Soll es auch an deutschen Schulen ein Handyverbot wie in Frankreich geben? – Präsident der Kultusminister zweifelt

Epoch Times31. Juli 2018 Aktualisiert: 31. Juli 2018 21:45
Handyverbot an Deutschlands Schulen? Nicht sinnvoll, erklärt der Präsident der Kultusministerkonferenz, Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke). Was sagen die anderen Bundesländer?

Der Präsident der Kultusministerkonferenz (KMK), Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke), hat sich zurückhaltend zu einem möglichen Verbot von Smartphones an Schulen wie in Frankreich geäußert. Ein flächendeckendes, strenges Handyverbot wie in Frankreich stößt bei den Bildungsministern der Bundesländer weitgehend auf Ablehnung.

„Smartphones gehören heute für unsere Kinder und Jugendlichen zum Alltag dazu“, sagte Holter dem Redaktionsnetzwerk. Daher sollten Handys im Unterricht dort einbezogen werden, „wo es sinnvoll ist, zum Beispiel beim Recherchieren, Fotografieren, Filmen, mit Apps lernen“.

Der Einsatz der Geräte müsse also dem Unterrichtszweck dienen, „dem steht ein Handyverbot nicht entgegen“, sagte Holter weiter. Ein Handyverbot sei sinnvoll, wenn es zur Vermeidung von Unterrichtsstörungen diene.

Frankreich erlaubt die Nutzung weiterhin für den Unterricht

Die französische Nationalversammlung hatte am Montag ein umfassendes gesetzliches Handyverbot an Schulen verabschiedet. Die neue Regelung sieht ein Komplettverbot internetfähiger Geräte wie Handys, Tablets und Smartwatches in allen Räumlichkeiten und bei schulischen Aktivitäten auch außerhalb des Schulgebäudes vor.

Ausnahmen gibt es in Frankreich für den Gebrauch für den Unterricht sowie für Kinder mit einer Behinderung. Die Initiative war ein Wahlkampfversprechen von Präsident Emmanuel Macron.

Hamburgs Bildungssenator: „Quatsch“

„Ich bin der Überzeugung, dass die Schulen selbst entscheiden sollten, ob es ein partielles oder ein generelles Verbot im eigenen Haus geben soll“, sagte der Präsident der Kultusministerkonferenz (KMK), Thüringens Ressortchef Helmut Holter (Linke).

Die meisten seiner Amtskollegen sehen das ähnlich – unabhängig von ihrer Parteizugehörigkeit. Hamburgs SPD-Bildungssenator Ties Rabe hält das Vorgehen der Franzosen für „Quatsch“, und Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien (CDU) betont: „So eine zentralstaatliche Vorgabe ist uns fremd.“

Auch Lehrer und Eltern wollen das Mobiltelefon nicht komplett aus den deutschen Schulen verbannen – zumindest nicht, solange die technische Ausstattung vielerorts von gestern ist.

In Deutschland ist es meist nur untersagt, das Smartphone während des Unterrichts zu verwenden. Eine einheitliche Regelung gibt es allerdings nicht, denn die Schulen fallen – anders als im zentralistisch organisierten Frankreich – in die Zuständigkeit der 16 Bundesländer. Und selbst die Ländern regeln solche Fragen nicht immer zentral per Gesetz, sondern überlassen das den einzelnen Schulen und den dort gültigen Hausordnungen.

Sachsen-Anhalt: Schulen sollen selbst entscheiden

Sachsen-Anhalts Bildungsminister Marco Tullner (CDU) spricht sich dafür aus, dass das auch so bleibt: „Die Schulleitungen entscheiden das ganz individuell, was erlaubt und was verboten wird.“ Schulen, die Handys etwa für Recherchezwecke gezielt im Unterricht einbauen wollten, sollten auch die Möglichkeit dazu haben. Die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) sieht das genauso: „Die Schulleiterinnen und Schulleiter wissen am besten, wie sie vor Ort an ihrer Schule mit dieser Frage umgehen.“

Einig sind sich die meisten Bildungspolitiker, der Bundeselternrat und der Verband Bildung und Erziehung (VBE) darin, dass Handys keine Störungen im Unterricht verursachen dürften und die Schüler auch nicht vom Lehrstoff ablenken sollten.

Doch ganz von den Schulen verbannt werden sollen die Mobiltelefone demnach eben auch nicht. Die Schulen seien technisch noch nicht gut genug ausgerüstet, um ganz auf Mobiltelefone zu verzichten, sagt Elternrats-Chef Stephan Wassmuth. Der VBE-Vorsitzende Udo Beckmann bemängelt ebenfalls die größtenteils „steinzeitliche Ausstattung“. Daher müssten Lehrer auf die Mittel zurückgreifen, die Schüler mitbrächten.

Bayern: Handys ohnehin nur zu Unterrichtszwecken erlaubt

An Bayern Schulen sind Mobiltelefone derzeit ohnehin nur zu Unterrichtszwecken erlaubt. Ob das so bleibt, wird das kommende Schuljahr zeigen. Dann lässt der bayerische Kultusminister Bernd Sibler (CSU) an den Schulen des Freistaats nämlich mögliche Neuregelungen für eine private Handynutzung testen.

Angesichts der rasanten technischen Entwicklung werden sich die Uhren aber auch in Bayern kaum zurückdrehen lassen.

Der saarländische Bildungsminister Ulrich Commerçon (SPD) hält übertrieben strenge Vorschriften deshalb für unrealistisch. „Digitalisierung und die Verwendung mobiler Endgeräte wird nicht vor den Schultoren Halt machen“, sagt er.

(afp/dpa)

 

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