„Katastrophale Wissenslücken bei Schulabgängern“: Das beklagen deutsche Unis

Von 27. Oktober 2016 Aktualisiert: 27. Oktober 2016 19:02
Studenten kommen mit mangelnden Kenntnissen in den Fächern Mathematik und Rechtschreibung an die Unis. Bildungsspezialisten fragen sich nach dem Grund und verorten das Problem in der Verkürzung der Gymnasialzeit. Durch Wegfall von Wehrpflicht und Zivildienst seien die Schüler außerdem jünger als in der Vergangenheit.

Universitäten und Fachhochschulen klagen über mangelnde Kenntnisse bei Schulabgängern, so „Der Westen“. „Die jungen Menschen werden an den Schulen leider nicht mehr breit ausgebildet. Stattdessen spezialisieren sich die Schüler in der Oberstufe auf bestimmte Inhalte und sind dann im Studium nicht selten überfordert“, sagt der Chef der Landesrektorenkonferenz der Universitäten, Prof. Gerhard Sagerer.

Die Kenntnisse in Mathematik oder Rechtschreibung seien katastrophal, so Prof. Marcus Baumann. Die Studenten seien oft mit den einfachsten Dingen überfordert, so der Chef der Landesrektoren der Fachhochschulen.

Der Lernstoff aus der Mittelstufe werde nicht richtig verinnerlicht und fehle am Anfang des Studiums. Später sei der Rückstand kam mehr aufzuholen, so Baumann.

Verkürzte Gymnasialzeit (G8) als Hauptursache

Aus Sicht mancher vieler Rektoren sei die Verkürzung der Gymnasialzeit (G8) für die Probleme verantwortlich, so Prof. Ingo Böckenholt. Defizite bei den Fremdsprachen und bei den Mathematik-Kenntnissen seien darauf zurückzuführen. Daher seien Vorbereitungskurse üblich, so Böckenholt, Präsident der privaten Hochschule „International School of Management“, (ISM) in Dortmund.

Zudem gebe es ein Problem mit der Reife. Wegen verkürzten Schulzeiten und des Wegfalls von Zivildienst und Wehrpflicht seien die Teenager mit der Wahl des Studiums überfordert. Deswegen sei eine Rückkehr zu G9 wünschenswert.

Schülerschaft ist heterogener geworden – „Können nicht mehr so elitär denken“

Anders sieht es die Bildungswissenschaftlerin und Prorektorin an der Uni Duisburg-Essen. Wie Untersuchungen gezeigt hätten, gebe es keine signifikanten Leistungsunterschiede zwischen Schülern, die nach acht oder neun Jahren das Abitur ablegten, so Isabell van Ackeren, Bildungswissenschaftlerin und Prorektorin an der Uni Duisburg-Essen.

Eine wissenschaftliche Begründung für eine Rückkehr zu G9 sehe sie daher nicht. Vielmehr sei die Schülerschaft heute heterogener als vor ein paar Jahrzehnten. Heute besucht bereits die Hälfte eines Jahrgangs das Gymnasium.

Darauf müssten sich die Unis einstellen und mit passgenauen Angeboten die Studienanfänger unterstützen. Das sei heute ein Auftrag von Hochschulen. „Wir können nicht mehr so elitär denken.“

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