Nach Starkregen: Eingestürzte Häuser, tote Feuerwehrmänner, vermisste Einwohner

Epoch Times15. Juli 2021 Aktualisiert: 15. Juli 2021 11:54
Der Dauerregen im Westen Deutschlands soll nachlassen - doch die Lage bleibt vielerorts angespannt. Nicht überall gibt es Entwarnung. Ein tödliches Ende nahm ein Feuerwehreinsatz im Sauerland.

Die Folgen des Regen-Unwetters vor allem im Westen Deutschlands werden auch heute viele Menschen in den betroffenen Regionen beschäftigen.

Der extreme Dauerregen in weiten Teilen von Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland sollte zwar laut Vorhersage des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in der Nacht nachlassen. Doch vielerorts dürfte es nun an die Aufräumarbeiten gehen.

Die Bundeswehr hat mehr als 400 Soldaten in die besonders schwer von der Hochwasserkatastrophe in NRW und Rheinland-Pfalz betroffenen Regionen geschickt. Das berichtet die „Rheinische Post“ unter Berufung auf die Streitkräftebasis in Bonn. Danach unterstützen rund 200 Soldaten vom Panzerpionierbataillon 130 und rund 30 Soldaten vom Versorgungsbataillon 7 die Einsatzkräfte in Hagen.

Drei Krankenwagen vom Sanitätsregiment 2 helfen beim Evakuieren eines Alten- und Pflegeheimes in Kordel. In Ahrweiler sind rund hundert Soldaten des IT-Bataillons 281 im Einsatz, und in Daun stehen rund 70 Soldaten vom Bataillon Elektronische Kampfführung 931 sowie vier Krankenwagen vom Sanitätsregiment 2 den zivilen Rettungskräften zur Seite.

Dreyer: „Es ist eine Katastrophe“

Malu Dreyer hat die Hochwasserlage in Rheinland-Pfalz als Katastrophe bezeichnet. „Hier in Teilen von Rheinland-Pfalz spielt sich gerade eine absolute Katastrophe ab.“ Der Starkregen der vergangenen Tage hätte zu einem verheerenden Hochwasser mit massiven Schäden geführt, so die SPD-Politikerin.

„Es ist eine Katastrophe. Anders kann man es nicht ausdrücken. Es gibt Tote, es gibt Vermisste und viele, die noch immer in Gefahr sind. Alle Einsatzkräfte sind rund um die Uhr im Einsatz und riskieren ihr eigenes Leben. Mein Mitgefühl gilt den Opfern der Hochwasserkatastrophe. Ich bange mir den Menschen vor Ort“, sagte die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz.

Sie lässt aufgrund der Katastrophenlage das Landeskabinett zu einer Sondersitzung zusammentreten. „Die Menschen sollten Ruhe bewahren und in ihren Häusern zu bleiben“, sagte Dreyer. „Wir mobilisieren wirklich alles, um sie zu retten. Aus allen Landesteilen sind Rettungskräfte auf dem Weg in das Katastrophengebiet.“ Zusammen mit Innenminister Roger Lewentz werde sie sich einen Eindruck der Lage vor Ort verschaffen.

Laschet will besonders betroffene Ruhrgebietsstadt Hagen besuchen

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) will heute die von Überflutungen besonders betroffene Ruhrgebietsstadt Hagen besuchen. In Rheinland-Pfalz sollen im Kreis Vulkaneifel die Schulen geschlossen bleiben. Nahe der Steinbachtalsperre in Euskirchen sollten mehrere Ortschaften evakuiert werden. Allein in Bonn rückten die Einsatzkräfte mehr als 200 Mal aus.

Sechs Häuser eingestürzt

In der Ortsgemeinde Schuld im rheinland-pfälzischen Landkreis Ahrweiler sind in der Nacht zum Donnerstag als Folge von Überflutungen und Dauerregen sechs Häuser eingestürzt. Bis zu 30 Menschen würden vermisst, berichtet der SWR unter Berufung auf Polizeiangaben. Zudem sollen zwei Dutzend weitere Häuser einsturzgefährdet sein.

