Ungarn gedenkt der Opfer des Kommunismus und fordert UN-Gedenktag

Von 25. Februar 2020 Aktualisiert: 25. Februar 2020 10:48
Historiker schätzen, dass es allein in Osteuropa eine Million Tote durch kommunistische Diktaturen gegeben hat. Fast jeder zwölfte Ungar wurde nach dem 2. Weltkrieg zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion verschleppt, nahezu jede Familie war betroffen. Ungarn will alles dafür tun, damit der Gedenktag der Opfer des Kommunismus ein UN-Gedenktag wird.

Der 25. Februar ist in Ungarn der Gedenktag der Opfer des Kommunismus. Anlass für die Einrichtung des Gedenktages im Jahr 2000 war die Festnahme und Verschleppung des ungarischen Generalsekretärs Béla Kovács in die Sowjetunion im Jahr 1947.

Auf der Regierungswebseite steht dazu: „Die symbolträchtige Verhaftung des Politikers war nur die erste Station auf dem Weg, auf dem die Kommunistische Partei mit der Beseitigung ihrer Gegner die totalitäre Diktatur ausgebaut hat.“

Die willkürliche Verhaftung des Kleinwirts Béla Kovács ist ein Symbol, wie die Demokratie in Zeiten der kommunistischen Diktatur mit Füßen getreten wurde. „Die Verhaftung beschreibt passend die Herrschaft des Regimes, die fast ein halbes Jahrhundert angedauert hat.“

Das Schicksal des Generalsekretärs sei ein typischer Fall eines Opfers des Kommunismus, so die offizielle Seite zum Gedenktag weiter.

Opfer des Kommunismus: 100 Millionen Todesopfer weltweit

Die Zahl der Todesopfer kommunistischer Diktaturen wird weltweit auf 100 Millionen geschätzt. In Mittel- und Osteuropa erreicht ihre Zahl 1 Million. So viele haben ihr Leben durch Hungersnot, Zwangsarbeit oder brutale Hinrichtungen verloren.

Diejenigen, die verhört und gefoltert, stigmatisiert, ausgeschlossen oder inhaftiert, wegen ihrer politischen oder religiösen Zugehörigkeit verfolgt wurden, waren ebenfalls Opfer des Systems.

Ein oft verwendetes Zitat von Josef Stalin zeigt, wie der Umgang mit den Zahlen der Opfer zu der Zeit ausgesehen hat:

Der Tod eines einzelnen Mannes ist eine Tragödie, aber der Tod von Millionen nur eine Statistik.“ (Josef Stalin)

Bis zu 300.000 Ungarn kehrten nie wieder aus der Sowjetunion zurück

Bence Rétvári, Parlamentarischer Staatssekretär des Ministeriums für Humanressourcen, sagte am Montag bei der Gedenkfeier in Budapest:

Heute gibt es immer noch welche, die die totalitäre Zeit des Kommunismus, die unmenschliche Taten, manche Symbole und auch die historischen Fakten relativieren wollen.“

Der Staatssekretär sagte am Montag, die Erinnerung an die Hundert Millionen Menschen sei nicht zu relativieren, wie die ungarische Nachrichtenagentur MTI berichtet.

Sie haben durch den kommunistischen Geist ihr Leben verloren, weil Marx, Engels, Lenin, Stalin und andere kommunistische Führer in ihren eigenen Ländern die kommunistische Macht ausbauen wollten“, fügte Rétvári hinzu.

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Heutige Politiker relativieren „eine totalitäre Ideologie“

Rétvári sprach in seiner Rede über mehrere Politiker, zum Beispiel über Bernie Sanders. Dieser schwärmte vor einigen Jahrzehnten nach seiner Studienreise von den Jugend- und Kulturprogrammen in der Sowjetunion, hatte „dabei aber ausgelassen, wie viele Opfer der Kommunismus verlangte“, so Rétvári.

Der ungarische Politiker führte seine Liste mit Jean-Claude Juncker weiter. Der ehemalige Präsident der Europäischen Kommission habe eine Statue von Karl Marx eingeweiht, wobei er, so Rétvári in seiner Rede, versäumt hat zu erwähnen, dass der Marxismus „eine totalitäre Ideologie“ sei.

Der frühere ungarische Premierminister Ferenc Gyurcsány blieb bei der Aufzählung ebenfalls nicht verschont. Gyurcsány habe eine Petition unterschrieben, die den roten Stern als kommunistisches Symbol in Ungarn nicht mehr länger verbieten will, so der Staatssekretär.

In seiner Rede betonte Rétvári die Zahl der Verschleppten, die in Ungarn um die 800.000 beträgt.

Das bedeutet, dass zu der Zeit jeder zwölfte Ungar zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion verschleppt wurde. Also fast jede Familie in Ungarn ist davon in irgendeiner Weise betroffen.“

Rétvári sagte, dass zwischen 200.000 und 300.000 Ungarn nie wieder aus der Sowjetunion zurückgekehrt seien. Der Staatssekretär betonte, dass Ungarn alles dafür tut, damit der Gedenktag an die Opfer des Kommunismus ein UN-Gedenktag wird.

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Das Paradebeispiel ist der Fall der Berliner Mauer. Am 6. Oktober 1989 hielten viele Städte in Ostdeutschland massive Proteste und Märsche ab und stießen mit der Polizei zusammen. Zu der Zeit war gerade Gorbatschow zu Besuch in Berlin und erklärte dem Generalsekretär der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, Erich Honecker: „Der einzige Ausweg besteht darin, die Chance zu ergreifen und zu reformieren.“

Sofort im Anschluss lockerte Ostdeutschland die Reisebedingungen nach Ungarn und in die Tschechoslowakei sowie nach Polen. So konnten sehr viele Menschen über die Tschechoslowakei nach Westdeutschland überlaufen. Selbst die Berliner Mauer konnte die Wellen von fliehenden Staatsbürgern nicht mehr länger aufhalten. Am 9. November gab der Osten die Teilung auf, so dass Zehntausende über die Mauer kletterten und damit nach West-Berlin gelangten, wobei sie die Mauer zertrümmerten. Das Symbol des kommunistischen eisernen Vorhangs, das Jahrzehnte gestanden hatte, verschwand in der Geschichte.

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