Psychiater Bonelli: „Wer Menschen Arbeit verbietet, kann keine Intensivbetten finanzieren“ – Und was ist mit der Grippewelle?

Von 25. November 2020 Aktualisiert: 25. November 2020 14:29
Der zweite Lockdown soll die Überlastung von Österreichs Gesundheitssystem verhindern; Krankenhäuser seien voller COVID-Fälle, heißt es. Wie sieht die Lage tatsächlich aus? Anders als sonst sei dieses Jahr laut offizieller Stellen keine Grippeaktivität zu verzeichnen. Gibt es wirklich keine Grippe-Fälle? Ein bekannter Psychiater sieht die Maßnahmen von anderer Seite her kritisch: Wer Menschen am Arbeiten hindere, könne auf Dauer auch Intensivbetten nicht bezahlen.

Das Epidemiologische Meldesystem (AGES) führt österreichweit Buch über die Belegung der Betten in den Krankenanstalten des Landes. Derzeit befinden sich insgesamt 685 in Intensivbehandlung (Stand: 24. November). Damit sind einschließlich anderer Erkrankungen 57,5 Prozent der österreichischen Intensivbetten belegt.

In Oberösterreich sind die Intensivbetten mit 139 schweren Verläufen zu 92,7 Prozent am stärksten ausgelastet, gefolgt von Tirol und der Steiermark. Demgegenüber sind die Intensivbetten in Wien mit ähnlich vielen schweren Verläufen nur zu 35,5 Prozent belegt. Das liegt daran, dass Wien mehr Kapazitäten an Intensivbetten aufweist als andere Bundesländer.

Insgesamt gibt es in Österreich laut Gesundheitsministerium – Privatkrankenhäuser nicht mitgezählt – insgesamt 44.183 Normalbetten, davon 2.451 Intensivbetten.

Insgesamt seien, wie der „Standard“ berichtet, in Landesfonds finanzierten Krankenanstalten knapp 40.000 Akutbetten (ohne Intensivstationen) verfügbar. Das erkläre auch, dass in der ersten Welle im Frühjahr trotz hoher Corona-Belegungszahlen teils fast 20.000 Normalbetten für Corona-Fälle noch „verfügbar“ gewesen seien.

Deutschland: Noch 21 Prozent der Intensivbetten frei

In Deutschland seien laut „Klinik-Monitor“ noch 21 Prozent der Intensivbetten frei. Im Vergleich zu Österreich stehen insgesamt wesentlich mehr Intensivbetten zur Verfügung, insgesamt 27.866 Betten. Zusätzlich könnten 11.976 an Reserven mobilisiert werden.

In 3.781 Fällen, 14 Prozent, sind Intensivbetten mit COVID-19-Infizierten belegt, 18.144 (65 Prozent) mit anderen Notfällen und 21 Prozent der bundesweiten Intensivbetten sind frei.

Die Spanne bewegt sich zwischen 15 Prozent in Hessen und 32 Prozent in Schleswig-Holstein. Von den Kliniken insgesamt melden 159 (13 Prozent), voll ausgelastet zu sein, 517 (42 Prozent) haben „erste Engpässe“ und 564 (45 Prozent) verfügen noch über freie Kapazitäten.

Grippe bis dato abgemeldet

Was in der bisherigen Saison hingegen bislang keine Erwähnung findet, ist die jährliche Grippewelle. Das Zentrum für Virologie an der Medizinischen Universität Wien meldete, dass „derzeit in Österreich […] noch keine Influenzavirus-Aktivität zu verzeichnen“ sei. Es gebe weder gemeldete Grippe-Infizierte und noch Grippetote, was gegenüber den Vorjahren ungewöhnlich ist. Füllen sich um diese Jahreszeit die Krankenhäuser normalerweise mit Influenza-Patienten.

Auch AGES verfolgt die Entwicklung der Grippe in Österreich und hat in der 40. Kalenderwoche (28.9.-4.10.) mit der Überwachung der aktuellen Grippesaison begonnen. Auch sie schreiben, dass bis dato noch keine aussagekräftigen Beobachtungen zu verzeichnen seien.

