Siegmar Faust in seiner Gegendarstellung an die Berliner Zeitung: „Das habe ich so nie gesagt“

Epoch Times2. Juni 2018 Aktualisiert: 2. Juni 2018 17:52
Als Reaktion auf angebliche "AfD-nahe und den Holocaust relativierende Äußerungen" in einem Interview, soll Siegmar Faust nicht mehr für Führungen in der Stasiopfer Gedenkstätte Hohenschönhausen eingesetzt werden. In einer Gegendarstellung erklärt Faust: „Was mir da in dem Bericht in den Mund gelegt wurde, habe ich so nie gesagt“.

Am Freitag berichteten wir über den früheren DDR-Dissidenten Siegmar Faust. Hubertus Knabe, Direktor der Stasiopfer Gedenkstätte Höhenschönhausen, erfuhr von angeblichen Aussagen, die Faust in einem Interview einem Reporter der Berliner Zeitung gegenüber geäußert haben soll.

Daraufhin entschied Knabe, den Gedenkstättenführer und Zeitzeugen der DDR-Diktatur nicht mehr für Führungen wegen „AfD-nahen und den Holocaust relativierenden Aussagen“ einsetzen zu wollen.

Faust erklärte allerdings am Samstag der „Jungen Freiheit“ gegenüber: „Was mir da in dem Bericht in den Mund gelegt wurde, habe ich so nie gesagt“.

Interview fand in einem ehemaligen Vernehmungszimmer statt

Hintergrund ist ein Bericht der Berliner Zeitung, laut dem der ehemalige politische DDR-Gefangene zum Autor des Textes, Markus Decker, während einer Führung AfD-Positionen vertreten und den Holocaust relativiert haben soll.

Faust zeigte sich verwundert darüber, dass zahlreiche Medien die Darstellung der Berliner Zeitung verbreiteten, ohne seine Version der Geschichte zu hören, berichtet die Junge Freiheit.

„Herr Decker [Reporter der Berliner Zeitung] und ich haben uns am Rande einer Führung am 22. Mai in der Gedenkstätte Hohenschönhausen in einem ehemaligen Vernehmungszimmer unterhalten. Er nahm das Gespräch mit dem Handy auf“, schilderte Faust gegenüber der JF das Treffen. Inhaltlich, so erklärt Faust, sei es um Wolf Biermann gegangen und die Frage, warum Faust die AfD gewählt habe.

Im Gespräch ging es dann um Horst Mahler

Dann ging es im Gespräch um Horst Mahler (verurteilter Holocaustleugner). „Ich finde es empörend, wenn jemand für ein Meinungsdelikt zwölf Jahre hinter Gitter muss. So etwas beunruhigt mich in einem Rechtsstaat. Aber das heißt doch nicht, dass ich die abstrusen Ansichten von Mahler teile“, betonte Faust gegenüber der JF.

„Es geht mir hierbei nicht um Mahler, sondern allein darum, dass jemand, und zwar egal wer auch immer, für ein Meinungsdelikt so lange ins Gefängnis muss, während ein Mörder wie Erich Mielke nach sechs Jahren wieder freigelassen wird und sogar noch Haftentschädigung bekommt“, so Faust weiter. Für Faust ist dies eine Schieflage, unabhängig von der Person Mahlers. „So etwas muss man doch wenigstens ansprechen und diskutieren dürfen. Wir leben doch nicht mehr in der DDR“, äußert Faust gegenüber der JF.

Faust wendet sich mit einer Gegendarstellung an die Berliner Zeitung

Die JF berichtet außerdem, dass sich Faust wegen der ihm unterstellten Zitate am Freitag mit einer Gegendarstellung an die Berliner Zeitung gewandt hat. Die Aussage über die heutige Wirkung der Naziverbrechen habe er „keinesfalls gesagt“. Sie verstoße „völlig gegen meine eigenen Grundsätze“, erläuterte Faust.

An die Bemerkung zur Zahl der sechs Millionen ermordeten Juden könne er sich nicht erinnern. Wenn, dann sei diese möglicherweise auf dem Weg zum Ausgang gefallen und nun „in einen absichtlich falschen Kontext gestellt“, so Faust in der JF.

Das Schreiben von Faust an die Berliner Zeitung mit der Gegendarstellung läge der JF vor. Darin findet sich ein weiterer Vorwurf von Faust an die Zeitung. Mit ihr habe er mündlich vereinbart, die Zitate vor Veröffentlichung gegenlesen zu dürfen, um diese abzusegnen. Dem habe der Autor zugestimmt, dann aber nichts mehr von sich hören lassen, so die JF.

Mitglied des Stiftungsbeirats: Faust sei kein Einzelfall

Unterdessen kritisierte ein Mitglied des Stiftungsbeirats, dass es sich bei Faust nicht um einen Einzelfall handele. „Ich betrachte mit Sorge die wachsende Nähe der Gedenkstätte Hohenschönhausen zur AfD und ihrem Rechtspopulismus“, warnte der Historiker Jens Gieseke. Es mehrten sich Stimmen, „die ein Problem mit Pluralismus und liberaler Demokratie haben“, berichtet die JF.

Gieseke weiter: Der Glaubwürdigkeit der Einrichtung würde es nachhaltig schaden, „wenn man sich mit Geschichtsrevisionisten einlässt“. Der Förderverein der Gedenkstätte sei ein „Einfallstor“. Als Beispiel nannte Gieseke den Vorsitzenden Jörg Kürschner, der auch für die JF tätig ist. „Das ist mit dem Auftrag einer so zentralen Aufarbeitungsstätte nicht zu vereinbaren“, behauptete Gieseke zu der JF. (er)

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