Ende der Pandemie? – Drosten: „Das wird aufhören – in maximal drei Jahren“

Der Virologe Christian Drosten sagt, Corona werde in absehbarer Zeit zu einem normalen Erkältungsvirus. In maximal drei Jahren werde es vorbei sein. Indes sinkt die Zahl der gemeldeten positiv Getesteten leicht. Noch ist nicht ganz klar, welche Rolle eine Überlastung des Meldewesens dabei spielt. In jeden Fall ist das laut RKI kein Grund zur Entspannung.
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Christian DrostenFoto: über dts Nachrichtenagentur
Epoch Times10. Dezember 2021

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Der Virologe der Berliner Charité Christian Drosten fordert Eltern dringend auf, ihre Kinder impfen zu lassen – und glaubt, dass die Tage von Covid-19 als tödliche Krankheit gezählt seien. In „absehbarer Zeit“ werde Corona zu einem normalen Erkältungsvirus, sagte er am Donnerstag den ARD-Tagesthemen. Es gebe Leute, die sagten „Das hört ja eh nie auf“ – das sei aber „wirklich Unsinn“. Vielmehr sei man „auf dem Weg in einen endemischen Zustand“.

Das Coronavirus werde „zu einem normalen Erkältungsvirus werden“. Er könne zwar nicht versprechen, dass „das im nächsten Jahr schon komplett geschafft wird“, aber: „Das wird aufhören. Wir werden in einen Zustand kommen, wo wir nur noch zum Winter hin auffrischen und wahrscheinlich nicht die ganze Bevölkerung“. Dies werde „in absehbarer Zeit geschehen“. Drosten konkretisierte: „nächstes, übernächstes Jahr, vielleicht in drei Jahren. Aber dann ist es auch vorbei“.

Betreffend der Stiko-Empfehlung zum Impfen von Kindern ab 5 Jahren sagte Drosten, er könne „wirklich nur raten, die Kinder impfen zu lassen“, wegen des Schulbetriebs, aber auch wegen der eigenen Erkrankung und mit einer „Vorsichtsüberlegung“, falls es sich bewahrheiten sollte, dass die Erkrankungen bei Kindern durch die Omikron-Variante des Virus schwerer sind, wie es jetzt in Südafrika gesehen werde.

Am Ende werde es „Ende April, Mai“ bis man womöglich einen angepassten neuen Impfstoff verimpfen können, dessen Entwicklung Biontech angekündigt hat. „Darum ist die Überlegung ganz klar: Jeder, der kann, soll sich jetzt sofort boostern lassen und alle Ungeimpften müssen sich nochmal wieder hinsetzen und ganz genau darüber nachdenken, ob sie das aufrechterhalten wollen“.

Drosten warnte davor, davon auszugehen, dass die Krankheit bei Infektion mit Omikron, wie in einigen Ländern wie Südafrika und den USA beobachtet, auch in Deutschland milder verlaufen werde. Ob „die Krankheitsschwere auch bei uns geringer“ sei, wisse man noch nicht. Die Immunsituation sei „in jedem Land ein bisschen unterschiedlich“. Ihm mache in diesem Zusammenhang Sorgen, dass in Deutschland relativ viele Menschen weder geimpft noch genesen seien. Und diese Gruppen könnten nach bisherigen Erkenntnissen über die Virus-Variante besonders anfällig für schwere Verläufe sein.

RKI rät zu mehr Kontaktbeschränkungen

Unterdessen rät das Robert Koch-Institut (RKI) zu stärkeren Anstrengungen im Kampf gegen die Pandemie, trotz eines leichten Rückgangs der wöchentlich gemeldeten Corona-Fälle.

Die hohe Infektionsgefahr bleibe angesichts der großen Fallzahl weiter bestehen, schreibt das RKI in seinem Wochenbericht vom Donnerstag. In der ersten Dezemberwoche (29. November bis 5. Dezember) sei die Zahl der positiv Getesteten pro 100.000 Einwohner um vier Prozent niedriger gewesen als in der Woche zuvor.

„Der leichte Rückgang der 7-Tage-Inzidenz könnte ein erster Hinweis auf eine sich leicht abschwächende Dynamik im Transmissionsgeschehen aufgrund der intensivierten Maßnahmen zur Kontaktreduzierung sein“, schreibt das RKI. Auch aus anderen Datensystemen kämen vergleichbare Signale. Der Anteil positiv getesteter PCR-Proben habe sich in der Woche nicht weiter erhöht. Das RKI schränkt die Aussagekraft der Daten jedoch nach wie vor ein: „Trotzdem können weiterhin regional überlastete Kapazitäten im Öffentlichen Gesundheitsdienst und regional erschöpfte Laborkapazitäten zu einer Untererfassung von Fällen führen.“

Nur ein Bruchteil auf Omikron untersucht

Von der neuen, als „besorgniserregend“ eingestuften Variante Omikron seien bis 7. Dezember in Deutschland 28 Fälle durch Genomsequenzierung nachgewiesen worden (bis 1. Dezember waren es 4). Bei 36 weiteren Fällen bestehe aufgrund eines spezifischen PCR-Tests der Verdacht darauf. Es ist von wesentlich mehr Fällen auszugehen, denn Labore untersuchen nur einen Bruchteil der positiven Proben auf Varianten.

„Wir gehen davon aus, dass sich Omikron sehr schnell durchsetzen wird“, sagte Christian Karagiannidis, Leiter des Divi-Intensivregisters, den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Freitag). In Deutschland betrage die Verdopplungszeit geschätzt eine Woche. „Das hieße, dass die Fallzahlen um Weihnachten zu steigen beginnen, bereits Ende Januar könnte Omikron die dominierende Variante sein.“

Selbst wenn eine Infektion mit Omikron im Schnitt zu einem leichteren Verlauf führen würde als mit Delta, bekämen die Kliniken durch die rasche Verbreitung ein massives Problem. „Wir haben aktuell rund 5000 Covid-Intensivpatienten bundesweit. Zu keinem Zeitpunkt in der Pandemie hatten wir so wenige freie Betten. Die Omikron-Welle wird auf Kliniken stoßen, die längst am Limit sind, und mit Geld kann man das Problem nicht lösen.“

Aufgrund von regionalen Kapazitätsengpässen in Kliniken sind laut RKI bereits mindestens 93 Covid-Patienten nach dem sogenannten Kleeblatt-Prinzip über Bundeslandgrenzen hinaus verlegt worden.

RKI: Enge Kontaktsituationen meiden

Die aktuelle Entwicklung sei weiter „sehr besorgniserregend“, heißt es in dem RKI-Bericht. „Nur durch eine Intensivierung der kontaktbeschränkenden Maßnahmen und rasche Erhöhung der Impfraten kann die Situation verbessert werden.“ Das RKI rät – auch Geimpften und Genesenen – dringend dazu, größere Veranstaltungen und enge Kontaktsituationen, wie etwa Tanzveranstaltungen oder Weihnachtsfeiern, möglichst abzusagen oder zu meiden.

„Eine maximale Reduktion der Übertragungsraten ist auch notwendig, um die zu erwartende Ausbreitung der Omikron Variante zu verlangsamen.“ Grundsätzlich sollten laut RKI alle Menschen nicht notwendige Kontakte reduzieren und Reisen vermeiden. „Insbesondere vor Kontakt zu besonders gefährdeten Personen sollte ein vollständiger Impfschutz vorliegen und ein Test gemacht werden.“ (afp/dts/dap/oz)



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