Jede Saison sterben Hunderte bis Tausende am Grippevirus

In den vergangenen Jahren hatte die Zahl der Grippetoten geschwankt. Sie reichen von einigen Hunderten zu mehreren Tausenden pro Saison:

Gab es in der Saison 2015/16 nur 259 Todesfälle, waren es ein Jahr später 2016/2017 während der großen Grippewelle bereits 4.436. In der darauffolgenden Saison 2017/18 starben 2.851 an der Grippe. In der Saison 2019/20 sank die Zahl auf nur 834, wobei AGES auf seiner Webseite schreibt, dass die Zählung zwei Wochen früher als normal beendet wurde und dies das Ergebnis verfälschen könne – vermutlich aufgrund der Corona-Pandemie. Das wird jedoch nicht erwähnt.

Beim neuartigen Corona-Virus sind für Österreich 2.408 Todesfälle gemeldet (Stand: 24. November/AGES), demnach bewegt sich die Mortalität des Corona-Virus im Mittelfeld des Influenzavirus der letzten Jahre.

2016/2017 starben fast doppelt so viele Menschen an Grippe wie 2020 an Corona. Maßnahmen wie Abstand, Maskenpflicht oder Lockdown zur Eindämmung der großen Grippewelle wurde von der Regierung damals nicht in Erwägung gezogen.

Nach Angaben des bekannten Psychiaters Raphael M. Bonelli sei ein Engpass im Bereich der Intensivbetten um diese Jahreszeit keine Ausnahmeerscheinung.

Bonelli: Was kurzfristig logisch erscheint, kann langfristig zum Fehler werden

Bonelli vom Institut für Religiosität in Psychiatrie und Psychotherapie (RPP) meldete sich auf YouTube zu Wort und brachte seine Skepsis gegenüber der Lockdown-Strategie zum Ausdruck.

Jeder Lockdown sei, so Bonelli, eine „große Belastung für die psychische Gesundheit“ und vielfach sei in der Debatte die Verhältnismäßigkeit verloren gegangen. Bonelli betonte, dass es zutreffe, dass sich Intensivstationen füllten. Dies hätten ihm auch Kollegen im Gespräch jüngst wieder bestätigt.

Mit Blick auf die Erklärung der angeblichen Notwendigkeit des Lockdowns wegen eines Mangels an Intensivbetten mahnt Bonelli allerdings, zwischen einer kurzfristigen und einer langfristigen Perspektive zu unterscheiden.

Kurzfristig möge die Überlegung der Regierung, das Gesundheitswesen durch einen Lockdown zu entlasten, sinnvoll sein. Langfristig seien Intensivbetten der größte Kostenfaktor in der Medizin. Deshalb sei es wichtig sicherzustellen, dass der Staat dauerhaft in der Lage sei, diese zu finanzieren. Ohne Steuerzahler werde das schwierig.

„Das ist im Ostblock schon einmal gescheitert“

In der derzeitigen Situation müsse eine immer kleinere Anzahl an Steuerzahlern nicht nur die üblichen Staatsaufgaben und die Maßnahmen zur Rettung der wirtschaftlich vom Lockdown Betroffenen finanzieren, sondern auch die Intensivmedizin, die einen erheblichen Kostenfaktor darstelle – und das vor dem Hintergrund, dass bereits 50 Milliarden Euro in den ersten Lockdown investiert worden seien.

Wir werden in Zukunft immer weniger Intensivbetten haben“, prognostiziert Bonelli, weil eine immer kleinere und immer stärker belastete Gruppe von Steuerzahlern nicht mehr in der Lage sein werde, diese Herausforderung zu bewältigen.

Diejenigen, die am meisten vom Lockdown profitierten – wie Amazon oder Microsoft – zahlten in Österreich keine Steuern.

Und das System, in dem der Staat die wenigen, die noch etwas leisten, ausschöpft und das, was er bekommt, an alle anderen verteilt, das ist schon einmal gescheitert. Das war der Ostblock.“

Betten auf den Gängen hat es „immer wieder gegeben“

Aus diesem Grund sei aus Bonellis Sicht elementar, kurzfristiges und langfristiges Denken klar auseinanderzuhalten. Ein Engpass im Bereich der Intensivbetten sei um diese Jahreszeit keine Ausnahmeerscheinung. In Jahren mit einer ausgeprägten Zahl an Grippepatienten sei dies eine übliche Erscheinung gewesen, ohne dass es eine öffentliche Aufregung nach sich gezogen habe.

„Wir als Ärzte stöhnten darüber und empfanden es als mühsam“, schildert Bonelli, „es gab in solchen Zeiten auch Gangbetten“ – obwohl Österreich mit Krankenhausbetten eigentlich gut ausgestattet sei. Eine Idealsituation, in der „in jedem Dorf dauerhaft zehn Intensivbetten zur Verfügung stehen“, sei zwar wünschenswert, aber nicht machbar.

