Berlin: Politiker unterstützen Welt-Falun-Dafa-Tag

Beim Feiern müssen sie auch ernste Themen ansprechen: Zu Besuch bei einer Gruppe, die in China massiver Verfolgung ausgesetzt ist – standhaft mit friedlichen Mitteln seit Jahrzehnten.
Von 15. Mai 2023

An dieser Stelle wird ein Podcast von Podcaster angezeigt. Bitte akzeptieren Sie mit einem Klick auf den folgenden Button die Marketing-Cookies, um den Podcast anzuhören.

Eine Motorradstreife kommt auf den Mann mit dem gelben Shirt zugebraust und stoppt abrupt neben ihm: „Was ist Falun Dafa?“, fragt er den Verdutzten. Der lächelt und erklärt es ihm geduldig mit mehreren Nachfragen. Als er genug erfahren hat, schüttelt er dem Mann in Gelb die Hand, sagt „Herzlichen Glückwunsch“ und „Viel Glück“ und braust davon.

Der 13. Mai ist für die Praktizierenden der buddhistischen Lehre Falun Dafa auf der ganzen Welt ein Tag des Feierns und der Dankbarkeit. An diesem Tag, dem „Welt-Falun-Dafa-Tag“, treffen sie sich, um den Geburtstag des Gründers und Meisters Li Hongzhi zu begehen und die Menschen an ihrem Glauben teilhaben zu lassen. In Berlin zeigten anlässlich dieses Tages mehrere Hundert Praktizierende von Falun Dafa aus ganz Deutschland, was ihre Praktik ausmacht. Eine Sache ist immer gegenwärtig: die Verfolgung im Ursprungsland China.

Der Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor ist an diesem Samstag in leuchtende Farben getaucht. Frauen und Männer in sonnengelben Anzügen stehen in Reih und Glied, einige halten farbenfrohe Banner. Es ist eine ruhige und friedliche Stimmung, die Sonne scheint vom fast wolkenlosen Himmel.

„Falun Dafa Hao“ – „Falun Dafa ist gut“

Die vorbeischlendernden Fußgänger schauen sich den Aufzug an, zücken ihre Handys, um zu filmen. Sie erfahren, dass Falun Dafa als Meditations- und Kultivierungspraxis in einer jahrtausendealten Tradition steht, dass sie fünf Qi-Gong-Übungen beinhaltet, die den Körper reinigen, und eine Lehre, die die Praktizierenden lehrt, nach den Prinzipien Wahrhaftigkeit, Güte und Nachsicht zu leben. Insgesamt also etwas für Körper und Geist, etwas, das den „Charakter veredelt“ und innere Ausgeglichenheit bringen soll.

Fernöstliche Musik ertönt, die Teilnehmer schließen die Augen. Langsam bewegen sie die Arme, während sie die Übungen vorführen. Die Passanten werden ermutigt, es auch einmal zu probieren. Einigen kommen die Art Bewegungen vertraut vor, weil sie ein anderes Qi Gong praktizieren. Doch diese Übungen sind speziell, sie sind vom Gründer der Praktik, Meister Li Hongzhi, zusammengestellt worden.

Zur Feier des Tages singt der große Chor der Teilnehmer das Lied „Falun Dafa Hao“, was „Falun Dafa ist gut“ bedeutet. Für Dirigent Haroldo Rodriguez, der dynamisch den ganzen Platz zum Klingen bringt, gibt es viele Gründe für Freude an diesem Tag, denn die Praxis bringt nicht nur einen gesunden Körper und einen klaren Kopf.

„Wir singen für alle“, sagt er, „auch für uns“. Der Pariser Platz erklingt aus Hunderten Kehlen. „Das Licht des Buddhas strahlt weit und breit“, heißt es im Text, und von diesem Licht ist etwas zu spüren.

Antworten finden

Ganz handfeste Auswirkungen hat das Praktizieren auch für Bui Thuy gehabt. Die Berlinerin hatte Krebs im Endstadium und genas wie durch ein Wunder. Sie führt es auf das Praktizieren zurück. Mit einer Gruppe Vietnamesen in bodenlangen farbenfrohen Kleidern steht sie auf dem Pariser Platz und singt mit ernsthafter Miene ein Dankeslied.

Shayan Khajekvand ist noch nicht lange bei Falun Dafa, aber über seine Eltern schon längere Zeit in Kontakt. Der im Iran Gebürtige hat sich schon, seitdem er 15 Jahre alt ist, mit Spiritualität beschäftigt: „Ich habe mich dafür interessiert, was wir Menschen auf der Welt machen, wo wir herkommen und hingehen“, erklärt der Hamburger.

