Kardinal Marx verzichtet nach massiver Kritik auf Großes Verdienstkreuz

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Kardinal Reinhard Marx.Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa/dpa
Epoch Times27. April 2021

Nach massiver Kritik von Missbrauchsopfern verzichtet der Münchner Kardinal Reinhard Marx auf die für Freitag geplante Auszeichnung mit dem Großen Verdienstkreuz der Bundesrepublik durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

Marx bitte Steinmeier, die Verleihung nicht vorzunehmen, erklärte ein Sprecher des Erzbistums am Dienstag in München. Der Kardinal selbst begründete den Schritt mit Rücksicht auf diejenigen, die an der geplanten Verleihung Anstoß nähmen.

Dem Erzbistum zufolge bat Marx den Bundespräsidenten in einem Brief, auf die Auszeichnung zu verzichten. „Ich bin überzeugt, dass das mit Rücksicht auf diejenigen, die offensichtlich an der Auszeichnung Anstoß nehmen, und insbesondere mit Rücksicht auf die Betroffenen, der richtige Schritt ist“, habe der Kardinal geschrieben.

Er hoffe, vielleicht auch ein Zeichen setzen zu können, „dass mir die weitere Aufarbeitung und nach Möglichkeit Heilung im Bereich von sexuellem Missbrauch in Kirche und Gesellschaft ein wichtiges Anliegen bleibt.

Bundespräsidialamt wollte trotz der Kritik an der Auszeichnung festhalten

Das Bundespräsidialamt hatte zuletzt trotz der Kritik an der Auszeichnung festgehalten. Marx schrieb an Steinmeier, er wolle mit seinem Verzicht auch negative Interpretationen verhindern im Blick auf andere Menschen, denen die Auszeichnung zuteil geworden sei. „Selbstverständlich möchte ich auch dem Amt des Bundespräsidenten keinen Schaden zufügen“, schrieb der Kardinal weiter.

Ihm sei bewusst gewesen, dass die Auszeichnung auch Anlass zur selbstkritischen Betrachtung seines Wirkens und der Arbeit der katholischen Kirche insgesamt sei. „Die Kritik, die nun von Menschen geäußert wird, die von sexuellem Missbrauch im Raum der Kirche betroffen sind, nehme ich sehr ernst, unabhängig von der Richtigkeit der einzelnen Aussagen in offenen Briefen und in der medialen Öffentlichkeit.“ Er blende diese Kritik selbstverständlich aber nicht aus.

Gegen die Entscheidung, Marx mit dem Verdienstkreuz mit Stern und damit der vierthöchsten Stufe der acht Stufen des Verdienstordens auszuzeichnen, hatte unter anderem der Betroffenenbeirat des Erzbistums Köln offen in einem Schreiben an den Bundespräsidenten protestiert. Der Beirat beklagte, „der Vorwurf der Vertuschung“ sei bei einigen deutschen Kirchenfürsten noch längst nicht ausgeräumt – dies sei auch bei Marx der Fall.

Die angekündigte Ehrung stelle „alles in Frage, wofür wir kämpfen und arbeiten“, heißt es in dem Schreiben, das Peter Bringmann-Henselder für den Betroffenenbeirat unterzeichnet hat.

Es sei „nicht verständlich“, dass Marx die Ehrung erhalten solle, weil dieser „nach wie vor in der Kritik steht, Fällen sexualisierter Gewalt in seinem früheren Bistum Trier nicht konsequent nachgegangen zu sein und dem man in diesem Zusammenhang Vertuschung vorwirft“. Darüber hinaus wird Marx in dem Brief vorgeworfen, er halte ein Gutachten zu Fällen sexualisierter Gewalt im Erzbistum München und Freising, das 2010 habe veröffentlicht werden sollen, unter Verschluss.

Bundesverdienstkreuzträger kündigt Rückgabe an, falls Marx ausgezeichnet wird

Der Betroffenenbeirat bittet den Bundespräsidenten darum, Marx das Bundesverdienstkreuz nicht zu verleihen. „Andernfalls sollten alle, die für ihre Verdienste um die Opfer sexualisierter Gewalt bereits das Bundesverdienstkreuz verliehen bekommen haben, dieses zurückgeben, da es seinen eigentlichen Wert, die Ehrung einer verdienstvollen Tätigkeit, mit der Verleihung an Kardinal Marx verlieren wird. (…) In diesem Zusammenhang wird die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Pater Mertes und Matthias Katsch, die erst vor kurzem erfolgte, ad absurdum geführt. Diesen beiden wurde zu Recht die Ehrung zuteil, weil sie sich seit Jahren für die Betroffenen sexualisierter Gewalt einsetzen.“

Erst vor einigen Wochen erhielt der Jesuitenpater Mertes und der Betroffenenvertreter Katsch für ihre Verdienste als Missbrauchsaufklärer von Steinmeier das Bundesverdienstkreuz.

Bringmann-Henselder verwies darauf, dass er ebenfalls Träger des Bundesverdienstkreuzes ist. Er werde diesen Orden zurückgeben, sollte es zur Verleihung an Marx kommen.

Marx war von 2014 bis 2020 Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz

Der 67-jährige Marx war von 2014 bis 2020 Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. In dieser Zeit brachte er weitere Aufarbeitungsschritte im Missbrauchsskandal der Kirche auf den Weg. Allerdings blieb auch unter Marx die Kritik von Missbrauchsopfern bestehen, dass der Aufklärungswille der katholischen Kirche unzureichend sei.

Im Zusammenhang mit der viel kritisierten Aufarbeitung im Erzbistum Köln geriet zudem auch Marx als Bischof in die Kritik. Während der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki in einem Gutachten persönlich entlastet wurde und nach der Veröffentlichung des Gutachtens wegen persönlicher Verfehlungen mehrere ranghohe Geistliche von ihren Aufgaben entband, wird Marx vorgeworfen, bisher noch nicht solch eine schonungslose Aufarbeitung betrieben zu haben. (afp/er)



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