Marco Zanni: „Eurozone auflösen, bevor es zu einem Bürgerkrieg kommt“

Epoch Times2. Juli 2016 Aktualisiert: 8. Juli 2016 5:06
Marco Zanni von der Fünf-Sterne-Bewegung (Italien) plädiert für eine geordnete Abwicklung des Euro-Währungsverbundes, da der Euro als Währung nicht funktioniert. „Wir sollten die Eurozone auflösen, bevor es in Europa zu einem Bürgerkrieg kommt. Noch nie war die Stimmung in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg so vergiftet wie heute.“

Die Deutschen Wirtschaftsnachrichten führten ein Interview mit Marco Zanni, EU-Abgeordneter der Fünf-Sterne-Bewegung in Italien, die in Rom und Turin die Spitzenplätze in der letzten Wahl gewinnen konnte. Hier einige Eckpunkte daraus, das vollständige Interview befindet sich hier.

Marco Zanni plädiert für eine geordnete Abwicklung des Euro-Währungsverbundes, da der Euro als Währung nicht funktioniert. Die Volkswirtschaften seien einfach zu unterschiedlich und die Handelsbilanzen zu unausgeglichen.

Die DWN fragten unter anderem: „Bundeskanzlerin Merkel und Bundesfinanzminister Schäuble sagen: Die Wettbewerbsfähigkeit in den Ländern des Südens, aber auch in Frankreich, muss verbessert werden.“

Die Antwort von Marco Zanni: „Das ist doch illusorisch. Wir können uns nicht gegenseitig immer so weit runterregulieren, bis die Arbeitnehmer am Ende gar nichts mehr verdienen. Dann wären unsere Volkswirtschaften erst recht erledigt, weil niemand mehr etwas kaufen kann.“

Knapp 80 Prozent des Bundeshaushaltes in die Rettung des Euro stecken? Unmöglich.

Er beschreibt, dass die Milliarden Euro, die beispielsweise in Griechenland eingebracht wurden, um den Staatsbankrott zu vermeiden, zu keiner volkswirtschaftlichen Erholung der Länder führten. Und: „Die Wachstumsraten der Länder der Euro-Zone liegen deutlich hinter denen der europäischen Länder zurück, die den Euro nicht haben.“

Marco Zanni ist seit 2014 Abgeordneter im Europäischen Parlament und verantwortlich im Haushaltsausschuss und im Ausschuss für Wirtschaft und Währung. Er nennt ganz andere Zahlen, die Deutschland leisten müsste, um die Eurozone in der jetzigen Form zu erhalten: „Der französische Ökonom Jacques Sapir hat ausgerechnet, dass allein Deutschland Transferzahlungen von 230 Milliarden Euro pro Jahr leisten müsste. Und das über einen Zeitraum von mindestens zehn Jahren. Bei einem Bundeshaushalt von vielleicht 300 Milliarden wäre der Posten „Euro-Rettung“ damit mit Abstand der größte.“

Das hieße, knapp 80 Prozent des Bundeshaushaltes in die Rettung des Euros zu stecken. „Es liegt auf der Hand, dass dies nicht möglich wäre. Selbst in Deutschland könnte dann die Stimmung gegen Frau Merkel und die Euro-Apologeten kippen. Wir sollten die Eurozone auflösen, bevor es in Europa zu einem Bürgerkrieg kommt. Noch nie war die Stimmung in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg so vergiftet wie heute.“

Er schlägt vor: „Wir müssen uns an einen Tisch setzen und darüber verhandeln, wie wir die Eurozone einvernehmlich auflösen können. Denn der Euro in seiner jetzigen Form wird scheitern. Nur sollten wir bis dahin nicht noch mehr Porzellan zerschlagen, als es schon geschehen ist.“

Die Fünf-Sterne-Bewegung M5S ist eine politische Bewegung. Sie sieht sich als freie Bürgerversammlung, die von dem prominenten Kabarettisten Beppe Grillo 2009 gegründet wurde. Die fünf Sterne bedeuten: Ambiente, Acqua, Sviluppo, Connettività, Trasporti, übersetzt: Umwelt, Wasser, Entwicklung, Konnektivität und Verkehr (Wikipedia). (ks)

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