„New York Times“: Allergien auch bei Corona-Impfstoff von Moderna Problemfaktor

Von 27. Dezember 2020 Aktualisiert: 28. Dezember 2020 22:31
Bislang sind in den USA etwa 1,1 Millionen Menschen vor allem aus Pflege- und Gesundheitsdiensten mit Präparaten von Pfizer oder Moderna gegen Corona geimpft worden. In einigen Fällen kam es zu Komplikationen – meist war dies dort der Fall, wo Allergien bestanden.

In den USA kommt mittlerweile auch der zweite von der Bundesbehörde für Lebensmittel und Arzneien zugelassene Impfstoff gegen Corona zum Einsatz. Nachdem bereits am 11. Dezember das Präparat von Pfizer und BioNTech zur Anwendung freigegeben wurde, erfolgte die Notzulassung des Impfstoffs des Unternehmens Moderna eine Woche später.

Bislang wurden 1,1 Millionen Menschen in den USA mit einem der beiden Präparate geimpft, in seltenen Fällen kam es zu nennenswerten Nebenwirkungen.

Moderna-Inhaltsstoffe ähnlich wie beim Pfizer-Präparat

Wie die „New York Times“ berichtet, hat am Donnerstag (24.12.) in Boston ein Allgemeinmediziner wenige Minuten nach Verabreichung des Corona-Impfstoffs von Moderna starke allergische Reaktionen gezeigt.

Es war der erste Fall, in dem das Präparat von Moderna eine solche Reaktion auslöste. Zuvor hatte es in sechs Fällen, in denen das Pfizer-Präparat verabreicht worden war, eine anaphylaktische Reaktion gegeben. Der Pfizer-Impfstoff enthält ähnliche Inhaltsstoffe wie jener von Moderna.

Die FDA und die Zentren für Seuchenkontrolle haben die beim Pfizer-Präparat aufgetretenen Fälle solcher Nebenwirkungen zu diskutieren, sind jedoch zu keiner einheitlichen Auffassung gelangt, welcher Inhaltsstoff für die Reaktionen verantwortlich sein könnte. Auch in Großbritannien hatte es einzelne Fälle ähnlicher Nebenwirkungen gegeben.

Betroffener Mediziner hat sich wieder erholt

Der am Donnerstag von einer unerwünschten Wirkung betroffene Arzt war der geriatrische Onkologe Dr. Hossein Sadrzadeh, der am Boston Medical Center tätig ist und an einer schweren Allergie gegen Schalentiere leidet. Unmittelbar nach Verabreichung des Impfstoffs, so erläuterte Dr. Sadrzadeh in einem Interview, habe er sich schwindelig gefühlt und Herzrasen verspürt.

Der Sprecher der Klinik, David Kibbe, bestätigte, dass es bei Dr. Sadrzadeh zu einem Vorfall dieser Art gekommen sei, nachdem er seine ihm persönlich zugedachte EpiPen verwendet hatte. Er wurde in die Intensivstation eingeliefert und dort untersucht und behandelt. Wenig später konnte er wieder entlassen werden. „Heute geht es ihm wieder gut“, heißt es aus dem Krankenhaus.

Seuchenschutz will alle Vorfälle dokumentieren

Moderna-Sprecher Ray Jordan wollte am Donnerstagabend keinen individuellen Fall kommentieren, kündigte jedoch an, die Unternehmensabteilung für Arzneisicherheit würde die Angelegenheit untersuchen. Zudem werde man mit dem Bundesprogramm „Operation Warp Speed“ kooperieren, das die Verteilung der Impfstoffe überwacht.

Tom Skinner von der US-Seuchenschutzbehörde verwies auf die Webseite seiner Institution, wo demnächst sämtliche Fälle unerwünschter Wirkungen der Corona-Präparate dokumentiert werden sollen.

Dr. Merin Kuruvilla, Immunologe und Allergie-Spezialist von der Emory University, erklärte gegenüber der „New York Times“, dass schwere allergische Reaktionen wie in Boston einen seltenen Ausnahmefall darstellen, und sagte: „Dies soll keine Menschen abschrecken, die offenkundig kein erhöhtes Risiko mitbringen.“

Bei Allergien 15 bis 30 Minuten im Krankenhaus verbleiben

Bereits wenige Tage nach den ersten Anwendungen des Pfizer-Impfstoffs wies die Seuchenschutzbehörde darauf hin, dass die Präparate von Pfizer und Moderna für Personen nicht anzuraten sei, die eine Krankengeschichte aufwiesen, aus der Allergien gegen einen der Inhaltsstoffe hervorgehen oder bei einer Impfung bereits eine anaphylaktische Reaktion gezeigt hätten.

Menschen mit anderen bekannten Allergien sollten, so die Behörde weiter, jedoch nicht von vornherein auf die Impfung verzichten, sondern nach der Injektion 15 Minuten zur Beobachtung in der Klinik verbleiben. Für zusätzliche 15 Minuten sollten Geimpfte im Krankenhaus bleiben, die bereits einmal allergisch auf eine Impfung reagiert hatten.



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