In mehreren Regionen wurde der Katastrophenfall ausgerufen. Im Märkischen Kreis in NRW kamen zwei Feuerwehrleute bei Einsätzen ums Leben.

Der Krisenstab in Hagen erwarte „ein 25-jährliches Hochwasser“, teilte die Stadt mit. Wer in unmittelbarer Nähe von Flüssen wohne, werde dazu aufgerufen, sich in höher liegende Bereiche zu begeben.

Hänge rutschten in Hagen ab, überflutete Fahrbahnen wurden gesperrt. Hunderte Notrufe gingen bei der Feuerwehr ein. Ein Altenheim mit 76 Bewohnern wurde am Mittwoch wegen einströmender Wassermassen evakuiert.

Wupper-Talsperre droht überzulaufen

Auch in Wuppertal war die Lage angespannt. Die Stadt warnte vor Überschwemmungen, nachdem die Wupper-Talsperre überlief. Es sei Sirenenalarm ausgelöst worden.

Die Behörden im Bergischen Land rechneten noch in der Nacht mit einem unkontrollierten Überlauf der Wupper-Talsperre bei Radevormwald. Der Oberbergische Kreis warnte am Abend unter der Überschrift „Evakuierung“ davor, dass der Wasserstand der Wupper im Stadtgebiet von Radevormwald in kurzer Zeit sehr stark anschwellen wird. Die Anwohner entlang der Wupper im Stadtgebiet wurden aufgefordert, umgehend den Gefahrenbereich zu verlassen. „Es besteht akute Lebensgefahr!“

 

Lautsprecherdurchsage an die Anwohner

Nach Angaben der Stadt Wuppertal könnte es bei der aktuellen Fließgeschwindigkeit der Wupper drei Stunden nach dem Überlauf zu Überflutungen in Wuppertal kommen. Warnfahrzeuge fuhren durch die betroffenen Gebiete und informierten per Lautsprecherdurchsage die Anwohner.

„Personen sollten sich in der Nacht nicht in der Nähe der Wupper, insbesondere nicht in Muldenlagen aufhalten“, hieß es in einer Mitteilung. In einer Sporthalle wurde eine Notunterkunft eingerichtet.

Stromabschaltung in Aachen

In Aachen wurde wegen Hochwassers der Strom im historischen Ortskern von Kornelimünster abgeschaltet. In Düsseldorf wurde eine Siedlung wegen drohenden Hochwassers geräumt; auch dort sollte sicherheitshalber der Strom abgeschaltet werden.

Die Feuerwehr war vielerorts in NRW im Dauereinsatz. In Städten wie Düsseldorf, Dortmund und Bochum sorgten vollgelaufene Keller, überflutete Straßen und umgestürzte Bäume für hunderte Einsätze.

Die Deutsche Bahn meldete Verspätungen und Zugausfälle. Aufgrund von Unwetterschäden sei unter anderem die Fernverkehrs-Strecke zwischen Köln und Dortmund nur mit erheblichen Einschränkungen befahrbar.

Zwei tote Feuerwehrmänner im Sauerland

Auch in Rheinland-Pfalz und im Saarland warnte der Deutsche Wetterdienst vor überfluteten Kellern und Straßen sowie über die Ufer tretende Flüsse und Bäche. Die Autobahn A61 musste in Fahrtrichtung Süden auf der Höhe des Autobahndreiecks Bad Neuenahr-Ahrweiler komplett gesperrt werden. Grund war eine Fahrbahnunterspülung durch die starken Regenfälle.

Im Märkischen Kreis im Sauerland starben am Mittwoch zwei Feuerwehrmänner während ihrer Einsätze. In Altena kam ein 46-jähriger Feuerwehrmann ums Leben, wie die Polizei mitteilte. Dort war ein Mann ins Wasser geraten, den herbeigerufene Feuerwehrleute retteten. Beim Einsteigen ins Einsatzfahrzeug sei der Feuerwehrmann dann selbst ins Wasser gefallen und abgetrieben worden. Der 46-Jährige konnte nur noch tot geborgen werden.

