hektar großes Gebiet zwischen Zinnwald und Altenberg vergab.

Ab 2019 will eine Freiberger Firma nach Zinnwaldit suchen, was als Lithiumlieferant interessant ist. Prof. Armin Müller, der Geschäftsführer, der mit seiner Firma nach Lithium-Eisen-Glimmer graben will, erklärt: „Der Claim ist abgesteckt“.

Es sollen rund 500.000 Tonnen Gestein pro Jahr auf sechs verschiedenen Ebenen in einer Tiefe von etwa 300 Metern abgebaut werden. Die Lithium-Lagerstätte in Altenberg-Zinnwald im Osterzgebirge gehört zu den größten Europas.

Im Februar 2017 kaufte sich das kanadische Unternehmen Bacanora Minerals für fünf Millionen Euro in das Projekt ein und sicherte sich die Hälfte der Anteile. Bacanora Minerals aus Calgary (Kanada) hat Erfahrungen im Lithiumabbau.

Lithium ist nicht endlos, die Vorräte reichen bis 2020, meint die Wirtschaftswoche

Lithium wird weltweit überwiegend in drei Ländern Südamerikas gefördert – und zwar von nur vier Anbietern. Die größten Lieferanten von Lithium sind China, Bolivien und Chile.

Auch in Afghanistan werden große Vorkommen des Rohstoffs vermutet. Allerdings ist Lithium nicht endlos, die Vorräte könnten bereits 2020 knapp werden, wie die „Wirtschaftswoche“ schreibt.

Lithium ist zwar eines der häufigsten Elemente auf der Welt, doch es kommt nur in geringen Konzentrationen in Steinen oder Salzen vor. Die Förderung ist aufwendig. Lithium kann auch aus Wasser gewonnen werden, wie aus Chiles Salzseen.

Ohne Kobalt, Graphit, Lithium und Mangan keine Zukunftstechnologie „Made in Germany“

„60 Prozent des global benötigten Kobalts kommen aus dem Kongo, 70 Prozent des Graphits aus China“, sagte Torsten Brandenburg von der Deutschen Rohstoffagentur.

Das Angebot werde dabei nicht nur immer knapper, die Minenbetreiber könnten außerdem die Preise diktieren.

„Die Gefahr von Engpässen bei der Rohstoffversorgung steigt. Denn der Bedarf wächst schneller als die Kapazitäten bei der Förderung“, sagte auch Matthias Wachter, Abteilungsleiter Sicherheit und Rohstoffe beim Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), der Zeitung.

Ohne eine ausreichende Versorgung beispielsweise mit Kobalt, Graphit, Lithium oder Mangan werde es keine Zukunftstechnologien „Made in Germany“ geben.

Deutsche Rohstoffagentur: Besonders kritisch sind Kobalt und Graphit

Bei 53 von der Deutschen Rohstoffagentur untersuchten mineralischen Rohstoffen seien nur zwölf in die Gruppe mit „geringen Beschaffungsrisiken“ eingeordnet. „In allen anderen Fällen gibt es entweder nur wenige Anbieter oder die Rohstoffe werden in Ländern mit erhöhten politischen Risiken gefördert“, sagte Torsten Brandenburg.

Besonders kritisch sei aktuell die Situation bei Kobalt und Graphit, den beiden Treibstoffen für die Batterien der E-Autos. Zwar gebe es auf der Erde reiche Vorkommen, jedoch seien nur wenige Länder bereit, diese Rohstoffe abzubauen – auch weil dies mit erheblichen Umweltbelastungen verbunden sei. (afp/dpa/ks)

 

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