Droht der deutschen Industrie jetzt flächendeckend Kurzarbeit?

Epoch Times8. Juli 2019 Aktualisiert: 8. Juli 2019 16:23
Nach einer Umfrage des Münchner Ifo-Instituts fahren derzeit bereits 3,8 Prozent der Unternehmen im Verarbeitenden Gewerbe Kurzarbeit. 8,5 Prozent erwarten Kurzarbeit in den kommenden drei Monaten. Das ist der höchste Wert seit 2013, wie das Institut mitteilte.

In den nächsten Monaten droht der deutschen Industrie erstmals wieder massenhaft „Kurzarbeit“. Die Industrie befinde sich auf Schrumpfkurs, sagte Clemens Fuest, Präsident des Münchner Ifo-Instituts, der „Bild“ (Montagsausgabe). Wenn sie sich nicht stabilisiere, werde die Krise auf die anderen Sektoren übergreifen.

Nach einer Umfrage des Münchner Ifo-Instituts fahren derzeit bereits 3,8 Prozent der Unternehmen im Verarbeitenden Gewerbe Kurzarbeit. 8,5 Prozent erwarten Kurzarbeit in den kommenden drei Monaten. Das ist der höchste Wert seit 2013, wie das Institut mitteilte.

„Vor allem die Autoindustrie und die Chemie sind betroffen“, so Fuest. Neue Massenarbeitslosigkeit drohe zwar nicht, sagte Michael Hüther, Chef des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln. „Aber Handelskonflikte und strukturelle Verunsicherung (Automobilindustrie) führen zu verstärkter Kurzarbeit.“

Die konjunkturelle Abschwächung hinterlässt allmählich ihre Spuren auf dem Arbeitsmarkt“, erklärte Professor Timo Wollmershäuser, Leiter der ifo-Konjunkturprognosen. „Die deutsche Industrie befindet sich seit Mitte vergangenen Jahres in einer Rezession.“ Kurzarbeit helfe, Fachkräfte in schwierigeren Zeiten zu halten.

Wenn ein Betrieb etwa wegen fehlender Aufträge die Arbeitszeit verringern muss, zahlt die Bundesagentur für Arbeit Kurzarbeitergeld an die Arbeiter und Angestellten aus. So sollen Entlassungen vermieden und der Verdienstausfall teilweise ausgeglichen werden.

Forderung nach Reformen immer lauter

Angesichts dieser Krisen-Zeichen werden die Forderungen nach Reformen immer lauter:

Nach zehn Jahren Wachstum und Ausbau des Sozialstaats müssen wir jetzt endlich wieder Reformen auf den Weg bringen“, sagte Unions-Mittelstandschef Carsten Linnemann (CDU) der „Bild“.

Deutschland brauche „eine umfassende Unternehmenssteuerreform, eine Modernisierung des Arbeitszeitgesetzes und eine breite Digitalisierungs-Offensive.“ Ähnlich äußerte sich der FDP-Arbeitsmarktpolitiker Johannes Vogel. Er verlangte „mehr Flexibilität für mobiles Arbeiten und eine nationale Weiterbildungsstrategie“, um die weiterhin vielen offenen Stellen zu besetzen. Die GroKo lebe immer noch „von der arbeitsmarktpolitischen Substanz“, sagte Vogel der „Bild“. Dieser Kurs stoße mit der sich abkühlenden Konjunktur zunehmend an Grenzen.

Im März waren 41.800 Arbeitnehmer in Kurzarbeit, ein Jahr zuvor nur knapp 27.000, wie die „Süddeutsche Zeitung“ am Montag unter Berufung auf Hochrechnungen der Bundesagentur für Arbeit (BA) berichtete. Im Februar dieses Jahres hatten demnach sogar 44.500 Beschäftigte aus konjunkturellen Gründen Kurzarbeitergeld von den Arbeitsagenturen bezogen.

Beratungsbedarf bei den Firmen in Sachen Kurzarbeit sei gestiegen

Ein Sprecher der BA sagte der „Süddeutschen“, der Beratungsbedarf bei den Firmen in Sachen Kurzarbeit sei gestiegen – allerdings „auf einem niedrigen Niveau“. Kurzarbeit hilft Firmen, Auftragsflauten in konjunkturell schwierigen Zeiten ohne betriebsbedingte Kündigungen zu überstehen. Das Kurzarbeitergeld, in der Regel 60 Prozent des ausgefallenen Nettoeinkommens, zahlt die Bundesagentur.

Verglichen mit der Hochphase der Kurzarbeit in der Finanzkrise ist die Zahl jedoch sehr gering: Im Krisenjahr 2009, als das Wachstum in Deutschland um fünf Prozent einknickte, waren bis zu 1,5 Millionen Arbeitnehmer in Kurzarbeit beschäftigt. Hunderttausende konnten nur so ihren Job behalten.

Kurzarbeit werde vor allem in der Industrie genutzt, „in der es mal schnell zu einem deutlichen Auftragsrückgang kommen kann“, sagte Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Zeitung. „In solchen Fällen ist Kurzarbeit auch besonders sinnvoll, wenn man erwarten kann, dass das Geschäft mittelfristig wieder besser läuft.“ (dts/afp)

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