Ein 52-jähriger Feuerwehrmann kollabierte später während eines Einsatzes nahe dem Kraftwerk Elverlingsen. Die Polizei ging von einem internistischen Notfall aus.

In Altena waren – wie in vielen anderen Orten – Keller und Straßen überflutet. Der über die Ufer getretene Fluss Lenne verschärfte dort die Situation zusätzlich. Das Wasser lief in die Innenstadt. Altena sei „so gut wie nicht erreichbar“, teilte die Polizei am Nachmittag mit.

Betrieb von zahlreichen Bahnlinien eingestellt

Die Deutsche Bahn riet allen Bahnreisenden, Nordrhein-Westfalen weiträumig zu umfahren. „Bitte verschieben Sie Reisen von und nach NRW nach Möglichkeit auf die kommenden Tage“, hieß es in einer Mitteilung. Am Mittwoch wurde auf zahlreichen Bahnlinien der Betrieb eingestellt. Die Bahn berichtete unter anderem von Verspätungen und Ausfällen von Zügen zwischen Köln und Düsseldorf sowie zwischen Köln und Wuppertal. Die Strecken zwischen Köln und Koblenz waren auf beiden Seiten des Rheins nicht befahrbar. ICE-Züge zwischen Frankfurt und Brüssel fuhren nur zwischen Frankfurt und Köln.

In Rheinland-Pfalz rief der Kreis Vulkaneifel nach starken Regenfällen und Überschwemmungen den Katastrophenfall aus. „Die Lage ist sehr ernst, wir haben viele überschwemmte Straßen und Ortschaften, die nicht mehr erreichbar sind“, sagte Landrätin Julia Gieseking (SPD) in Daun. Die Schulen im Kreis sollen heute geschlossen bleiben. „Ich appelliere an die Bevölkerung, dass alle zuhause bleiben und sich schützen vor den Wassermassen“, sagte Gieseking.

Unterstützung durch Bundeswehr

Der Katastrophenfall ermögliche die Unterstützung der Bundeswehr. Es würden auch Fahrzeuge benötigt, um nicht mehr passierbare Straßen zu überwinden. Der Schwerpunkt der Einsätze liege in der Rettung von Menschen. Die Einsatzkräfte könnten sich zunächst kaum um überschwemmte Keller kümmern. „Es gibt so viele Einsatzorte, dass wir Prioritäten setzen müssen.“

Wetter bleibt wechselhaft

Tief „Bernd“ bestimmt mit feuchtwarmen Luftmassen das Wetter in Deutschland. Dem DWD zufolge bleibt es in den nächsten Tagen wechselhaft mit Schauern und Gewittern, teils mit heftigem Starkregen. Dieser führte bereits am Mittwoch vielerorts zu Alarm: Es kam zu Erdrutschen, Straßen wurden überspült, Keller liefen voll und der Bahn- und Straßenverkehr war gestört.

Die Unwetterwarnungen vor teils extremen Dauerregen in Westdeutschland wurden in der Nacht zum Donnerstag aufgehoben.

Naturschutzverband erhebt Vorwürfe gegen über der NRW-Landesregierung

Der Bund für Umwelt und Naturschutz NRW erhebt schwere Vorwürfe gegenüber der NRW-Landesregierung. Das Land sei verantwortlich für die Folgen des Starkregen​s, erklärt dieser. Zu viele Flächen seien versiegelt, der Boden könne kein Wasser mehr aufnehmen. Das Umweltministerium entgegnet, die Gemeinden müssen sich kümmern. Das Land stelle Fördergelder zur Verfügung.

Ein paar Tage zuvor hatte es bereits den Süden und Südwesten getroffen, insbesondere den bayerischen Landkreis Hof.

(dpa/dts/Reuters/er)



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