Greta Thunberg und Izabella Nilsson Jarvandi: Die unterschiedliche Wahrnehmung von Kinderkreuzzügen

Von 4. März 2019 Aktualisiert: 5. März 2019 13:51
Gleich zwei politische Bewegungen in Europa verfügen derzeit über minderjährige Wortführerinnen aus Schweden: Die eine davon kann auf die volle Unterstützung durch Medien, Politik und Ökolobby zählen, die andere nur auf deren Schweigen.

„Extinction Rebellion“ nennt sich eine „Klimaschutz“-Bewegung – und wer die immer häufiger werdenden Medienartikel noch in Erinnerung hat, die den Verzicht auf eigene Kinder als moralischen Imperativ im Kampf gegen die „menschengemachte Erderwärmung“ anmahnen, könnte fast unsicher werden, ob es dieser Rebellion darum geht, die Menschheit vor der angeblichen Auslöschung zu bewahren oder sie erst zu dieser anzuhalten.

Nach eigener Darstellung geht es den Aktivisten aber darum, das angeblich drohende Ende der Menschheit durch eine Klimakatastrophe zu verhindern – und dass sie ein Unternehmen gegründet haben namens „We don’t have time“, das ja den Gesetzen der Logik zufolge auf zahlende Kunden angewiesen ist, spricht ebenfalls eher für diese Variante. Zweck der Geschäftstätigkeit sei es demnach, das „Schweigen“ der Medien über die „Klimakrise“ zu beenden.

Schweigen der Medien über die Klimakrise? Bereits 1989 gaben Meldungen wie jene der Nachrichtenagentur AP, auf die Medien in aller Welt zurückgreifen, UNO-Berichte wieder, denen zufolge nur noch zehn Jahre Zeit blieben, um das Auslöschen ganzer Völker durch den „menschengemachten Klimawandel“ zu verhindern. Obwohl dieses im Jahr 2000 wie auch in den Folgejahren ausgeblieben ist, haben Sender wie BBC sogar eine Anordnung erlassen, keine Skeptiker mehr einzuladen, wenn es um die „menschengemachte Erderwärmung“ geht. Dennoch meinen die Protagonisten von „We don’t have time“, die Medien würden das Thema ignorieren.

Ein Testimonial, dem man Inkonsequenz verzeiht

Möglicherweise auch deshalb hat Gründer Ingmar Rentzhog es für erforderlich befunden, sein „Hybrid“ zwischen gewinnorientiertem Unternehmen und gemeinnützigem Projekt ein Werbe-Testimonial zu verpassen, das ihm als geeignet erschien, um dem vermeintlich verschwiegenen Thema der „Klimakrise“ ein Gesicht zu geben.

Dieses wurde die 16-jährige Greta Thunberg, eine kindliche Erscheinung mit – politisch sonst bekanntlich als unkorrekt geltenden – Zöpfen, die Beschützerinstinkte weckt und der man auch schon mal nachsieht, wenn sie in Plastik verpacktes Essen während ihrer Zugfahrten konsumiert oder sich selbst mit dem Familienhund abbildet, obwohl die angeblich über das Klimathema schweigenden Medien Haustiere ausdrücklich als „Klimasünder“ geoutet haben.

Nachdem Greta Thunberg im Mai 2018 einen Aufsatzwettbewerbes der Zeitung „Svenska Dagbladet“ gewonnen hatte, bot sich der ebenfalls bei „Extinction Rebellion“ engagierte PR-Profi Bo Thorén an, um sie als Werbetestimonial in Szene zu setzen.

Die Medien, die angeblich die „Klimakrise“ verschweigen, halfen in weiterer Folge tatkräftig mit, um aus Greta eine Art Popstar zu machen. Stand sie zu Beginn noch alleine mit einem handbemalten Schild da, um zum Schulstreik aufzurufen – und damit eine der wesentlichsten Institutionen zu boykottieren, die den Narrativ von der „menschengemachten Erderwärmung“ weiterreichen –, schickten Renzhog und Thorén das Bild via Social Media um die Welt.