In der Schulzeit hat er es nicht einfach gehabt, mit dem Glauben seiner Eltern bei seinen Schulfreunden Gehör zu finden. „Die anderen hatten ihren gefestigten Glauben – sei es Muslime oder Christen – und haben Falun Dafa abgetan“, sagt der 25-Jährige. Auch wollte er den eher gewöhnlichen Weg eines Jugendlichen gehen, mit Alkohol und so weiter.

Seit Kurzem hat er gemerkt, dass er durch die Lektüre der Bücher von Falun Dafa ein ganz neues Verständnis gewinnt: „Früher hatte ich in schwierigen Situationen Probleme, Antworten zu finden, jetzt gelingt mir das einfacher“, sagt er.

Zurück zu den spirituellen Wurzeln eines Volkes

Falun Dafa hat bei seiner Vorstellung im Jahr 1992 eine unheimlich starke Resonanz in der Gesellschaft gehabt. Nach Jahren der Kulturrevolution, in denen die herrschende Kommunistische Partei bestrebt war, die Wurzeln der eigenen Kultur auszuradieren, haben die Menschen zu ihren spirituellen Wurzeln zurückgefunden. Menschen aus allen Gesellschaftsschichten fingen an, zu praktizieren, selbst Mitglieder der Partei gingen morgens vor der Arbeit in die Parks, um die täglichen Übungen zu machen.

Doch fand das ein jähes Ende. Die erstaunten Passanten erfahren, dass die Partei im Jahr 1999 eine Verfolgung begann, die auf einen Schlag die gesamte Zahl der Anhänger kriminalisierte, falls sie nicht Willens waren, ihrer Überzeugung abzuschwören. So wurde die unermesslich große Anzahl von bis zu hundert Millionen Menschen über Nacht zu Gegnern des Regimes und von diesem bekämpft. – Neben Tibetern, Uiguren und Christen ist das bis heute die größte verfolgte Gruppe in China.

Viele Gespräche auf dem Pariser Platz drehen sich um dieses Thema. Der Tenor ist oft, so sagen die Teilnehmer: „Wir wussten, dass die Kommunistische Partei, dass die Diktatur nicht gut ist, doch von dieser Verfolgung haben wir noch nicht gehört.“ Viele sind schockiert, wenn sie über das Ausmaß von tagtäglichen Belästigungen bis hin zum Organraub erfahren.

Ein aktueller Fall der Verfolgung: Von der Teeplantage ins Untersuchungsgefängnis

Und so überschattet ein aktueller Fall die Veranstaltung. Lebin Ding tritt vor das Mikrofon. Mit fester Stimme erzählt er von der Verhaftung seiner Eltern, die am Vortag passierte. Die Teebauern aus einem kleinen Dorf wurden von Polizisten in Zivil auf dem Feld aufgesucht und von ihnen nach Hause begleitet. Es folgte eine dreistündige Hausdurchsuchung, bei der Schriften von Falun Dafa und Flugblätter beschlagnahmt wurden, mit denen die Praktizierenden die Bevölkerung über Falun Dafa und die illegale Verfolgung aufklären.

Der 35-jährige Berliner hatte am Mobiltelefon eine halbe Minute Zeit, mit seiner Mutter Ruimei Ma (55) zu sprechen: „Böse Menschen sind ins Haus eingedrungen. Mir wurden Handschellen angelegt, meine Hände sind taub.“ Dann wurde das Gespräch unterbrochen. Die Eltern wurden von der Polizei der Stadt Rizhao, Provinz Shandong inhaftiert.

Es ist nicht das erste Mal. Schon 2012 wurde seine Mutter für das Verteilen von Flugblättern verhaftet. Der frisch in Deutschland angekommene Ding organisierte von hier aus eine Kampagne für die Öffentlichkeit. Seine Mutter, die er seitdem nicht mehr gesehen hat, kam schließlich frei.

„Was die Kommunistische Partei am meisten fürchtet, ist die Offenlegung ihrer Taten“, sagt Ding. Vor dem Gesetz sei das Vorgehen illegal, es würde aber von der Partei geduldet und unterstützt.

