EU will Deutschland in Strompreiszonen splitten

Die deutsche Energielandschaft ist unausgewogen. Entsprechend will die EU das Land in mehrere Gebotszonen aufteilen. Jedoch stößt sie dabei auf Widerstand der Bundesnetzagentur und der Bundesregierung.
EU will Deutschland in Strompreiszonen aufteilen
Hochspannungsstromleitungen in Deutschland.Foto: iStock
Von 24. Januar 2023

Die Europäische Union berät derzeit, wie man die Strompreise in Deutschland regeln kann. Dabei greifen ihre Vertreter die jahrelange Überlegung auf, Deutschland in mehrere Strompreiszonen einzuteilen. Solche Preiszonen gibt es bereits in anderen EU-Ländern.

Hierzulande geht der Netzausbau weiterhin zu langsam voran, um die immer größer werdenden Stromkapazitäten der erneuerbaren Energien quer durch das Land zu schicken. Da es zu wenig Stromleitungen zwischen Nord- und Süddeutschland gibt, wird eine Aufteilung Deutschlands in mehrere Preiszonen in Betracht gezogen.

Dadurch würde es im Land viele Gewinner, aber auch viele Verlierer geben. Denn die Strompreise würden sich bei einer Aufteilung in Nord- und Süddeutschland deutlich voneinander unterscheiden.

Bis zu fünf Preiszonen

Im August 2022 schlug die EU-Agentur für die Zusammenarbeit der Energieregulierungsbehörden (ACER) vor, Deutschland in bis zu fünf verschiedene Strompreiszonen, auch Gebotszonen genannt, aufzuteilen, wie „BR24“ berichtete.

Dazu entwarf ACER ein Dokument mit Aufteilungsgrafiken, das auch die Aufteilung anderer EU-Länder aufführt. Die Übertragungsnetzbetreiber untersuchen im Moment, was die Auswirkungen solcher Teilungen auf die verschiedenen Unternehmen sein könnten.

Durch die Aufteilung der deutschen Gebotszone würden die Strombörsenpreise im Süden steigen und im Norden sinken, teilte die Bundesnetzagentur auf Anfrage der Epoch Times mit. Denn in Norddeutschland ist das Angebot an kostengünstigerer erneuerbarer Energie – vor allem Windenergie – deutlich größer als die Nachfrage nach Strom. „In den südlichen Bundesländern würden hingegen die Erzeuger profitieren, während die Verbraucher höhere Preise zahlen müssten.“ Hier sei das Stromangebot moderat, die Stromnachfrage aufgrund vieler Gewerbe- und Industriestandorte jedoch relativ hoch.

„Der Schritt ist überfällig“, sagte Andreas Jahn vom Regulatory Assistance Project (RAP). „Eine Aufteilung würde den Redispatch-Aufwand senken. So wäre es einfacher, Angebot und Nachfrage innerhalb einer Gebotszone zur Deckung zu bringen.“ Die Kosten würden sich in Regionen mit zu geringem Stromangebot erhöhen, berichtete „Agrarheute“.

Diese Strompreiszonen würden einen starken Anreiz geben, die erneuerbaren Energien weiter auszubauen. Insgesamt sinken auch die Systemkosten, betonte Jahn. Wo genau sich dann die Grenzen bei einer Aufteilung Deutschlands befinden, sei laut Jahn „das Ergebnis einer Gemengelage aus Physik und Politik“.

Bundesnetzagentur gegen EU-Pläne

Die Bundesnetzagentur (BNetzA) spricht sich gegen die Pläne der EU aus und befürwortet „auch für die Zukunft eine einheitliche deutsche Gebotszone“. Dabei orientiere sich die Agentur an der europäischen Gesetzgebung. „Sie sieht eine Aufteilung vor, sofern die Mindesthandelskapazität, auch unter dem Einsatz von Entlastungsmaßnahmen, nicht bereitgestellt werden kann. Diese Voraussetzungen liegen nicht vor.“

Die Vorgaben zur Bereitstellung der Mindesthandelskapazität an den deutschen Gebotszonengrenzen konnten laut der Bundesnetzagentur bisher erfüllt werden und würden auch künftig erfüllt. Es erfolge eine regelmäßige Überprüfung der europäischen Gebotszonen auf europäischer Ebene. Innerhalb dieser Überprüfung würden verschiedene Neugestaltungen untersucht und mit dem Status quo verglichen. Erste Ergebnisse dazu gebe es jedoch bislang noch nicht.

Auch aus umsetzungstechnischer Sicht wäre „eine Aufteilung komplex“. „Es müsste eine Vielzahl an technischen und operativen Prozessen umgestellt werden. Außerdem hätte eine Aufteilung erhebliche Auswirkungen auf die Stromhandelsprodukte im Markt, Zubau und Regionalisierung von Erneuerbaren Energien und möglicherweise auf den Netzausbau“, unterstreicht die Bundesnetzagentur.

Scholz gegen Strompreiszonen

Neben der Bundesnetzagentur muss die EU auch die deutsche Politik erst noch von ihrem Vorhaben überzeugen. Denn bereits im September vergangenen Jahres erteilte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) den Forderungen mehrerer Nord-Bundesländer nach verschiedenen Strompreiszonen eine Absage. Nach Informationen der BNetzA habe sich an dieser Position bis heute nichts geändert: „Auf Bundesebene steht die einheitliche deutsche Gebotszone nicht infrage.“

Scholz lehnte den Vorschlag der EU ab, da „dann einige Regionen in Deutschland schlechter gestellt wären als andere. Das überzeugt mich nicht.“

Weiter sagte Scholz: „Richtig bleibt aber auch: Wir wären in einer günstigeren Situation, wenn der Bau von Stromleitungen in den Süden nicht durch erhebliche Widerstände aus dem Süden verzögert worden wäre.“

In Regionen mit einer starken Nutzung regenerativer Energien wie Wind und Wasser sind die Preise teilweise um ein Vielfaches niedriger als in den Gegenden, wo weniger Strom auf diese Weise erzeugt wird. In Deutschland würde dies zu preiswerterem Strom etwa in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern führen, den Strom in Bayern aber verteuern.

Gebotszonen in anderen EU-Ländern

Solche Strompreiszonen gibt es bereits seit einigen Jahren in anderen EU-Ländern. Norwegen hat sechs, Schweden fünf, Italien sieben und in Dänemark befinden sich zwei Preiszonen.

An mehreren Tagen sieht man besonders in Norwegen und Schweden die großen Preisunterschiede der verschiedenen Gebotszonen deutlich. Wie auch für Deutschland prognostiziert, sind dort die Strompreise im Süden meist deutlich teurer – teils über das Vierfache hinaus.

(Mit Material von dts)



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