Deutsche Unternehmen bereiten sich auf Rezession vor

Ausgaben reduzieren, Investitionen kürzen – deutsche Unternehmen bereiten sich auf das kommende Jahr vor. Die Situation ist „angespannt“, sagt der Deutschlandchef der Unternehmensberatung Alix Partners.
Deutsche Unternehmen bereiten sich auf Rezession vor
Zahlreiche Firmen haben bereits neue Sparprogramme im dreistelligen Millionen-Euro-Bereich angekündigt.Foto: iStock
Epoch Times21. November 2022

Deutsche Unternehmen bereiten sich entschieden auf die drohende Rezession im Jahr 2023 vor. Sie reduzieren ihre Ausgaben, kürzen Investitionen und bauen neue Liquiditätspolster auf. Das zeigen Recherchen bei Unternehmen und Gespräche mit erfahrenen Restrukturierungsexperten, wie das „Handelsblatt“ am Montag berichtete.

„Die Situation ist insgesamt sehr angespannt und im produzierenden Gewerbe teils dramatisch“, sagt Andreas Rüter, Deutschlandchef der Unternehmensberatung Alix Partners.

Zahlreiche Firmen hätten bereits neue Sparprogramme im dreistelligen Millionen-Euro-Bereich angekündigt, darunter zum Beispiel die Chemiekonzerne BASF und Evonik. Besonders Firmen, die von teurem Gas und Strom abhängig sind, bemühen sich, ihre Kosten zu senken.

Kunststoffhersteller „Covestro“ stoppt neues Werk

Der Leverkusener Kunststoffhersteller „Covestro“ geht ebenfalls auf „Sparflamme“. Der Konzern hat seine Investitionspläne erst mal zurückgestellt. Er hatte geplant, in China oder Amerika ein neues Werk für Hartschaum-Vorprodukte zu bauen. Gut 1,5 Milliarden Euro wollte das Unternehmen in das Projekt investieren. Geplant sei gewesen, dass das Unternehmen bis 2026 in Betrieb gehen sollte. Das Vorhaben sei jetzt erst mal gestoppt, um zu sparen, so das „Handelsblatt“.

„Covestro“-CEO Markus Steilemann sprach in einem Interview mit der „Wirtschaftswoche“ von der „schwersten Krise der Nachkriegszeit“. Da die Folgen der Energiekrise und einer kommenden Rezession für nächstes Jahr nicht absehbar seien, müsse man das Unternehmen darauf einstellen. Für den kommenden Winter sieht er keine Gas-Versorgungsengpässe auf „Covestro“ zukommen: „Wir kaufen 15 Prozent selbst ein. 85 Prozent besorgen wir über Lieferanten, in Form von Elektrizität, Dampf oder aus Gas hergestellten Rohstoffen wie Kohlenmonoxid. Für eine mögliche Gasmangellage haben wir uns sorgfältig vorbereitet.“

Der CEO erklärte, dass sich 25 Prozent der Produktionskapazität des Unternehmens in Deutschland befinden. Diese Anlagen könnte der Konzern noch mit 40 Prozent weniger Gas betreiben. Das wäre für ihn aber das „Worst-Case-Szenario“. Auf die Frage, ob Covestro noch weiterhin Energie einsparen könnte, antwortet Steilemann: „Unser Einsparpotenzial ist weitgehend ausgereizt.“

Aber auch Handelsunternehmen und andere Branchen erwarten eine Rezession und steuern der Krise entgegen. Neben BASF und Evonik wollen auch der Sportartikelhersteller Adidas, der Batteriespezialist Varta und der Industriedienstleister Bilfinger ihre Kosten massiv senken.

Experten erwarten längere Krise

Branchenkenner gingen davon aus, dass die deutsche Wirtschaft noch eine ganze Zeit belastet sein wird. „Wir sprechen hier über eine Krise, die nicht kurzfristig vorübergeht, sondern die wirklich nachhaltig sein wird“, zitiert das „Handelsblatt“ die Einschätzung des Liquiditätsexperten Hans-Joachim Ziems von der Kölner Restrukturierungsberatung Ziems & Partner. „Ich glaube, dass wir uns auf eine Zeit vorbereiten müssen, in der sehr viel Restrukturierung und Sanierung angesagt ist.“ Restrukturierung meint in der Wirtschaft eine grundlegende, auch betriebswirtschaftliche Umstrukturierung.

Viele Unternehmen stünden gleich von mehreren Seiten akut unter Druck, beobachtete auch Sascha Haghani, Leiter des Restrukturierungsgeschäfts bei Roland Berger. Starke Inflation, sinkende Nachfrage und weiter instabile Lieferketten bedrohten die Liquidität der Firmen. Steigende Zinsen wiederum erschwerten die Refinanzierung über Kredite. (il)



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