Trotz STIKO-Warnung: Hamburger 2G-Modell wird ungeimpfte Kinder ausgrenzen

Von 27. August 2021 Aktualisiert: 27. August 2021 9:18
Die Hamburger Regierung prescht weiter voran. Ungeimpften wird es bald kaum noch möglich sein, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Selbst Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren werden dann von Kino, Museum und Sporthalle ausgeschlossen – entgegen der Warnung der STIKO.

Die kürzlich gemachte Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) des Robert Koch-Instituts (RKI) zur Impfung von Kindern und Jugendlichen ab zwölf Jahren sorgt in Hamburg für übereifrige Reaktionen.

Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) sind die seit Montag geltenden 3G-Regeln der Bundesregierung nicht genug.

Der Sozialdemokrat führt in der Hansestadt ein 2G-Modell ein, dass von Gastwirten und Veranstaltern „optional“ angewandt werden kann, um gewisse betriebliche Einschränkungen hinsichtlich der Corona-Maßnahmen zu umgehen.

Eindringliche STIKO-Warnung

Nun tritt im rot-grün regierten Hamburg genau das ein, wovor die STIKO ausdrücklich gewarnt hatte. In einer Mitteilung zur Impfempfehlung erklärte die STIKO, dass die Empfehlung in erster Linie auf den direkten Schutz der geimpften Kinder und Jugendlichen vor COVID-19 abziele.

Das Experten-Gremium erklärte aber auch, dass es sich ausdrücklich dagegen ausspricht, „dass bei Kindern und Jugendlichen eine Impfung zur Voraussetzung sozialer Teilhabe gemacht wird.“

Hohe Bußgelder bei 2G-Verstößen

Das neue Hamburger Modell wurde am Dienstag beschlossen. Nach Angaben der „Hamburger Morgenpost“ (MOPO) müssen sich Gewerbetreibende, die sich für das 2G-Optionsmodell entscheiden, dafür sorgen, dass kein Ungeimpfter Zutritt erhält.

Lichtbildausweise und Impf- bzw. Genesenennachweise müssen am Eingang kontrolliert werden. Es werde auch Stichproben von Polizei und Gesundheitsamt zur Einhaltung der neuen 2G-Corona-Regeln geben.

Bei Verstößen drohen den Unternehmern Bußgelder von 1.000 bis 20.000 Euro und möglicherweise auch der Entzug der 2G-Option. Auf volljährige ungeimpfte Besucher, die Zutritt erlangt haben, kommen 150 Euro Bußgeld zu.

Kein Kino für ungeimpfte Kinder

Wie die „Bildzeitung“ berichtet, gelte für die Altersgruppe der 12- bis 17-Jährigen zwar eine „Schonfrist“ von sechs Wochen, doch dann gelte auch für sie das Hamburger 2G-Modell, was bedeute, dass ungeimpfte Kinder und Jugendliche bald schon in Hamburg nicht mehr in Kinos, Zoos oder Sporthallen gehen können.

Auch Museen und Theateraufführungen sowie Musicals könnten ungeimpften jungen Menschen in Hamburg verwehrt werden.

Aufgrund der Hamburger Maßnahmen werden wohl bald schon für ungeimpfte Kinder Schulausflüge in für sie verbotene Kultureinrichtungen nicht mehr möglich sein. Auch für gemeinsame Restaurantbesuche von Familien mit ungeimpften Familienmitgliedern dürfte es damit vorbei sein.

Allerdings hängt dies noch davon ab, inwieweit das 2G-Optionsmodell von der Wirtschaft aufgenommen wird. Gegenüber der MOPO habe beispielsweise die Elbphilharmonie erklärt, dass für Veranstaltungen, für die bereits Karten vorverkauft worden sind, keine Umwandlung in das neue Modell vorgesehen ist.

Senat: „Niemand ist gezwungen …“

Bei der ARD-„Tagesschau“ verwies Kolja Schwartz aus der ARD-Rechtsredaktion darauf, dass bei möglichen zu erwartenden Klagen vor Hamburger Gerichten zwei Fragen von Bedeutung sein werden: „Erstens: Gehen von den Geimpften weniger Gefahren aus? Zweitens: Sind die Einschränkungen für die Nicht-Geimpften wirklich erforderlich für den Gesundheitsschutz der Bevölkerung?“.

Als die „Bild“ beim Hamburger Senat nachfragte, äußerte eine Sprecherin, dass man ja keinen Druck ausübe, denn: „Niemand ist gezwungen, Angebote nur für Geimpfte und Genesene zu schaffen.“

Großes Pech und nicht einmal eine Entscheidungsmöglichkeit haben allerdings jene Menschen, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können.

Laut Hamburger Senat sollten diese ohnehin Veranstaltungen meiden und Hamburgs sozialdemokratische Sozialsenatorin Melanie Leonhard meinte nur, dass diese Gruppe ohnehin weniger als ein Prozent der Bevölkerung ausmache.



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