WHO-Epidemiologe Stöhr: Corona-Politik der Regierung „weit weg von der Realität“

Von 21. Januar 2021 Aktualisiert: 21. Januar 2021 15:41
Die SPD-geführten Länder wollten den WHO-Epidemiologen Klaus Stöhr in der Beraterrunde für die Corona-Konferenz von Bund und Ländern sehen. Das Kanzleramt berücksichtigte ihn nicht. Nun hat er seinerseits im „Münchner Merkur“ das Wort ergriffen.

Zu den Beratungen mit Wissenschaftlern im Vorfeld der Bund-Länder-Konferenz über die Verlängerung und teilweise Verschärfung der Corona-Maßnahmen war der WHO-Epidemiologe Klaus Stöhr – trotz einer Anregung vonseiten SPD-geführter Länder – nicht eingeladen. Nun hat er sich über die Medien zu Wort gemeldet und der deutschen Politik eine verfehlte Corona-Strategie vorgeworfen.

Stöhr hat lange Erfahrung mit WHO-Programmen zur Epidemiebekämpfung

Mangelnde Qualifikation oder Erfahrung dürfte nicht der Grund gewesen sein, warum Stöhr nicht Teil der wissenschaftlichen Beraterrunde war: Immerhin leitete dieser bereits das Programm der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Eindämmung der Influenza und koordinierte deren Forschung zu den SARS-Viren.

Im Interview mit dem „Münchner Merkur“ gibt Stöhr der Befürchtung Ausdruck, dass die derzeitige Strategie der Regierung, einen Lockdown an den anderen zu reihen, ohne Differenzierungen vorzunehmen, Gefahr laufe, die Rückendeckung in der Bevölkerung zu verlieren.

Besonders kritisch sieht Stöhr die Schließung von Kindergärten und Grundschulen. Immerhin seien alte Menschen die primäre Risikogruppe. „Wie man mit einer weiteren Schließung von Kindergarten- und Schulschließungen das Infektionsgeschehen in Altenheimen eindämmen kann, verstehe ich gar nicht“, erklärt der Epidemiologe.

Schritte dieser Art sollten seiner Einschätzung nach die Ultima Ratio in absoluten Krisensituationen sein – „und diese Krisensituation sehe ich derzeit nicht“.

Epidemiologe wundert sich, dass man sich mit „Zero Covid“ ernsthaft befasst

Vor allem warnt Stöhr vor dem „Zero Covid“-Ansatz, den jüngst Akademiker und Prominente ins Spiel gebracht haben, und der eine vollständige Stilllegung der Wirtschaft fordert, die pauschal als „nicht lebensnotwendig“ bezeichnet wird. Die Initiatoren wollen den von ihnen favorisierten europaweiten Komplett-Lockdown auch zur Umverteilung von Vermögen nutzen.

Die Braunschweiger Genetikerin Melanie Brinkmann ist eine erklärte Befürworterin dieser Kampagne und war auch in der Expertenrunde der Bund-Länder-Runde unter Führung von Kanzlerin Angela Merkel vertreten.

„Zero Covid ist Zero realistisch“, gibt Stöhr zu bedenken, erst recht in der kalten Jahreszeit. „Dieses Ziel zu erreichen und dann langfristig in der Mitte von Europa im Winter zu halten, ist so weit weg von der Realität. Ich wundere mich, dass man sich ernsthaft damit befasst.“

„Deutschland kann auch mit Inzidenz von 180 leben“

Im Winter sei, so Stöhr weiter, sogar das von der Regierung ausgegebene Lockdown-Ziel einer Sieben-Tage-Inzidenz von maximal 50 Neuinfektionen pro Tag „illusorisch, reines Wunschdenken“. Es solle aufgegeben werden. Die gute Nachricht sei, dass Deutschlands Gesundheitswesen sogar mit Inzidenzen von 130, 160 oder sogar 180 umgehen könne. Die Kliniken seien dann zwar „belastet, aber nicht überlastet“.

Zuletzt lag die Sieben-Tage-Inzidenz in Deutschland bei 119. Die höchste Inzidenz in einem Landkreis registrierte das RKI mit über 880 Fällen pro 100.000 Einwohnern Anfang des Jahres im sächsischen Vogtlandkreis.

Stöhr befürwortet zwar abgestimmte und zielgruppengerechte Maßnahmen gerade in Monaten wie diesen, warnt jedoch vor falschen Vorstellungen:

„Das Virus ist flächendeckend verbreitet, wir haben eine drei- bis fünffache Dunkelziffer bei den Infektionszahlen. Es wird noch ein paar Wochen lang kalt sein, wodurch sich das Virus leichter ausbreiten kann als im Sommer.“

Die Inzidenz von Atemwegserkrankungen sei im Winter grundsätzlich zehn bis fünfzehn Mal so hoch wie im Sommer, das sei auch bei Corona nicht anders. Auch ein noch so harter Lockdown werde in dieser Zeit keine Inzidenz unter 100 ermöglichen können.

Mutation B117 nicht überbewerten

Der Epidemiologe hält Panik in Anbetracht der Mutationen des Virus, wie sie etwa in Form von B117 in Großbritannien auftreten, nicht für angemessen. Auch wenn diese Variante offenbar infektiöser sei als die ursprüngliche Variante, glaube er aus Sicht eines Seuchenbekämpfers, dass auch diese in den Griff zu bekommen seien.

Stöhr verweist auf Einschätzung dortiger Gesundheitsbehörden, wonach auch der jüngste starke Anstieg der Infektionszahlen in Irland nicht durch B117 bedingt sei. Lediglich der prozentuale Anteil dieser Variante an den Infektionen insgesamt sei höher geworden. In den vergangenen zehn Tagen habe sich die Zahl der Neuansteckungen jedoch etwa um die Hälfte verringert.

Ohne Positivagenda geht Rückhalt der Bevölkerung verloren

Um nicht die Unterstützung der Bevölkerung für die Pandemiepolitik zu verlieren, rät Stöhr der Politik, nicht allein auf Druck zu setzen, sondern ein positives Ziel zu kommunizieren. Neben Viren und Epidemiologen müssten dazu auch Sozialwissenschaftler, Kommunikationsexperten oder Gesundheitsökonomen hinzugezogen werden.

Es werde nicht funktionieren, die Akzeptanz der Corona-Maßnahmen aufrechtzuerhalten ohne ein „langfristiges, erreichbares Ziel, eine Positivagenda und die vage Hoffnung, dass es nach dem Lockdown alles anders wird“.



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