Schon am Tag nach der Verhaftung seiner Eltern am 13. Mai 2023 wurde der Fall von der „World Organization to Investigate the Persecution of Falun Gong“ publik gemacht, die die Daten aller verantwortlichen Personen umgehend veröffentlicht hat. Werden die Opfer innerhalb von 30 Tagen freigelassen, wird die Fahndung ausgesetzt.

Wenn nicht, wird der Fall der internationalen Gemeinschaft und den zuständigen nationalen Behörden vorgelegt, damit Sanktionen gemäß dem Global Magnitsky Human Rights Accountability Act verhängt werden können. Außerdem werden alle Beweise dem Sonderstrafgerichtshof im Falle eines künftigen Strafverfahrens vorgelegt. Das Vorgehen ist für das Regime durchaus unangenehm.

Ding, der wie seine Eltern schon seit mehr als zwanzig Jahren Falun Dafa praktiziert, wünscht sich, dass seine Eltern angesichts der neuen Bedrohung am Glauben festhalten: „Bleibt standhaft und glaubt daran, dass ihr bald entlassen werdet“, möchte er ihnen sagen.

Unterstützung der Politik

Zuspruch bekommt Falun Dafa von einer Handvoll Politikern, die vor Ort ein Grußwort sprechen oder deren Grußwörter vorgelesen werden, wie von einigen Abgeordneten des hessischen Landtags von Bündnis 90/Die Grünen. Man fragt sich allerdings angesichts der andauernden Menschenrechtsverletzungen, warum nicht mehr Rückhalt aus der Politik kommt.

Der Berliner AfD-Abgeordnete Ronald Gläser glaubt, dass sich seit 1989 in China nichts geändert hat. „Es ist die Aufgabe eines jeden Berliners“, angesichts der Menschenrechtsverletzungen „die Stimme zu erheben“, sagt er. Er hofft: „Ein solches System kann schneller zusammenbrechen, als man denkt.“

Yuhan Huang, Vorstandsmitglied der Jungen Union Göttingen, glaubt, dass das Regime sehr böse ist. Es trage aktiv zum Verfall der Moral bei, um an der Macht zu bleiben. Es solle sich nicht gegen das eigene Volk stellen. Huang findet, dass Druck auf das Regime ausgeübt werden sollte. „Wenn wir schweigen, ist das Unheil dadurch nicht weg“, sagt er.

Im Gespräch mit den Menschen

Anschließend machen sich die Praktizierenden in einem langen Aufzug vom Pariser Platz auf zum Alexanderplatz. In den engen Straßen zwischen dem Lustgarten und den Hackeschen Höfen bleiben die Menschen stehen und schauen sich das Schauspiel wie hypnotisiert an. Die Hüfttrommler „vertreiben die bösen Geister“, die Drachentanzgruppe bezieht die Zuschauer mit ein und neckt die Kinder mit dem großen Tier aus der Welt der Mythen.

In der traditionellen Kultur werden Drachen mit Macht und Stärke in Verbindung gebracht. Sie gelten aber auch als weise und wohlwollende Wesen, die Glück und Schutz bringen. Und das, so scheint es, bringen die Falun-Gong-Praktizierenden an diesem Tag den Berlinern.

Martina Haupt aus Wilhelmshaven hat dort viele Gespräche mit den Passanten geführt und die Menschen gebeten, eine Petition zu unterschreiben, die das Ziel hat, die Verfolgung zu beenden. ‚„Kann eine Unterschrift etwas bewirken?‘, werde ich immer wieder gefragt“, sagt sie. „Ich antworte: ‚Ja sicher, wir müssen etwas tun und Vertrauen haben‘“. Sie bekommt auch Zuspruch: „Was ihr tut, finde ich gut, macht so weiter.“



Epoch TV
Epoch Vital
Kommentare
Liebe Leser,

vielen Dank, dass Sie unseren Kommentar-Bereich nutzen.

Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen, Schimpfworte, aggressive Formulierungen und Werbe-Links. Solche Kommentare werden wir nicht veröffentlichen. Dies umfasst ebenso abschweifende Kommentare, die keinen konkreten Bezug zum jeweiligen Artikel haben. Viele Kommentare waren bisher schon anregend und auf die Themen bezogen. Wir bitten Sie um eine Qualität, die den Artikeln entspricht, so haben wir alle etwas davon.

Da wir die Verantwortung für jeden veröffentlichten Kommentar tragen, geben wir Kommentare erst nach einer Prüfung frei. Je nach Aufkommen kann es deswegen zu zeitlichen Verzögerungen kommen.


Ihre Epoch Times - Redaktion