Amnesty: Gewaltexzesse zwingen eine Million Menschen im Südsudan zur Flucht

Epoch Times4. Juli 2017 Aktualisiert: 4. Juli 2017 7:50
"Die grausame Ironie dieses bewaffneten Konflikts ist, dass er die Kornkammer des Südsudan - eine Region, die vor einem Jahr noch Millionen Menschen versorgen konnte - in ein mörderisches Schlachtfeld verwandelt und fast eine Million Menschen zur Flucht gezwungen hat", so Joanne Mariner, Beraterin für Krisenarbeit bei Amnesty. Alle Konfliktparteien müssten "unverzüglich aufhören", gegen die eigene Bevölkerung vorzugehen.

Gewaltexzesse, Hunger und Angst im Konflikt im Südsudan haben laut der Menschenrechtsorganisation Amnesty International zur Vertreibung hunderttausender Menschen aus der fruchtbaren Region Äquatoria geführt.

Die Lage in der Region beschreibt Amnesty in einem am Dienstag veröffentlichten Kurzbericht. „Die Eskalation der Kampfhandlungen in der Region Äquatoria hat zu brutalen Übergriffen auf die Zivilbevölkerung geführt“, sagte Amnesty-Mitarbeiterin Donatella Rovera bei dessen Vorstellung.

„Männer, Frauen und Kinder werden erschossen, mit Macheten zerhackt und in ihren Häusern bei lebendigem Leib verbrannt. Frauen und Mädchen sind ständig in Gefahr, entführt und vergewaltigt zu werden“, sagte Rovera. Häuser, Schulen, medizinische Einrichtungen und humanitäre Organisationen würden geplündert oder verwüstet. Hunger werde als Waffe eingesetzt.

Amnesty-Vertreter waren im Juni in die Region gereist und hatten gravierende Menschenrechtsverletzungen und Völkerrechtsverstöße dokumentiert, wie Kriegsverbrechen, insbesondere durch Regierungstruppen, aber auch durch bewaffnete oppositionelle Gruppen. Knapp eine Million Menschen sind demnach vor der Gewalt in das Nachbarland Uganda geflohen.

Immer wieder komme es zu Massakern: So berichteten laut Amnesty zahlreiche Augenzeugen in Dörfern rund um die Stadt Yei, dass Regierungstruppen und ihre verbündeten Milizen vorsätzlich und rücksichtslos Zivilisten töteten. Menschen, die diesen Massakern selbst entkommen seien, bestätigten diese Aussagen. Amnesty dokumentierte zudem einen starken Anstieg an Fällen von Entführung und Vergewaltigung von Frauen und Mädchen in der Region Äquatoria, seitdem die Kämpfe im Jahr 2016 eskalierten.

Hunger werde ebenfalls als Waffe eingesetzt, heißt es in dem Bericht weiter. Die Zivilbevölkerung habe nur noch äußerst eingeschränkten Zugang zu Lebensmitteln. Sowohl Regierungs- als auch Oppositionstruppen schnitten die Nahrungsmittelversorgung in bestimmten Gebiete ab, plünderten systematisch Lebensmittelmärkte und Häuser und nähmen Zivilpersonen ins Visier, die auch nur kleinste Nahrungsmittelmengen über die Kampflinien transportierten. Ziel sei es, den Feind und seine Unterstützer auszuhungern.

„Die grausame Ironie dieses bewaffneten Konflikts ist, dass er die Kornkammer des Südsudan – eine Region, die vor einem Jahr noch Millionen Menschen versorgen konnte – in ein mörderisches Schlachtfeld verwandelt und fast eine Million Menschen zur Flucht gezwungen hat“, sagte Joanne Mariner, Beraterin für Krisenarbeit bei Amnesty. Alle Konfliktparteien müssten „unverzüglich aufhören“, gegen die eigene Bevölkerung vorzugehen. „Alle Verantwortlichen müssen zur Rechenschaft gezogen werden.“ Die Gewalteskalation müsse beendet werden. (afp)

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