In dieser Lage sei es aber umso weniger zielführend, leistungsbereiten Menschen das Arbeiten zu verbieten und sie mit ihrem eigenen Steuergeld fürs Nichtstun zu bezahlen.


Unterstützen Sie unabhängigen und freien Journalismus

Danke, dass Sie Epoch Times lesen. Ein Abonnement würde Sie nicht nur mit verlässlichen Nachrichten und interessanten Beiträgen versorgen, sondern auch bei der Wiederbelebung des unabhängigen Journalismus helfen und dazu beitragen, unsere Freiheiten und Demokratie zu sichern.

Angesichts der aktuell schwierigen Zeit, in der große Tech-Firmen und weitere Player aus dem digitalen Werbemarkt die Monetarisierung unserer Inhalte und deren Verbreitung einschränken, setzt uns das als werbefinanziertes Nachrichten-Portal unter großen Druck. Ihre Unterstützung kann helfen, die wichtige Arbeit, die wir leisten, weiterzuführen. Unterstützen Sie jetzt Epoch Times indem Sie ein Abo abschließen – es dauert nur eine Minute und ist jederzeit kündbar. Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

Monatsabo ab 7,90 Euro Jahresabo ab 79,- Euro

Gerne können Sie EPOCH TIMES auch durch Ihre Spende unterstützen:

Jetzt spenden!


Unsere Buchempfehlung

Alle Völker der Welt kennen den Teufel aus ihren Geschichten und Legenden, Traditionen und Religionen. Auch in der modernen Zeit führt er – verborgen oder offen – auf jedem erdenklichen Gebiet seinen Kampf gegen die Menschheit: Religion, Familie, Politik, Wirtschaft, Finanzen, Militär, Bildung, Kunst, Kultur, Medien, Unterhaltung, soziale Angelegenheiten und internationale Beziehungen.

Er verdirbt die Jugend und formt sich eine neue, noch leichter beeinflussbare Generation. Er fördert Massenbewegungen, Aufstände und Revolutionen, destabilisiert Länder und führt sie in Krisen. Er heftet sich - einer zehrenden Krankheit gleich - an die staatlichen Organe und die Gesellschaft und verschwendet ihre Ressourcen für seine Zwecke.

In ihrer Verzweiflung greifen die Menschen dann zum erstbesten „Retter“, der im Mantel bestimmter Ideologien erscheint, wie Kommunismus und Sozialismus, Liberalismus und Feminismus, bis hin zur Globalisierungsbewegung. Grenzenloses Glück und Freiheit für alle werden versprochen. Der Köder ist allzu verlockend. Doch der Weg führt in die Dunkelheit und die Falle ist bereits aufgestellt. Hier mehr zum Buch.

Jetzt bestellen - Das dreibändige Buch ist sofort erhältlich zum Sonderpreis von 50,50 Euro im Epoch Times Online Shop

Das dreibändige Buch „Wie der Teufel die Welt beherrscht“ untersucht auf insgesamt 1008 Seiten historische Trends und die Entwicklung von Jahrhunderten aus einer neuen Perspektive. Es analysiert, wie der Teufel unsere Welt in verschiedenen Masken und mit raffinierten Mitteln besetzt und manipuliert hat.

Gebundenes Buch: Alle 3 Bände für 50,50 Euro (kostenloser Versand innerhalb Deutschlands); Hörbuch und E-Book: 43,- Euro.

Weitere Bestellmöglichkeiten: Bei Amazon oder direkt beim Verlag der Epoch Times – Tel.: +49 (0)30 26395312, E-Mail: [email protected]

Kommentare
Liebe Leser,

vielen Dank, dass Sie unseren Kommentar-Bereich nutzen.

Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen, Schimpfworte, aggressive Formulierungen und Werbe-Links. Solche Kommentare werden wir nicht veröffentlichen. Viele Kommentare waren bisher schon anregend und auf die Themen bezogen. Wir bitten Sie um eine Qualität, die den Artikeln entspricht, so haben wir alle etwas davon.

Da wir die juristische Verantwortung für jeden veröffentlichten Kommentar tragen müssen, geben wir Kommentare erst nach einer Prüfung frei. Je nach Aufkommen kann es deswegen zu zeitlichen Verzögerungen kommen.

Die Kommentarfunktion wird immer weiter entwickelt. Wir freuen uns über Ihr konstruktives Feedback, sollten Sie zusätzliche Funktionalitäten wünschen an [email protected]


Ihre Epoch Times - Redaktion