Schwedens Gesundheitswesen wird zur Hochrisiko-Zone: Bedrohungen und Übergriffe gegen Personal häufen sich

Von 26. Februar 2019 Aktualisiert: 27. Februar 2019 12:55
Mitarbeiter von Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen in Schweden klagen zunehmend über Gefahren für Leib und Leben, die ihr Beruf mit sich bringe. Vor allem Männer mit Migrationshintergrund würden in zunehmend aggressiver Weise ihre Forderungen untermauern.

Der schwedische freie Journalist Joakim Lamotte hat auf seinem Facebook-Account die Mitarbeiterin einer Klinik in einer mittelgroßen Stadt des Landes zu Wort kommen lassen, deren Zeugnis seinen Angaben zufolge nur eines von vielen sei, die ihn aus dem staatlichen Gesundheitswesen des Landes erreichten.

Mittlerweile hätten auch die ersten Gewerkschaften öffentlich auf die Klagen von Mitarbeitern Bezug genommen, die den Eindruck gewonnen haben, dass eine Tätigkeit in schwedischen Krankenhäusern oder Pflegeeinrichtungen mehr und mehr zu einem Hochrisiko-Job geworden sei.

Tatsächlich seien in schwedischen Gesundheitseinrichtungen zunehmend schusssicheres Glas, der Einsatz von Türstehern, der Einbau von Alarmknöpfen für das Personal oder Selbstverteidigungskurse für die Mitarbeiter zu verzeichnen. Die Bedrohungssituation für Beschäftigte in der Pflege und im Gesundheitswesen habe sich im Laufe der letzten Jahre deutlich zugespitzt.

Gewalt und Drohungen mit Waffen werden zur Alltagserscheinung

Bereits im Jahr 2011 gaben in einer Untersuchung eines Teams unter der Leitung von Kerstin Petzäll von der Karlstads-Universität 66 Prozent des Ambulanzpersonals an, bei ihrer Arbeit schon einmal Drohungen oder Gewalt ausgesetzt gewesen zu sein. Davon gaben 26 Prozent bzw. 16 Prozent an, dass die Erfahrung mit Drohungen bzw. Gewalt weniger als ein Jahr zurücklag. In 27 Prozent der Fälle physischer Gewaltandrohung seien Waffen im Spiel gewesen.

Der staatliche Rundfunk SVT berichtete im November, eine Mitarbeiterbefragung in einer Notaufnahme in Kalmar habe ergeben, dass 50 Prozent der Befragten im Jahr vor der Erhebung Drohungen oder Gewalt am Arbeitsplatz ausgesetzt waren. Ein Bericht des gleichen Senders aus dem Jahr 2017 legt nahe, dass nicht allein Kalmar von der Entwicklung betroffen sei.

Eine medizinische Sekretärin namens Josefin führte mit Lamotte ein Interview, in dem sie Erfahrungen ansprach, über die den Journalisten in gleicher oder ähnlicher Weise auch eine Vielzahl weiterer Mitarbeiter im schwedischen Gesundheitswesen in Kenntnis gesetzt hatten. Offen wagen Betroffene Lamotte zufolge kaum darüber zu sprechen, zu groß sei die Angst vor beruflichen Konsequenzen.

Immer häufiger ist jedoch die Rede davon, dass die Situation drohe, außer Kontrolle zu geraten. „In der Zeit, in der ich gearbeitet habe, gab es viele Veranstaltungen, in denen Mitarbeiter äußerten, sich auf unterschiedliche Weise bedroht zu fühlen“, erklärte Josefin ihrem Interviewpartner. „Ich habe das Gefühl, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bevor etwas Ernstes passieren kann. Selbst ich habe das schon gehabt.“

Je jünger, desto aggressiver

Übereinstimmend berichten die Betroffenen, so Lamotte, dass es hauptsächlich männliche Patienten oder Angehörige mit Migrationshintergrund wären, die sich in zunehmendem Maße aggressiv oder gewalttätig gegenüber dem Personal verhielten. Im Unterschied zu früheren Zeiten, wo vor allem Drogensüchtige oder psychisch Kranke das größte Gefährdungspotenzial dargestellt hätten, seien die Vorfälle häufiger und prekärer geworden. Die Medien berichteten zwar ab und an über Vorfälle oder über das Treiben von „kriminellen Gruppen“ – den Faktor Migrationshintergrund ließen sie jedoch regelmäßig außen vor, aus Rücksicht auf selbstgesetzte Gebote der Political Correctness.

Je jünger die Patienten, umso vehementer forderten diese ihr „Recht“ auf sofortige Behandlung ein. Obwohl die Familien der Betroffenen in manchen Fällen bereits seit 30 Jahren oder länger in Schweden lebten, sprächen viele die Landessprache nicht und reagierten uneinsichtig, wenn ihnen die Regeln erklärt würden. Bei zuvor nicht vereinbarten Terminen könnten in den meisten Fällen auch keine Dolmetscher herangezogen werden.

„Kulturelle Unterschiede und Sprache machen es uns noch schwieriger, uns zu verständigen und die Regeln zu erklären“, erklärt Lamottes Interviewpartnerin. „Bei zuvor vereinbarten Terminen haben wir die Möglichkeit, Dolmetscher zu buchen, aber wenn Patienten einfach reinkommen und denken, die Ärzte stünden Schlange, um sich um sie zu kümmern, funktioniert das nicht und sie werden sauer auf uns und dann kann die Situation bedrohlich werden.“

Wer einen anderen Beruf ausüben kann, verlässt das Gesundheitswesen

Sie könne es schon verstehen, dass Frust aufkomme, wenn die Betroffenen sich nicht verständigen könnten. Gerade um solche Situationen vermeiden zu können, sei es jedoch hilfreich, die Landessprache zu erlernen.

Mittlerweile prägten Stress, Druck und Erschöpfung den täglichen Alltag des Gesundheitspersonals. Dazu komme die permanente Gefahr gewaltsamer Eskalationen. In manchen Fällen würden Menschen mit Schussverletzungen eingeliefert und eine Entourage, die selbst bewaffnet sei, begleite sie, um mit vorgehaltener Pistole eine sofortige Behandlung zu erzwingen. Interviewpartnerin Josefin erklärt:

„Ich frage mich jeden Tag, was passieren wird und wer durch die Tür kommt, und ich bin ständig bereit, mich zu verteidigen, weil alles passieren kann. Es ist nicht gut, alle über einen Kamm zu ziehen, aber leider wird man extra wachsam, wenn es ausländische Männer sind. Ich wage es nicht mehr, zur Arbeit zu gehen, weil Leute auf dem Weg dorthin angegriffen werden.“

Lamottes Gesprächspartnerin glaubt, dass die Entwicklung den Gesundheitssektor in Schweden zunehmend aushöhlen werde. Immer mehr Mitarbeiter kündigten und suchten sich andere Jobs, vor allem jene, die talentiert und flexibel seien. Josefin sieht schwarz für die Zukunft:

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„Irgendwann wird es ernste Vorfälle geben, wenn nichts getan wird. Es ist nicht lustig, Wachen an einem solchen Ort und verschlossene Türen in Schweden zu haben, ich erkenne mein Land nicht mehr. Es ist eine traurige Entwicklung, und es muss etwas getan werden.“