Politiker erkennen Chance zur Profilierung

Auch die Auftritte in Kattowitz und Davos halfen mit, Greta Publicity und „We don’t have time“ Startkapital zu verschaffen. Auch wenn sie mehr oder minder vor leeren Rängen sprach, hatte die angepasste Rebellin längst einen Kultstatus in der „Klimaschutz“-Gemeinde erlangt, der es für Politiker zum Karriererisiko werden ließ, ihre Aktivitäten zu bemängeln.

Sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel höchstpersönlich hat, nachdem sie anfänglich noch russische Einflussagenten dahinter gewittert hatte, mittlerweile dem „Schülerstreik“ ihren Segen erteilt und damit deutlich gemacht, dass selbst eine heilige Kuh wie die Schulpflicht in Deutschland zur Disposition steht, wenn ein moralisch erhabener Anlass zum Tragen kommt.

Während Greta Thunbergs Engagement für ein Ende der Wachstumsökonomie treuherzige Zusicherungen vonseiten vieler Politiker, man begrüße es, wenn „junge Menschen für ihre Zukunft aufstehen“, und sogar eine Senkung des Wahlalters fordern, bleibt es verhältnismäßig still, wenn sich ein solches Engagement anderen Schwerpunkte widmet.

Ebenfalls aus Schweden kommt die 15-jährige Izabella Nilsson Jarvandi und ihre Fangemeinde ist überschaubarer als die Greta Thunbergs. Auch die Medien sind sehr schweigsam, wenn es um ihre Twitter-Mitteilungen oder ihre öffentlichen Auftritte geht, unter anderem bei Demonstrationen der „Gelbwesten“ in Stockholm.

‏Gegen Gender und Globalismus

Ein lukratives Geschäftsmodell steht nicht hinter ihr. Den Wunsch, dass ihre Leser in Panik verfallen, hat sie auch noch zu keiner Zeit geäußert, und doch artikuliert sie Sorgen, mit denen sie auch in ihrem Land nicht alleinsteht.

Nicht sie selbst oder ihre Follower seien extrem oder verrückt, sondern die Herrschenden, erklärt sie wiederholt in ihren Beiträgen – und sie begründet dies mit Hinweisen wie jenen auf Genderismus propagierende Kindergartenbücher oder die aktiven Bemühungen schwedischer Politiker, im Irak und in Syrien festgesetzte IS-Terroristen wieder zurückzuholen.

Ihre Kritik geht unter anderem „gegen Globalismus und Machtmissbrauch“, sie bezeichnet „antifaschistische“ Gegendemonstranten als „gehirngewaschene Soldaten einer extremen herrschenden Klasse“ und veröffentlicht regelmäßig Zahlen und Daten über die Zunahme von Verbrechen gegen die sexuelle Selbstbestimmung, wie sie Schweden insbesondere in den letzten Jahren zu verzeichnen hatte.

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Izabella solidarisiert sich ausdrücklich mit Ungarn und dessen jüngst auf den Weg gebrachten Familienförderungspaket, das von der schwedischen Regierung scharf kritisiert worden war. Stattdessen gehörte sie zu den aktivsten Gegnerinnen des UN-Migrationspaktes in ihrem Land.

Ängste nicht nach Rationalität unterschieden, sondern nach sozialer Erwünschtheit

In mancherlei Hinsicht klingt sie ihrem medial gehypten Pendant aus der linksliberalen Oberschicht nicht unähnlich, etwa wenn sie Andeutungen in Richtung eines möglichen „Genozids am eigenen Volk“ äußert.

Aber wer junge Menschen dazu auffordern will, sich öffentlich einzubringen, wird in Kauf nehmen müssen, dass diese auch möglicherweise übertriebene oder irrationale Ängste zur Sprache bringen – zumal es ernstzunehmende Anhaltspunkte dafür gibt, dass die „Panik“, die Greta Thunberg anmahnt, selbst auf Ängsten beruht, die nicht wesentlich substanziierter sind. Der Unterschied liegt eher darin, dass in dem einem Fall die Ängste gesellschaftlich erwünscht sind und im anderen verpönt.